Chronik | Wien
01.12.2017

Geldfälscher im Gemeindebau

50-Euro-Blüten: Burschen druckten Banknoten im Kabinett aus und boten sie im Darknet an.

Drei junge Wiener ohne Job haben im Schlafzimmer einer Gemeindebauwohnung eine Geldfälscher-Werkstatt betrieben. "Es war – blöd gesagt – relativ einfach", bemerkte der Kopf der Bande am Freitag beim Prozess im Wiener Landesgericht. Auf einem MacBook wurden über 1000 Stück 50-Euro-Banknoten entworfen, dann mit Tintenstrahldruckern ausgedruckt und unter dem Kennwort "VIB" ("Very Important Bills") über den virtuellen Marktplatz "Alphabay" im Darknet verkauft.

Ein vierter Angeklagter brachte Blüten unter die Leute, so zahle er zum Beispiel im Gasthaus mit dem Falschgeld. In einer Drogerie im Aufhof Center flog er jedoch auf.

Die Fälschung der Geldscheine funktionierte recht simpel: Der 25-jährige Dean B., der die Idee hatte, googelte eine Anleitung im Internet. Dort fand er auch gleich die Einkaufsliste der benötigten Materialien vor, die er sich über eBay beschaffte. Die falschen Fünfziger wurden nach dem Ausdrucken geschnitten, mit Hologrammen versehen und dort, wo der Betrag steht, mit Klebstoff bepinselt. Dann streuten die Fälscher noch lilafarbenes Pigmet darauf.

Die Anklage nennt die Blüten "verwechslungstauglich", ein Gutachten der Nationalbank bemängelt die "schlechte Bildqualität" der gefälschten Banknoten, obwohl diese auf speziellem Papier ausgedruckt worden waren.

7,50 Euro Stückpreis

Beim Fälschen ließ sich Dean B. von seinem Jugendfreund S. (Verteidigung Roland Friis) helfen, der einen vorgezeigten gefälschten Fünfziger nicht von einem echten unterscheiden konnte und deshalb einstieg. Das Kabinett im Gemeindebau stellte L., 23, zur Verfügung.

Die Bande verkaufte die Blüten für 7,50 Euro pro Stück und ließ sich mit Bitcoins bezahlen. Reich wurden die verschuldeten Burschen damit nicht. Sie lukrierten insgesamt 8000 Euro Gewinn, den sie untereinander aufteilten.

Die Bande wurde nach drei Monaten ausgehoben. Man hatte die bestellten Blüten mit der Post verschickt, aber beim Porto gespart, sodass die Pakete zahlreich retour kamen. Die Häufung der Pakete mit gleichen Ausmaßen fiel auf. Bei einer Hausdurchsuchung in der Gemeindebauwohnung in Wien-Landstraße wurden Probedrucke von 20-Euro-Scheinen sowie Niederländischen Antillen-Gulden gefunden.

Die Angeklagten wurden zu teilbedingten Haftstrafen zwischen 21 und 33 Monaten verurteilt. Bandenchef Dean B. muss elf Monate Gefängnis absitzen.