ABD0129_20160415 - WIEN - ÖSTERREICH: Die palästinensische Ex-Terroristin Leila Khaled im Rahmen eines Vortrages zur aktuellen Situation in Palästina am Freitag, 15. April 2016 in Wien. - FOTO: APA/HERBERT P. OCZERET

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Palästina/Israel
04/15/2016

"Haben bewaffneten Kampf nicht erfunden"

Flugzeugentführerin Khaled forderte in Wien Rückkehr der "palästinensischen Flüchtlinge".

"Wir haben den bewaffneten Kampf nicht erfunden, sondern aus der Geschichte gelernt", sagte Leila Khaled, die durch die Entführung eines amerikanischen TWA-Verkehrsflugzeugs 1969 weltweit Schlagzeilen gemacht hatte, im Rahmen eines Vortrags Freitagabend. Nach Jahren der Einreiseverweigerung war sie als "das Gesicht Palästinas" zu Gast im Österreichisch-Arabischen Kulturzentrum (OKAZ) in Wien.

Als prominentes Mitglied der linksgerichteten Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) betonte Khaled vor zahlreich erschienenem Publikum, dass es die "Pflicht und das Recht" der Palästinenser sei, die Besetzung zu beenden. Man habe daher nach 1967 eine "bewaffnete Revolution" gestartet. Man nutze diese "Werkzeuge" um die Freiheit wiederzuerlangen. Das sei eine "fundamentale Gleichung", Gewalt mit Gewalt zu bekämpfen. Sie erläuterte, sie spreche die "Sprache der Unterdrückung".

"Friede soll in Palästina wieder hergestellt werden und dieser Friede soll auf Gerechtigkeit aufgebaut sein."

Israel mit Apartheid-Südafrika verglichen

Unter großem Applaus äußerte sie ihr Unverständnis, dass "der neugeborene Staat Israel" auf "Kosten der Palästinenser" lebe und sein "Projekt der zionistischen Bewegung" fortsetze und der Westen zuschaue: "Die Welt hat uns behandelt, als wären wir Flüchtlinge, und hat uns humanitäre Hilfe mit abgelegten Kleidern und Zelten geboten und Israel als Staat akzeptiert." Nachdem sie die Situation in Palästina mit der Apartheid in Südafrika verglich, rief sie zur Unterstützung von "Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen (BDS)" gegen Israel auf.

"Friede soll in Palästina wieder hergestellt werden und dieser Friede soll auf Gerechtigkeit aufgebaut sein." Die Lösung, die Khaled anbot, war die Etablierung eines demokratischen Staates und damit die Heimkehr der palästinensischen Flüchtlinge in ihr Heimatland.

Internationale Vortragstätigkeit

Die heute 71-Jährige hatte 1969 und 1970 an zwei Flugzeugentführungen der PFLP teilgenommen. Nach der schiefgegangenen zweiten Entführung wurde sie in London festgenommen, nach nur wenigen Wochen aber gegen Geiseln der Palästinenser ausgetauscht. Sie lebt heute in Jordanien und betreibt eine rege internationale Vortragstätigkeit.

Während ihres Auftritts im OKAZ ging Khaled nicht nur auf die Geschichte Palästinas und Israels seit 1948 "und den Massakern, die davor begangen wurden", ein, sondern analysierte auch die Situation im gesamten Mittleren und Nahen Osten die - maßgeblich von den USA - "geplant und gemacht" sei und eine Destabilisierung der Region forciere. Sie sei aufseiten der syrischen Bevölkerung, da diese die Einzigen seien, die eine Änderung herbeiführen könnten. "Wir akzeptieren aber niemanden, sei es das Weiße Haus oder die arabische Welt, der den Syrern vorschreibt, was sie tun sollen."

Auf EU-Terrorliste

Ihr Vortrag in Wien hatte im Vorfeld für Aufregung gesorgt. So hatte unter anderen der Präsident der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft (ÖIG), Peter Florianschütz (SPÖ), in einer Aussendung erklärt, es sei "völlig unverständlich", dass "ein bekennendes Mitglied der Organisation 'Volksfront zur Befreiung Palästinas' (PFLP), die auf der EU-Terrorliste aufscheint, in Wien einen Vortrag zur Bewerbung ihrer Ziele halten kann". In ihrer Autobiografie habe Khaled ihre Bewunderung für Adolf Hitler erklärt, weil er "ein Feind der Juden" war, so Florianschütz.

Auch Oskar Deutsch, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, hatte die Behörden aufgefordert, die Veranstaltung zu untersagen und Khaled die Einreise zu verweigern. Ansonsten wären juristische Schritte zu ergreifen. Die Israelitische Kultusgemeinde habe bei der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht.

Der Wien-Besuch Khaleds war zudem umstritten, nachdem sie ein Schengen-Visum von den Niederlanden erhalten hatte und Österreich wegen "abweichender Personendaten" keine Einwände gegen die Einreise der Flugzeugentführerin erhoben hatte. Vor der Erteilung des Visums an Khaled hatten die Niederlande eine Konsultationsanfrage an die anderen Schengen-Länder geschickt. Doch da die Angaben nicht vollständig den eingespeicherten Daten der Aktivistin entsprachen, wurde sie von den österreichischen Behörden nicht als diese identifiziert.

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