Mit Psyche und Trompeten: Ganymed am Otto-Wagner-Areal
Männer in blauen Pyjamas liegen in Krankenhausbetten. Es ist eine intime Szenerie, hier im ehemaligen Psychiatrischen Krankenhaus am Otto-Wagner-Areal, in der man sich als Zuschauer wiederfindet.
Die vulnerabel wirkenden Männer sind allerdings keine Patienten, sondern das Bläserensemble Federspiel, das erst im Bett liegend und später auch umherwandernd mit ihrer Musik für eine eindringliche und beklemmende Stimmung sorgt.
Ohne Worte kommt diese Szene aus – nur dank Tönen von Instrumenten wie Klarinette oder Trompete wehen Angst, Zerbrechlichkeit, Verstörung und auch Tod durch den Raum.
Großes Interesse
Am Samstag wird „Ganymed Areal“, die neue Inszenierung von Jacqueline Kornmüller, Premiere feiern. Am Mittwoch davor sind die Proben für die unterschiedlichen Stationen, die in diversen Pavillons am Gelände zu finden sind, darum schon im vollen Gange. Das Ganymed Ensemble und die Studierenden der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) wollen das Areal mit Musik, Schauspiel und Tanz mit neuem Leben erfüllen.
Die Verquickung von Kunst und Psyche stößt auf großes Interesse, fast alle Termine bis zum Sommer sind ausverkauft, ab September – wegen des großen Andranges wurde die Spielzeit verlängert – sind wieder Tickets zu haben.
Die MUK ist generell eng mit dem Otto-Wagner-Areal verbunden, die Privatuni soll hierherziehen, wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) vergangenes Jahr im Wahlkampf verkündete, der KURIER berichtete. Die Uni übernimmt 15 der 34 denkmalgeschützten Pavillons. Sie sollen für unterschiedliche Ausbildungsbereiche wie Musik, Tanz oder Gesang adaptiert werden, auch Wohneinheiten für Studierende soll es geben. Alles steht noch nicht fest, das „Areal ist in Entwicklung“, erklärt MUK-Direktor Andreas Mailath-Pokorny.
Das Areal ist sehr weitläufig, vieles ist denkmalgeschützt.
Laufende Arbeiten
Bis die Übersiedlung tatsächlich stattfinden kann, wird es aber noch dauern, die Sanierung ist aufgrund der historischen Bausubstanz und des Denkmalschutzes eine Mammutaufgabe.
Heuer im Jänner wurde etwa mit der Instandsetzung des Pavillon 8 gestartet – die gesamte Außenhülle wird saniert, das Dach erneuert und die Kellermauern trockengelegt. Alle Maßnahmen erfolgen in enger Absprache mit dem Bundesdenkmalamt. Im November 2025 starteten außerdem Geothermiebohrungen, die künftig für klimafreundliche Wärme und Kühlung sorgen soll. Geothermie soll den Hauptanteil des Bedarfs für das gesamte Areal abdecken. Die Bohrungen sollen im Mai 2026 abgeschlossen sein.
Das Projekt ist aber nicht nur auf die Revitalisierung der Gebäude und neue Infrastruktur beschränkt.
Otto-Wagner-Areal
Auf dem Gelände war das ehemalige Otto-Wagner-Spital zu finden, das umgangssprachlich als Steinhof bekannt ist.
Uni zieht hin
Die Musik und Kunst Privatuniversität (MUK) wird auf das Otto-Wagner-Areal übersiedeln. Die MUK ist als Unternehmen der Wien Holding die einzige Universität im Eigentum der Stadt Wien.
„Ganymed Areal“
Ab Samstag kann man das Stationentheater besuchen. Wer Tickets haben will, muss schnell sein, viele Termine sind bereits ausverkauft: kupfticket.com/series/ganymed-areal
Zwischennutzung
Andere Events am Gelände: www.owa-wien.at/events
„Die Hardware ist nur das eine“, wie Ludwig es ausdrückt, der auch zu den Proben gekommen ist. „Das andere ist die Software, also was dann wirklich hier passiert.“ Dass das Gelände auch dezidiert für Besucherinnen und Besucher geöffnet bleiben soll, zeigt sich schon in dieser frühen Phase des Projekts.
Denn „Ganymed Areal“ ist bei Weitem das einzige Projekt, das Besucherinnen und Besucher anlockt. Das Angebot reicht von Konzerten, Kunstausstellungen, Sommerkino bis hin zu Yoga- oder Rückenfiteinheiten.
Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), das ebenfalls in einen Pavillon einziehen wird, startet am 30. April mit einem Kulturprogramm.
Bürgermeister Ludwig besuchte die Probe und zeigte sich begeistert.
Tränen am Ende
Die MUK hat international einen guten Ruf und hat schon einige prominente Namen hervorgebracht. „Darunter Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek oder Song-Contest-Sieger JJ“, erzählt Ludwig – und dann scherzhaft zu den anwesenden Studentinnen und Studenten gewandt: „Nur damit Sie wissen, was hier der Anspruch ist.“
Im Pavillon 16 steht eine andere MUK-Absolventin, Schauspielerin Alma Hasun, für „Ganymed Areal“ auf einem Flügel und mimt eine Pianistin, die das Gefühl für ihre Hände verloren hat. Sie trägt ein blaues Kleid, das einem Krankenhauskittel nachempfunden ist und zieht mit ihrem Monolog die Anwesenden in ihren Bann.
Die mit Klavierspiel unterlegte Erzählung ist nicht nur für die Zuschauer intensiv, Hasun wischt sich am Ende echte Tränen weg.
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