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14-jähriger Gymnasiast wegen Raub in Heiligenstadt angeklagt

Sechs Burschen, 16 Euro Beute und widersprüchliche Aussagen vor Gericht.
Schattenrisse von Menschen auf einem gepflasterten Gehweg.

Ein 10-Euro-Schein und drei Zwei-Euro-Münzen: eine ungewöhnlich niedrige Ausbeute für einen Raub. Und doch passt sie sowohl zu den Opfern als auch zu den mutmaßlichen Tätern. Alle Beteiligten sind junge Burschen und gehen noch in die Schule. So auch der 14-jährige Angeklagte, ein großer, blonder Teenager in hellem Hemd und Jeans, der erst vor vier Jahren mit seiner Familie aus der Ukraine nach Österreich kam und heute die vierte Klasse eines Wiener Gymnasiums besucht. Er wird von den Opfern belastet, einer der beiden Haupttäter zu sein, streitet aber jegliche Beteiligung ab.

„Irgendwie sagt jeder etwas anderes“, äußert sich die Richterin bereits leicht entnervt, nachdem sie die Aussagen der Jugendlichen angehört hat. Worauf sich jedoch grundsätzlich alle einigen können: Der Angeklagte war gemeinsam mit zwei Freunden am Abend des 12. Februar im Bereich einer Bushaltestelle in Heiligenstadt. Als drei ihnen unbekannte Burschen vorbeigingen, sprach einer der Freunde die Jugendlichen an: „Habt ihr Geld?“ - „Nein.“ - „Ich kontrolliere euch und wenn ich Geld finde, ficke ich euch.“

Mittlerweile strafmündig

Martialische Worte – und doch kamen sie aus dem Mund eines damals 13-Jährigen, der zum Tatzeitpunkt daher noch strafunmündig war und nur als Zeuge aussagt. „Der junge Mann ist mittlerweile strafmündig und hat das gleich ausgenützt, um hier die Justizanstalt kennenzulernen“, kündigt die Richterin seinen Auftritt an. Der Bursche wird für seine Aussage nämlich direkt aus der U-Haft vorgeführt. Er hatte am besagten Februartag eines der Opfer durchsucht und fand dann dessen Geldbörsel. Er bekam daraus 10 Euro, das reichte ihm aber nicht. Da bekam er noch eine 2-Euro-Münze obenauf. Dann soll auch der Angeklagte nach Geld gefragt haben, man habe ihm ein paar Münzen gegeben.

"Gefragt, ob sie mir auch etwas geben können"

Die Beteiligung des Angeklagten bestreiten aber sowohl der damals Strafunmündige, als auch der dritte Freund in der Runde. Der 14-Jährige sei zum Zeitpunkt der Drohung gerade im Gebüsch austreten gewesen und erst später dazugekommen, als die Geschädigten schon weitergegangen waren. Die Opfer hätten den Angeklagten vermutlich mit jenem dritten Jugendlichen verwechselt, der selbst einräumt, von den Burschen Münzen erhalten zu haben. Der Angeklagte habe die drei Opfer nie gesehen

Blöd nur, dass der Angeklagte zuvor selbst schon angegeben hat, die drei Geschädigten nach Geld gefragt zu haben: „Ich habe gesehen, dass sie den anderen beiden Geld geben, da habe ich gefragt, ob sie mir auch etwas geben können.“ Von der vorausgegangenen Drohung will er nichts mitbekommen haben.

Schließlich war sich eines der Opfer, ein 14-Jähriger Schüler, dann bei seiner Aussage nicht mehr ganz sicher, ob er den Angeklagten mit dem dritten Jugendlichen verwechselt. Licht ins Dunkel sollen die Aussagen der zwei anderen Opfer bringen – die am Mittwoch jedoch wegen einer mehrstündigen Deutschschularbeit entschuldigt sind. Der Prozess wird vertagt.