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Fiaker
06/26/2018

"Früher, da war’ma wer, heute wer’ma Tierquäler geschimpft"

Sie zieren Postkarten und Werbefotos, kommen in Film und Liedern vor: Die Fiaker sind untrennbar mit der Geschichte Wiens verwoben. Aber einst umjubelt, werden sie nun kritisiert.

von Anna-Maria Bauer

Schauplatz Wiener City. An einem der letzten richtig heißen Sommertage. Die Mittagssonne knallt auf den Stephansplatz. Inmitten der Touristen und der Geschäftsleute haben sich Unterstützer des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) zum Protest eingefunden. Sie tragen T-Shirts mit erschöpft aussehenden Pferden und sammeln Unterschriften für ihre neue Petition „Pferde raus aus der Stadt“. Denn: „Es ist eine Sünde!“, ruft eine ältere VGT-Aktivistin, deutet mit dem Zeigefinger verächtlich links neben den Dom. Wo die Fiaker unter ihren Melonen schwitzen und die Pferde auf die nächsten Runde warten.

Am gleichen Tag, 32 Kilometer südöstlich, sitzt Fiaker-Unternehmer Johann Paul im niederösterreichischen Arbesthal auf einem Bankerl an die Stallwand gelehnt. Am Display seines Handys läuft ein Video der VGT-Demonstration. Johann Paul, ein großer Mann mit sanften Augen, schüttelt den Kopf. Er hält sich gern zurück, lässt seine Ställe, seine Pferde, für sich sprechen, zeigt auf die Muskelpartien der Tiere, den klaren Blick, das freundliche Ohrenspiel, die großen sauberen Boxen, die Koppeln hier in Arbesthal.

"Mittlerweile sind die Kampagnen existenzbedrohend“

Aber wenn ihm und seiner Branche Tierquälerei vorgeworfen wird, bricht es aus ihm heraus: „Hier werfen uns Leute, die keine Ahnung haben, Sachen vor, die nicht stimmen. Sie suchen keinen Dialog. Wir sagen: ,Kommt’s zu uns, macht euch ein Bild vor Ort.‘ Aber: Keine Reaktion. Und mittlerweile sind ihre Kampagnen existenzbedrohend.“

Es ist eine Grundsatzdiskussion: Kann die Arbeit mit dem Menschen für Pferde gut sein? Nein, sagt David Fenzl vom VGT: „Tieren geht es gut, wenn sie in Freiheit in Ruhe leben können. „Früher hat man auch behauptet, dass den Wildtieren im Zirkus die Arbeit Spaß macht.“

Dem gegenüber steht das „Ja“ der Fiaker. Pferde brauchen viel Bewegung, sie seien Gewohnheitstiere, haben gerne denselben Ablauf, klare Regeln, Beschäftigung. Und, sagen die Fiaker: „Wir verbringen mehr Zeit mit ihnen als mit den meisten Menschen. Wir wissen, was ihnen guttut, ihnen gefällt. Warum sollten wir ihnen etwas Schlechtes wollen?“

Fiaker gegen Tierschützer - Ein Streit, der Wien entzweit. Alles, was Sie darüber wissen müssen, lesen Sie in unserer Multimedia-Reportage "Fiaker in der Kritik: Früher, da war’ma wer".