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Folterprozess in Wien: "Der Professor kann die Schläge aushalten"

Angeklagte sollen an Folterungen in syrischem Gefängnis beteiligt gewesen sein. Ein Opfer schilderte Folter.
Stapel von Akten mit rosa Deckblättern liegen vor einem hölzernen Richterpult mit dem deutschen Bundesadler im Hintergrund.

Im Prozess gegen zwei ehemalige Vertreter des syrischen Assad-Regimes vor dem Landesgericht Wien hat am Mittwoch ein Opfer ausgesagt. Der Mann war aufgrund seiner Teilnahme an Demonstrationen gegen das Regime von jener Behörde festgenommen und gefoltert worden, der der Erstangeklagte angehörte.

Alkoholisierte Wachbeamte hätten den Akademiker stundenlang verprügelt. "Es hieß, der Professor kann die Schläge aushalten", berichtete er. Auch sein Bruder sagte als Zeuge aus.

Die beiden Angeklagten, Khaled Al H. und Moussab Abou R., sollen als Leiter der Abteilung 335 des syrischen Geheimdienstes beziehungsweise als Leiter der Kriminalpolizei in der syrischen Stadt Raqqa tätig gewesen sein. Ihnen wird vorgeworfen, für die Folter von zumindest 21 Personen verantwortlich gewesen zu sein. An einigen der Betroffenen sollen sie zudem persönlich schwere Straftaten begangen haben.

Zeuge schildert Festnahme und Haftbedingungen

Der heute als Zeuge befragte Mann stammt aus Raqqa. Dort leitete er ein Kulturzentrum und lehrte an der örtlichen Universität. Nach dem Ausbruch der landesweiten Proteste gegen das Regime von Bashar al-Assad im Jahr 2011 beteiligte er sich an Demonstrationen. Im März 2012 wurde er während eines Café-Besuchs, an dem auch sein Bruder teilnahm, vom syrischen Geheimdienst festgenommen.

Vor Gericht schilderte der Mann, wie ihm zwei Wachbeamte die Augen verbunden hätten. "Sie haben mit der Kalaschnikow auf mich gezielt - genau daher", sagte der Zeuge und zeigte dabei auf seine Schläfe. Anschließend sei er zu jener Geheimdienstbehörde gebracht worden, der Khaled Al H. angehörte. Während der Haft sei er Khaled Al H. auch persönlich begegnet.

"Sie haben untereinander Witze gerissen"

"Ich musste mich ausziehen und am Boden hinlegen. Dann wurde ich geschlagen", erzählte der Mann. Ihm seien Fußtritte versetzt worden, zudem sei er mit verschiedenen Gegenständen misshandelt worden, darunter Kabel, Riemen und Schlagstöcke. Außerdem habe man ihm zweimal einen Elektroschock verabreicht. "Es hieß der Professor kann die Schläge aushalten", sagte das Opfer.

Bei seinen Peinigern habe es sich um alkoholisierte Wachbeamte gehandelt. "Sie haben untereinander Witze gerissen und gesagt, man wird mich nach Damaskus schicken." Damaskus war damals für noch schlimmere Haftbedingungen bekannt. Insgesamt hätten die Wachbeamte den Mann drei bis fünf Stunden lang verprügelt.

Psychischer Zustand des Opfers nach Freilassung "sehr schlecht"

Anschließend sagte der Bruder des Opfers aus. Er bestätigte, dass sein Bruder nach der Freilassung deutliche Spuren der Folter am Körper aufgewiesen habe. Auch dessen psychischer Zustand sei "sehr schlecht" gewesen. Nach seiner Freilassung habe er seinen Bruder zum ersten Mal weinen gesehen. "Er erzählte mir, wie er gefoltert wurde, und andere vor ihm", schilderte der Zeuge.

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