Mit dem Geld aus dem Überfall wollte Gabriel E. ein Dorf für arme Kinder in Äquatorial-Guinea bauen, behauptet er
Interview
02/04/2014

„Robin Hood ist mein Vorbild“

Geldtransporter-Raub mit 3,47 Millionen Euro Beute. Der Täter rechtfertigt sich.

von Dominik Schreiber

Es war der Überfall des Jahres 2013. Ein Mann und eine Frau überfielen am 23. Dezember einen Loomis-Geldtransporter in Wien-Alsergrund. Sie fesselten den Geldboten und entkamen mit einer hohen Summe. Drei Wochen nach der Tat wurden zwei Verdächtige gefasst.

Viel wurde seither spekuliert, von bis zu vier Millionen Euro Beute war zuletzt in den Medien die Rede. Dem KURIER bietet der Täter und mutmaßliche Mastermind Gabriel E. (49) erstmals Einblicke in die genauen Hintergründe der Tat und das Hilfsprojekt in Afrika, das der ehemalige WEGA-Polizist, wie er sagt, mit dem Geld aus dem Raub finanzieren wollte. Sein Anwalt Werner Tomanek beantwortete – nach Rücksprache mit E., der derzeit in U-Haft sitzt – für ihn die Fragen.

KURIER: Sie haben angeblich vier Millionen Euro geraubt, um ein Dorf in Äquatorial-Guinea zu bauen. Sind Sie eine Art moderner Robin Hood?

Gabriel E.: Das will ich mir nicht anmaßen. Aber er hat den Armen geholfen. Robin Hood ist jedenfalls ein Vorbild für mich. Die Beute war allerdings 3.470.000 Euro und nicht vier Millionen.

Wie weit waren die Pläne für dieses Dorf schon? Waren Sie schon selbst vor Ort?

Ich führe bereits seit 2007 Gespräche mit einem deutschen Patentanwalt über das Projekt. Die Häuser wären nur mehr zu bauen gewesen, die Planung war bereits abgeschlossen. Die Gebäude sollten in Leichtbauweise errichtet und kreisförmig angeordnet werden. Ich war von 2007 bis 2010 in Gabun, einem Nachbarstaat von Äquatorialguinea, dort ergaben sich entsprechende Kontakte.

Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem karitativen Projekt?

Ich hatte eine traurige Kindheit. Aufgewachsen bin ich zunächst bei meinem Vater, zu ihm hatte ich ein äußerst schwieriges Verhältnis. Es kam zu gewaltsamen Übergriffen von ihm. Deshalb flüchtete ich vorübergehend in die Schweiz. Durch diese Erlebnisse wollte ich immer schon Kindern in schwierigen Situationen helfen.

Warum musste es ein Überfall sein, um das zu finanzieren?

Bei Loomis sah ich Sicherheitslücken. Deshalb schien es mir leicht, an das Geld zu kommen. Ich wusste etwa, dass der Nachtdienst eigentlich immer unbewaffnet ist.

Wie lief der Coup dann aus Ihrer Sicht ab?

Genau wie geplant. Es war wie in einem Film, allerdings mit einer Ausnahme: Einer der Sicherheitsmänner hatte entgegen meiner Annahme doch eine Waffe.

Wo lernten Sie Ihre mutmaßliche Komplizin Tamara S. kennen und wie überredeten Sie sie zur Mitarbeit?

Ich habe sie ursprünglich bei Loomis kennengelernt. Nach einem Kirchenbesuch habe ihr von meiner „Idee“ erzählt und ihr gesagt, sie solle darüber einmal nachdenken, sich das überlegen und mir in der nächsten Messe eine Antwort geben. Sie sagte dann: „Ja, wenn du es für einen guten Zweck machst, bin ich dabei.“

Sie hatten 3,47 Millionen Euro in drei Koffern. Was haben Sie sich darum gekauft?

Ich habe wirklich nichts davon ausgegeben.

Mit welcher Strafe rechnen Sie nun? Hoffen Sie, dass dieses Robin-Hood-Motiv ein Milderungsgrund sein wird?

Mir ist bewusst, dass ich eine Straftat begangen habe. Aber ich wollte mich selbst nicht bereichern. Ich hoffe, dass der Richter das erkennt.

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