Rettungshubschrauber: Dauereinsatz über den Dächern Wiens

Wie der Wiener Rettungshubschrauber „Christophorus 9“ arbeitet – und warum er oft entscheidend ist. Rund fünfmal täglich fliegt er zu Einsatzorten im Stadtgebiet.
Fliegender Hubschrauber neben Stephansdom

Oft hört man ihn, bevor man ihn sieht: den Rettungshubschrauber. Das charakteristische Dröhnen kündigt an, was Sekunden später am Himmel auftaucht – ein gelber Helikopter, der schnell über einem hinwegzieht. So auch vergangene Woche, als er im Resselpark am Karlsplatz landete, nachdem er zu einem Großeinsatz bei der dortigen U-Bahn-Station gerufen worden war. 

Täglich fliegt der Wiener Rettungshubschrauber „Christophorus 9“ (C9) vier- bis fünfmal zu Einsatzorten in der Stadt und Umgebung. Alarmiert wird er  über den Rettungsnotruf 144. In wenigen Minuten kann er vom ÖAMTC-Stützpunkt in Erdberg im 3. Bezirk bei einem Unfallort sein und hat damit gegenüber Rettungswägen im Straßenverkehr einen zeitlichen Vorteil.

Leitstelle entscheidet

In welchen Fällen der Rettungshubschrauber ausrückt, entscheidet die Leitstelle der Rettung nach Eingang des Notrufs. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Wie schwer ist der Notfall? Wie schnell kommt ein Rettungswagen voran? In den meisten Fällen wird der Hubschrauber direkt mitalarmiert. „In anderen Fällen fordert ein Notarzt ihn erst am Einsatzort nach, wenn er sich ein genaues Bild über die Situation machen konnte“, erklärt ein Sprecher der Wiener Berufsrettung

Geht ein Notruf ein, rücken Polizei, Rettung und Notarzt gleichzeitig, aber von unterschiedlichen Standorten aus. „Das ist wichtig, falls einer von ihnen in einen Stau gerät“, so die Berufsrettung. Entscheidet die Leitstelle, einen Hubschrauber mitzuschicken, sucht und sichert die Polizei am Einsatzort eine geeignete Landefläche.

Aber das ist gerade in Wien nicht die einfachste Aufgabe: Enge Gassen, parkende Autos und vor allem Oberleitungen machen Landungen schwierig. Besonders in der Innenstadt sind geeignete Plätze rar. Dort muss der Hubschrauber manchmal etwas entfernt landen, der Patient wird dann mit dem Rettungswagen zum Helikopter gebracht. 

Aufwand, der sich aber lohnt, denn selbst mit dieser „Rettungskette“ sei man laut Berufsrettung schneller als ausschließlich per Rettungswagen.  Nur selten wird beim Einsatz der Hubschrauber abbestellt, da die Notwendigkeit bereits im Vorfeld geprüft wird.

Dreiköpfige Crew 

Betrieben wird der Hubschrauber vom ÖAMTC, der Pilot und Maschine stellt. Das medizinische Personal, Notärzte und Flugretter, wird vom Wiener Gesundheitsverbund und der Wiener Berufsrettung gestellt. Insgesamt stehen elf Notärzte und neun Flugretter für den Dienst beim Christophorus 9 bereit. Gemeinsam mit dem Piloten bilden sie eine dreiköpfige Crew.

Wie stark der Christophorus 9 ausgelastet ist, zeigen die Einsatzzahlen: 2025 wurde er 1.449-mal alarmiert, im Jahr davor sogar 1.692-mal. Laut  ÖAMTC waren vergangenes Jahr knapp die Hälfte der Einsätze akute internistische und neurologische Notfälle, wie zum Beispiel Schlaganfälle. Rund 15 Prozent waren Unfälle im Haushalt, in der Arbeit oder Freizeit, und  in sieben Prozent der Fälle handelte es sich um Verkehrsunfälle. 

Von allen Einsätzen gelten 1.127 als Primäreinsätze, bei denen also Notarzt und Flugretter direkt zum Notfallort geflogen sind, um Patienten  zu versorgen und in ein Krankenhaus zu bringen. Der Wiener Hubschrauber C9 ist Teil der ÖAMTC-Flotte, die aus 20 Hubschraubern und einer Zusatzmaschine besteht. Österreichweit wurden im vergangenen Jahr 21.650 Einsätze geflogen.

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