Wiener Kultlokal "Hawidere“: Wo der Zapfhahn nie stillsteht

Stube vom Beisl Hawidere
Das Wiener Kultlokal „Hawidere“ feiert heuer 25-jähriges Jubiläum. Im urigen Beisl gibt es selbst gebaute Lampen, mehr als 100 Biersorten und Stammgäste, die für den Wirt fast schon Familie sind.

Von Franziska Trautmann

An einem langen Tisch aus Holz sitzen Gäste Schulter an Schulter. Biergläser klirren, hinter der Bar wird schon die nächste Spülmaschine mit der nächsten Charge Gläser angeworfen. Über den Tischen hängen Lampen, keine gleicht der anderen. „Die baut der Bertl selber“, sagen die Gäste. Der „Bertl“ ist Wirt Adalbert Windisch. Mit vielen hier ist er seit Jahrzehnten befreundet. 

Im Hintergrund laufen abwechselnd Lieder von den Beatles und Queen. Aus der Küche bimmelt im Minutentakt eine Glocke, die Zapfhähne hinter der Bar laufen auf Hochtouren. Gäste kommen und gehen, beim Vorbeigehen grüßen sie sich. „Hawidere“, sagt man hier nicht nur – man lebt es. 

Seit 25 Jahren gibt es das Wiener Kultlokal „Hawidere“ in der Ullmannstraße im 15. Bezirk.  Am 16. März 2001 übernahm Windisch den Betrieb: „Ich wollte mich damals beruflich verändern und das Lokal war wie gemacht für mich.“ Deshalb wird heuer zum Jubiläum von 12. bis 14. März mit täglichem Holzfassanstich, eigens gebrautem Jubiläumsbier, T-Shirts und Livemusik gefeiert. „Wie in den alten Zeiten“, sagt Windisch. 

25 Jahre Hawidere Reportage

Adalbert Windisch (l.) und sein Team in Jubiläums-T-Shirts.  

Denn damals feierte das Lokal viele Abende mit Livemusik, wegen des Lärms musste diese dann aber eingestellt werden. Jetzt spielen Bands nur mehr einmal im Monat. Seinen Flair von damals hat das „Hawidere“ aber nicht verloren. Die Einrichtung hat sich kaum verändert, hier und da wird eine der selbst gebauten Lampen oder ein neuer Hocker dazugestellt. Die beiden Räume sind mit Holz ausgekleidet. 

„Wir verzapfen keinen Unsinn“

Seit dem Ende der Livemusik hat sich das Lokal besonders auf Bier spezialisiert. Anfangs mit sieben Leitungen, ausschließlich für österreichische Kleinbrauereien. 2013 folgte dann eine große Investition: ein eigenes Kühlhaus im Keller, nur für Fassbiere. Heute sind es bis zu 14 Zapfhähne, internationale und heimische Craft-Bierspezialitäten wechseln im Zwei- bis Drei-Wochen-Rhythmus. Drei Biersommeliers gehören zum Team. Im vergangenen Jahr wurden 128 verschiedene Biere ausgeschenkt. 

Der Zapfhahn steht kaum still, abwechselnd stehen die Kellner dort, über ihnen steht in einem neonfarbenen Schriftzug „Wir verzapfen keinen Unsinn.“

Stammgast Gerhard Baumgartner sieht dahinter auch den Schlüssel zum Erfolg: „Ich glaub, dass es durch das breite Bierangebot  an Popularität gewonnen hat, auch bei jungen Gästen.“ Baumgartner kommt seit Tag eins ins „Hawidere“  – vor allem zum Kartenspielen. „Jede Woche treffen wir uns hier und spielen, es ist wie ein zweites Wohnzimmer für uns“, sagt Baumgartner. Heute ist er mit ehemaligen Arbeitskollegen hier. Sie sitzen im hinteren Zimmer und stoßen auf die alten Zeiten an. 

Vorne hinter der hölzernen Bar steht Windisch und zapft schon die nächsten Krügerl. Er freut sich, wenn seine Gäste zufrieden sind: „Ich wollte ein Lokal machen, in dem sich jeder wohlfühlt.“ Laut ihm sind seine Mitarbeiter und Stammgäste wie Familie. „Das ist das Erfolgsrezept und ganz viel Herzblut, Leidenschaft und Arbeit.“

„Mit uns alt geworden“ 

Zur Familie gehört vor allem seine Stellvertreterin Dominique Schilk. Sie arbeitet seit 18 Jahren hier: „Ich hab anfangs neben dem Studium gearbeitet und dann wollte ich hierbleiben.“ 

Laut ihr ginge es auch vielen Gästen so: „Viele waren früher als Studenten hier und sind mit uns alt geworden.“ Neben gebliebenen Stammgästen erzählt Schilk aber auch von einem Touristen-Andrang – der urige Wiener-Beisl Flair sei besonders beliebt, vermutet Schilk. „Trotzdem ist es wichtig, innovativ zu sein und immer am Ball zu bleiben“, sagt sie. Mit Veranstaltungen, Aktionen, neuen Bieren und wechselnder Speisekarte versucht das Team immer wieder  Gäste abzuholen. 

Einer von ihnen ist Sascha Weingrill. Seit 2008 ist er regelmäßiger Gast, jetzt sitzt er mit seiner Familie auf seinem Stammplatz. Früher kam er für die Liveübertragung der Fußballspiele her, geblieben ist er vor allem wegen der Burger: „Ich wüsste nicht, wo ich in Wien einen besseren Burger kriegen würde.“ Bereits 2006 begann Windisch damit, zu einer Zeit, als Burger in Wien noch eine Nische waren. 

Einmal im Jahr veranstaltet das „Hawidere“ auch eine Spendenaktion. Die Einnahmen von verkauften Burgern werden dann an eine karitative Institution gespendet. Heuer findet die Aktion am 24. Mai statt, das Geld geht an die Gruft der Caritas.

Beisl-Stil 

Zwar ist jetzt ein viertel Jahrhundert um, für das Kommende hat Windisch aber auch schon einen Wunsch: „Ich würd mir wünschen, dass mehr junge Leute dieses Flair entdecken.“ Denn genau das macht sein Lokal für ihn aus. Windisch findet es traurig, wenn Gastronomen ein altes Lokal übernehmen und die komplette Infrastruktur rausreißen. „Man muss sich nur trauen und aufhören, zu glauben, alles muss trendy sein“, sagt er.

Eine zukünftige neue Stammkundin könnte er  noch vor dem Jubiläum abgeholt haben. Die 32-jährige Melissa E. ist zum ersten Mal mit einem Freund im „Hawidere“. Sie wohnt in der Nähe und hat es zufällig entdeckt, zeigt sich aber begeistert: „ Ich finde den Stil  sehr cool.“ Sie bedauert, dass es nicht mehr solcher Lokale in Wien gibt. „Ich glaube, viele denken, dass es nicht gut ankommt, wenn man den Beisl-Stil beibehält. Aber das stimmt nicht.“  

Bei der Tür kommen schon neue Gäste rein und setzen sich an die Bar. Kurz schauen sie in die Karte. Dann fragen sie die Kellnerin nach Bierempfehlungen.

Kommentare