Grüne Kritik an Wiener Baum-Politik - und drei aktuelle Beispiele

Grüne Kritik an Wiener Baum-Politik - und drei aktuelle Beispiele
"Masterplan" vorgestellt: 100.000 neue Bäume, strengerer Schutz und mehr Transparenz.

Die Grünen schlagen wieder einmal beim Thema Baumschutz Alarm. Die Stadt würde zu wenig tun, um den Baumbestand zu schützen, obwohl die „natürlichen Klimaanlagen“ angesichts der zunehmenden Hitzetage immer wichtiger werden, kritisierten Parteichef Peter Kraus, Umweltsprecherin Huem Otero García und der stellvertretende Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Bernhard Seitz, am Mittwoch.

So stellte der Stadtrechnungshof im Mai fest, dass 39 Prozent der Bäume in acht untersuchten Wohnhausanlagen von Wiener Wohnen innerhalb der ersten zwei Jahre nach Pflanzung abstarben und neu gepflanzt werden mussten. Zudem würden Bäume allzu oft für Bauvorhaben gefällt (siehe unten) und auch vorgeschriebene Ersatzpflanzungen nicht in ausreichendem Ausmaß durchgeführt.

Mehr lesen: Rodungen in Hietzing: 15 Ahornbäume von Pilz betroffen

Eine Anfrage Otero Garcías an Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) ergab etwa, dass alleine im Jahr 2021 durch die Stadt 2.500 Bäume weniger nachgepflanzt wurden als vorgeschrieben.

Forderungskatalog präsentiert

Die Grünen haben darum einen „Masterplan“ für mehr und gesündere Bäume in Wien präsentiert und fordern unter anderem 100.000 neue Bäume an neuen Standorten – das entspricht in etwa der aktuellen Anzahl an Bäumen im Straßenraum.

Eine im Fachblatt The Lancet veröffentlichte Studie empfiehlt, mindestens 30 Prozent der Stadtfläche von Bäumen beschatten zu lassen. Das hätte die Anzahl der Todesfälle im Hitzesommer 2015 um ein Drittel reduzieren können. In Wien seien es nur 15 Prozent, in Graz immerhin 26 Prozent.

Zudem fordern die Grünen eine strengere Handhabung des Baumschutzes, höhere Standards für Baumscheiben, mehr Zurückhaltung beim Baumschnitt, mehr großkronige Bäume „und generell ein viel breiteres Sortiment an Bäumen“ –  sei mehr Diversität doch „die beste Strategie gegen Schädlinge und Hitze“, wie Otero García sagte.

Zudem brauche es ein nachhaltigeres Regenwassermanagement, eine Ausweitung des Baumkatasters auf den historischen Baumbestand, um Entwicklungen nachvollziehbar zu machen, und mehr Transparenz. „Fällungsbescheide müssen öffentlich werden“, sagte Seitz: „Heute ist es ein Geheimnis, warum ein Baum gefällt wird.“ Zu guter Letzt bräuchten die zuständigen Magistratsabteilungen mehr Ressourcen – etwa mehr Personal und Fahrzeuge.

Beispiel 1: Umgestaltung ohne Begrünung

„Jedes Mal, wenn eine Straße aufgebrochen wird, wird die Straße gleich neu gestaltet“ – dieser 2020 von Czernohorszky in einem Interview geäußerte Satz wird der Stadt nach wie vor gerne vorgehalten, wenn genau das wieder einmal nicht passiert.

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Auch nach der Umgestaltung: Viel Schwarz, kein Grün

So wie in der Leopoldstädter Josefinengasse. Diese wurde unlängst saniert, hatte davor kein Grün und keinen einzigen Baum – und auch danach nicht, kritisiert Kraus.

„Aufgrund der Enge der Gasse sind Begrünungsmöglichkeiten nur eingeschränkt möglich“, heißt es dazu aus der Bezirksvorstehung. Für den zweiten Abschnitt zwischen Großer Stadtgutgasse und Konradgasse seien jedoch Hochstammsträucher geplant.

Beispiel 2: Klimawandel fördert Pilzbefall

Vergangene Woche wurde  in der Gallgasse in Hietzing auf 15 Ahornbäumen die Rußrindenkrankheit entdeckt. Ein Pilz, der sich rasch ausbreitet und beim Menschen Allergien hervorrufen kann. Anfang dieser Woche wurden die Bäume gefällt und abtransportiert, sagt Alexander Mrkvicka vom Wiener Klima-, Forst- und Landwirtschaftsbetrieb.

 

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Das Bild eines befallenen Ahornbaums in der Gallgasse

Im Osten Wiens habe man die Krankheit schon öfter beobachtet, im Westen aber sei sie neu. Dabei  handle es sich um eine „klassische Klimawandel-Geschichte“. Jahrelange Hitze und Trockenheit hätten die Ahornbäume gestresst. Der nasse Frühling habe dann dazu beigetragen, dass sich der Pilz entwickelt.

Anfällige Baumarten, wie  Berg-Ahorn oder Spitzahorn werden langfristig wohl aus dem Stadtbild verschwinden, sagt Mrkvicka.

Beispiel 3: Platanen überlebten Baustelle nicht

14 große, gesunde Platanen im mit 30 Jahren besten Platanenalter standen vor einem Gebäude in der Lassallestraße 1 nahe des Pratersterns, berichtet Seitz. Im Zuge der Sanierung des Gebäudes hätten sich ihre Blätter dann plötzlich braun verfärbt.

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Nach den Bauarbeiten sollen 27 neue Bäume kommen

Stress durch den heißen Sommer und die Baustelle, hieß es damals seitens des Magistrats. Aber auch, dass sich die Bäume erholen könnten.

Konnten sie nicht: Mittlerweile wurden sie gefällt. Sie hätten ihre „physiologische Altersgrenze“ überschritten – was Seitz nicht glaubt.

Aus dem Bezirk heißt es, die Wurzeln hätten überdies eine Tiefgarage beschädigt. Im Zuge der Neugestaltung des Platzes würden zudem 27 neue Bäume gepflanzt.

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