Frau erschlagen: Freund gesteht die Tat

Mord in der Herbststraße
Foto: KURIER/Gruber Franz Tatort: Die Tote lag in ihrer Wohnung im vierten Stock des Gemeindebaus in der Herbststraße.

Wien-Ottakring: Veronika N. lebte in einer Gewaltbeziehung. Das wussten viele. Am Karsamstag soll sie ihr Lebensgefährte erschlagen haben.

Ich weiß nicht, warum sie ihn nicht stehen gelassen hat." Silvia N. klickt sich durch alte Fotos. Darauf ist ihre 30-jährige Tochter Veronika zu sehen. Etwa zu Weihnachten oder bei einem Familien­besuch. Dann kommen andere, verstörende Bilder: Veronika mit blutunterlaufenen Augen, Wunden am Körper. Die Beweisfotos führten zu einer Anzeige gegen ihren Freund David E. Der 25-Jährige soll dafür – und für Attacken auf andere Personen – sechs Monate im Gefängnis verbracht haben.

Die Haft änderte nichts an der Beziehung. Es blieb, erzählt ihre Mutter Silvia N., eine Gewaltbeziehung. Die Ausreden wurden immer banaler. Sie sei die Stiegen runtergefallen, erklärte die 30-Jährige ihren Eltern. "Gespräche", sagt Silvia N., "nutzten nichts." Sie hatte ohnehin kaum mehr Kontakt zu ihrer drogenabhängigen Tochter.

Am Samstag wurde Veronika N. in ihrer Wohnung in der Herbststraße in Wien-Ottakring getötet. Noch am selben Tag stellte ein Gerichtsmediziner die Todesursache fest: massive, stumpfe Gewalt gegen den Kopf. David E. wollte damit nichts zu tun haben. Er hatte am Samstagvormittag den Polizeinotruf gewählt. Er habe soeben die Wohnung betreten und seine Freundin schwer verletzt gefunden. Nun weiß man, dass er ge­logen hat.

Faustschläge

Denn der 25-Jährige verstrickte sich in Wider­sprüche, gab später ein paar Schläge zu . Es habe einen Streit gegeben, aber töten wollte er seine Freundin nicht, erklärte er. Präziser wurde der Verdächtige in einer weiteren Einvernahme. "Er hat sie mit der flachen Hand und mit der Faust geschlagen, bis sie sich nicht mehr bewegt hat. Dann hat er von ihr abgelassen", sagt Polizeisprecherin Michaela Rossmann. E. ist nun in Haft.

Zu der Eskalation war es nicht am Vormittag, sondern zwischen 4.30 Uhr und 5.45 Uhr gekommen. Das deckt sich mit den Angaben der Nachbarn, die sich über Lärm beklagten. Warum alarmierte niemand die Polizei? Streit sei an der Tagesordnung gewesen, sagten Anrainer aus. "Warum uns niemand gerufen hat, verstehe ich nicht", sagt ein Polizist.

Veronika N. hinterlässt eine siebenjährige Tochter, die aber seit Jahren bei den Großeltern lebt. Silvia N.: "Wie soll ich ihr erklären, dass ihre Mama tot ist?"

(kurier) Erstellt am
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