© Bernert Martin

Chronik Wien
11/10/2021

„Grün nicht mehr erreichbar“ – Testfahrt mit neuer Verkehrs-App

Das Ampel-Prognose-Tool „Grüne Welle Wien“ soll helfen, den Verkehr fließen zu lassen. Doch die App scheitert an sich selbst.

von Martin Bernert

Nachmittagsverkehr am Ring. „Grün bei 40 km/h“, sagt das Handy. Eine symbolisierte Straße am Display leuchtet grün. An Tempo 40 ist aber nicht zu denken. In erhöhter Schrittgeschwindigkeit rollt die Kolonne dahin und kommt schließlich zum Stillstand – noch lange vor der nächsten Ampel.

„Grün bei 50 km/h“, sagt das Handy; schließlich wird die Straße am Display rot. „Grün nicht mehr erreichbar“, tönt es aus dem Mobiltelefon.

In der Theorie klingt es genial: Man fährt mit dem Auto oder Fahrrad durch die Stadt, und eine App sagt, wie schnell man fahren muss, um die nächste Ampel bei Grünlicht zu erreichen.

Kostenlos downladbar

Seit Kurzem gibt es diese App tatsächlich: „Grüne Welle Wien“ wird von der Stadt Wien angeboten und ist für Apple- und Android-Handys kostenlos verfügbar. Das Programm sagt präzise voraus, wie lange die nächste Ampel noch rot oder grün ist, und schlägt ein Tempo vor, um die Grünphase zu erwischen.

Wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Fahrzeuge gibt es je einen Modus für Auto und Fahrräder.

Probebetrieb

Noch sind die Ampelprognosen im Rahmen eines Testbetriebs nur in einem kleinen Bereich rund um Ring und Prinz-Eugen-Straße verfügbar; ein Ausbau ist geplant. Der KURIER hat die App bei einer Fahrt um Ringstraße und Franz-Josefs-Kai einem Praxistest unterzogen.

Schon beim Download fällt auf: Weit verbreitet ist die „Grüne Welle Wien“ noch nicht. Gerade einmal etwas mehr als 1000-mal wurde die App bisher heruntergeladen.

Es gibt auch erst 15 Rezensionen, und diese fallen mit einem Durchschnitt von 1,8 (von 5 möglichen) Punkten vernichtend aus. Kritisiert werden vor allem die fehlenden Hinweise auf das noch sehr kleine Testgebiet.

Sinn macht das Programm allerdings nur bei flüssigem Verkehr – bei Stop-and-go wirken die wechselnden Tempovorschläge eher provozierend. Dazu wird man von einem weiteren blinkenden Display vom Verkehr abgelenkt.

Und noch ein nicht unerheblicher Nachteil: Wer das Handy auch als Navigationsgerät nutzt, muss sich entscheiden: Google Maps oder „Grüne Welle Wien“ – beides gleichzeitig geht leider nicht.

Standortsuche

Nach anfänglichen Problemen (der Standort konnte erst beim vierten oder fünften Versuch bestimmt werden) funktionierte die App klaglos. Ampelschaltungen werden präzise vorausgesagt, bei Abbiege-Ampeln ist die Spur am Display geteilt, und alle verfügbaren Richtungen werden angezeigt.

Bei Rotlicht wird bei vielen Ampeln die Zeit bis zur nächsten Grünphase heruntergezählt. Beim Zufahren auf eine Ampel zeigt die App mit der Intensität der Farben am Display sogar an, wie wahrscheinlich die Prognose ist.

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