Wien behandelte im Vorjahr 12.000 Krebspatienten aus NÖ

Gastpatienten: NÖ präsentierte MedAustron als Vorzeigebeispiel, Wien hält dagegen.
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Die Fronten im Streit um die Gastpatientinnen und Gastpatienten zwischen Wien und Niederösterreich bleiben verhärtet. Denn der Blick auf die Themen variiert – je nachdem, von welcher Seite der Landesgrenze darauf geblickt wird. Am Dienstag hat die ÖVP Niederösterreich im KURIER der Wiener Stadtpolitik am Beispiel des Krebsforschungs- und Therapiezentrums MedAustron ausgerichtet, wie man sich in NÖ den Umgang mit Gastpatientinnen und Gastpatienten so vorstelle.

Dabei wurde darauf gepocht, dass das gänzlich mit Haftungen vom Land NÖ finanzierte Zentrum keine Landesgrenzen kenne. Dass der Bund eine Anschubfinanzierung geleistet hat, blieb von NÖ-Seite unerwähnt. Betont wurde, dass 25 Prozent der Patienten aus Wien kommen – und selbstverständlich behandelt würden. Bei 3.600 Patienten seit zehn Jahren sind das etwa 90 pro Jahr aus Wien.

12.000 zu 90

Diesen Wettstreit nimmt Wien auf und präsentiert die Zahlen zu Krebspatientinnen und -patienten aus NÖ, die allein im Vorjahr in der Bundeshauptstadt behandelt wurden. Dabei geht es um 12.000 Personen, in Summe 22 Prozent aller in Wien behandelten Personen mit onkologischer Hauptdiagnose, die ambulant behandelt wurden. Es geht um 2.300 Patientinnen und Patienten aus NÖ, die mit 25.000 onkologischen Behandlungen und Chemotherapien versorgt wurden. Es geht um 5.500 Patientinnen und Patienten aus NÖ, die mit 68.000 nuklearmedizinischen und strahlentherapeutischen Leistungen versorgt wurden. Und es geht um 2.800 Patientinnen und Patienten aus NÖ, die mit einer onkologischen Hauptdiagnose in Wien chirurgisch behandelt wurden.

"Strukturelle Asymmetrie"

Auch dabei kommen in den Häusern des Wiener Gesundheitsverbundes WIGEV Tumorboards zur diagnostischen Abklärung zum Einsatz. Wien verweist in dem Zusammenhang auch auf eine „strukturelle Asymmetrie“ bei der Finanzierung. Denn während die Sozialversicherungsmittel, über die die Krebsbehandlungen bei MedAustron abgerechnet werden, von allen Versicherten aufgebracht werden, würden die im stationären Bereich österreichweit eingehobenen Mittel nach der Wohnbevölkerung verteilt. 

Demnach müsse eben Wien die Kosten der in Wien behandelten Niederösterreicher tragen – was allerdings im Finanzausgleich so vereinbart wurde. Wien fordert erneut, zu einer Versachlichung der Diskussion zurückzukehren und „eine faktenbasierte Klärung der Finanzierungslogik“ herbeizuführen.

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