Gastpatienten-Streit: Denken Sie wie die meisten Wiener?
Die Fronten zwischen Wien und Niederösterreich sind in der laufenden Gastpatienten-Debatte verhärtet. Die politischen Positionen sind dabei klar: Das rote Wien möchte mehr Geld aus dem türkisen Niederösterreich, um die Versorgung sicherzustellen. Umgekehrt fordert man die Bundeshauptstadt dazu auf, die Blockadehaltung aufzugeben und dem Versorgungsauftrag nachzukommen.
Doch wie steht die Bevölkerung dazu? Einen ersten Anhaltspunkt bietet nun eine repräsentative Umfrage unter Wienerinnen und Wienern, die dem KURIER exklusiv vorliegt. Herauszustreichen ist: Für Niederösterreich liegen solche Daten nicht vor. Die Umfrage wurde schließlich von der Wiener SPÖ finanziert. Im Rathaus lässt man des Öfteren abtesten, wie die Stimmung zu brennenden Themen in der Stadt ist.
Auch dieses Mal standen gleich mehrere Punkte auf der Agenda. Neben den Gastpatienten wurden die Wienerinnen und Wiener auch zum Social-Media-Verbot für Jugendliche und zum aktuellen Geschehen im Iran befragt.
Die Ergebnisse im Detail:
Gastpatienten: Nur FPÖ-Wähler anders
Knapp mehr als die Hälfte, konkret 51 Prozent, der Befragten hält die Forderungen der Stadt Wien nach höherer Kompensation für gerechtfertigt. 35 Prozent unterstützen diese Forderung nicht. Der Rest hat sich der Stimme enthalten.
In dieser Frage gibt es große Unterschiede je nach Parteipräferenz. Die größte Zustimmung erfährt die Stadt Wien, und damit die SPÖ, die mit Peter Hacker auch den Gesundheitsstadtrat stellt, bei KPÖ-Wählern (70 Prozent), bei Grün-Sympathisanten (67 Prozent) und bei den eigenen Wählern (67 Prozent). Auch die Mehrheit der Neos-Wähler (52 Prozent) holt man mit der aktuellen Strategie ab. Im ÖVP-Wählerteich ist man in dieser Frage gespalten: 48 Prozent halten Wiens Vorgehen für gerechtfertigt, ein Hauch weniger sieht das genau anders (47 Prozent).
SPÖ vorne, FPÖ legt zu
Wäre am Sonntag in Wien Gemeinderatswahl, würde das Ergebnis laut der SPÖ-Umfrage so ausfallen:
- SPÖ: 38 Prozent
- FPÖ: 25 Prozent,
- Grüne: 15 Prozent
- Neos: 9 Prozent
- ÖVP: 8 Prozent
- KPÖ: 4 Prozent
- Andere: 1 Prozent
Bürgermeister-Wahl
Bei einer fiktiven Bürgermeister-Direktwahl würden sich 49 Prozent für den amtierenden Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) entscheiden. FPÖ-Chef Dominik Nepp würde 23 Prozent der Stimmen erhalten, Judith Pühringer (Grüne) rangiert bei 12 Prozent, ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl bei 9 Prozent, Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) bei 4 Prozent.
Bei den FPÖ–Wählern verhält es sich ganz anders als bei den anderen Parteien. Nur 29 Prozent goutieren die SPÖ-Forderung, 60 Prozent halten nichts davon.
Bei der anschließenden Frage, ob die Wienerinnen und Wiener Vertrauen haben, dass sie im Krankheitsfall in ihrem Bezirk gut versorgt sind, haben 76 Prozent mit Ja geantwortet, 24 Prozent haben kein Vertrauen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch die große Regionalumfrage des KURIER in Zusammenarbeit mit OGM vor wenigen Wochen. 78 Prozent gaben damals an, Vertrauen zu haben, 21 Prozent waren dahin gehend skeptisch.
Mehrheit für Verbot von Social Media für Kinder
Bei den Verhandlungen zum Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche sei man auf der Zielgeraden, hieß es erst vor wenigen Tagen aus der Bundesregierung. Sollte es kommen, wird es von der Mehrheit der Wienerinnen und Wiener befürwortet werden – und das quer durch alle Parteien.
Die höchste Zustimmung gibt es mit 75 bzw. 72 Prozent bei Grün- und SPÖ-Wähler. Bei Sympathisanten von KPÖ und FPÖ gibt es zwar die wenigsten Befürworter, aber mit jeweils 59 Prozent ist dennoch jeweils mehr als die Hälfte für das Verbot.
Iran: Diplomatie statt Angriff gewünscht
Es ist zwar kein stadtpolitisches Thema, dennoch wollte man im Rathaus herausfinden, was die Wienerinnen und Wiener zu der aktuellen Lage im Iran denken. Nach einer kurzen Einleitung zu den Ereignissen wurde gefragt, welcher Meinung man sich eher anschließen würde. 62 Prozent entschieden sich demnach für diese Antwort: „Das Handeln der USA und Israels gefährdet die internationale Sicherheit, statt militärischem Handeln sollte ausschließlich auf Diplomatie gesetzt werden.
21 Prozent sehen das Handeln der USA und Israels gerechtfertigt, es trage zur internationalen Sicherheit bei. Frauen votierten mit 66 Prozent für Diplomatie, nur 17 Prozent wählten die andere Antwort. Bei Männern ist das Verhältnis mit 59 zu 25 Prozent leicht anders.
Bei Unter-30-Jährigen sprechen sich sogar 70 Prozent für Diplomatie aus. Die dahin gehend zurückhaltendste Altersgruppe sind die 30-49-Jährigen (51 Prozent).
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