Chronik | Wien
10.04.2017

Freie Fahrt für Rad-Rowdys

Posting über rücksichtslose Radler regt Autolenker auf. Radlobby ist gegen Fahrrad-Kennzeichen

Die Koexistenz von Radlern und Autofahrern ist in Wien seit jeher ein diskussionswürdiges Thema. Ein Twitter-Posting des Journalisten Hanno Settele befeuert die Debatte nun von Neuem. Kurz erklärt: Settele war mit dem Auto in der Josefstadt unterwegs und wurde von zwei Radfahrern geschnitten. Überliefert ist, dass die Radler ein Stoppschild ignoriert, und dem Journalisten danach noch den "Vogel" gezeigt haben sollen. Die Rad-Rowdys konnten fliehen und Settele bliebt verärgert zurück. Solche Szenen spielen sich in Wien vielfach ab.

Rücksichtnahme

Seit 2012 wurden in der Bundeshauptstadt konstant um die 900 Radfahrer bei Unfällen verletzt oder sogar getötet. Zahlen, die belegen, wie wichtig gegenseitige Rücksichtnahme und respektvoller Umgang sind, betont auch Alec Hager von der Radlobby.

Eine Kennzeichenpflicht, um Rad-Rowdys leichter zur Rechenschaft ziehen zu können, ist aber nicht im Sinne der Radlobby: "Die Straßenverkehrsordnung bietet genug Möglichkeiten, wie regelwidriges oder gefährliches Fahren mit Rad oder Kfz zu ahnden ist, dennoch kommen Gesetzesbrüche wie Fahren bei Rotlicht oder Missachtung von Stopptafeln auch bei Kfz mit Nummerntafel laufend vor. Das Kennzeichen selbst vermeidet solche Situationen also nicht, und das Fahrrad als umweltfreundliches Verkehrsmittel mit geringem Gefahrenpotenzial braucht daher keine Kennzeichenpflicht zu bekommen."

Rad-Cops

Um der Rowdys auch ohne Rad-Taferl Herr werden zu können, sind in Wien derzeit 70 Fahrrad-Polizisten unterwegs. Alle sind speziell ausgebildet und ahnden Vergehen von Radfahrern. Sich am Rad falsch zu verhalten kann teuer werden: In der Fußgängerzone, freihändig oder mit dem Handy am Ohr zu radeln kann bis zu 72 Euro kosten. Betrunken zu fahren kostet je nach Promillewert 800 bis 5900 Euro und wie beim Auto den Führerschein.

Zahlen zu Rowdys weist die Radpolizei übrigens nicht gesondert aus. Die Wiener Mobilitätsagentur erklärt aber, dass die Beschwerden wegen Konflikten zwischen Auto-und Radlern trotz der zunehmenden Zahl an Radlern in Wien konstant bleibt.