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Chronik Wien
09/18/2019

Frühe Hilfe für Familien spart dem Staat bares Geld

Sind Eltern überfordert, kann das dem Kind die Zukunft erschweren. "Frühe Hilfen Wien" will das ändern.

von Birgit Seiser

1.151 Familien werden in Wien derzeit von „Frühe Hilfen“ unterstützt. Das Projekt hilft Eltern schon während der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt, die mit ihrem Kind sonst überfordert wären. Laut der Leiterin der Kinderschutzzentren „die möwe“ (siehe Infokasten unten) Hedwig Wölfl, sind rund 53 Prozent der betreuten Familien sozial schlechter gestellt. 

Probleme in allen sozialen Schichten

Prinzipiell gibt es aber in allen sozialen Schichten Eltern, die Probleme haben. „Eine der ersten Familien die wir betreut haben, waren Akademiker, das Kind war ein Wunschkind. Die Hebammen haben uns aus der Wochenbett-Station kontaktiert, weil sie die Familie nicht heimschicken konnten. Die Mutter hatte keine Ahnung, wie man mit Babys umgeht, weil das erste Kind, dass sie jemals im Arm gehalten hat, ihr eigenes war“, sagt Wölfl.  

Vermittelt werden die Familien aus verschiedenen Richtungen, wie zum Beispiel Spitälern, Kindergärten. Eltern kommen aber auch von sich aus, um sich Hilfe zu suchen. Unterstützt wird das Projekt unteranderem von der Stadt. Leider gäbe es laut Wölfl aber leider immer noch zu wenig Fördermittel für solche Konzepte. Laut einer Studie der Wirtschaftsuniversität Wien, die im Auftrag von Grow Together (siehe Infokasten unten) erstellt wurde, spart jeder Euro, der in ein Kind in der frühen Lebensphase investiert wird, dem Staat später 22 Euro. Die würden sonst beispielsweise das Gesundheitssystem belasten. „Es geht dabei aber auch darum, dass die Kinder später einen besseren Schulabschluss machen können und im Arbeitsmarkt integriert werden“, sagt Katharina Kruppa, Vorstand von Grow Together.

Kinderschutzzentren die möwe

Das zentrale Anliegen der möwe ist der Schutz von Kindern vor Gewalt und ihren Folgen. In insgesamt fünf Kinderschutzzentren in Wien und Niederösterreich wird Kindern, Jugendlichen und deren Bezugspersonen konkrete Unterstützung und professionelle Hilfe bei körperlichen, seelischen und sexuellen Gewalterfahrungen geboten. Jährlich werden mehr als 4.000 Personen kostenlos und wenn gewünscht auch anonym betreut.

Das Angebot reicht von allgemeiner Beratung über Krisenintervention nach Gewalterfahrung,  Prozessbegleitung bis zur nachhaltigen Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse in Psychotherapie. 

www.die-moewe.at

Verein Grow Togehter 

In den ersten drei Lebensjahren von Kindern werden Familien in sehr schwierigen Lebenssituationen intensiv bindungsorientiert, sozialpädagogisch und therapeutisch begleitet und unterstützt. Grow Together ist für Mütter und Eltern da,

  • die sich bereits in der Schwangerschaft in einer sehr schwierigen Lebenssituation befinden (z.B. Armut, Gewalterfahrung, Traumatisierung, Suchtproblematik).
  • wenn anzunehmen ist, dass sich das Kind in der Familie ohne Unterstützung nicht gut entwickeln und sicher binden kann.

  • wenn die Familie bereit ist, langfristig Hilfe anzunehmen.

www.growtogether.at

Der häufigste Grund für die Inanspruchnahme der "Frühe Hilfe" Wien ist mit 25 Prozent eine Überforderung und Ängste der Eltern. 15 Prozent brauchen rechtlichen Rat oder organisatorische Unterstützung. Wiederum 15 Prozent der Eltern haben kein soziales Netzwerk, das in der Anfangsphase als Familie so wichtig wäre.

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