Chronik | Wien
01.09.2018

Feuerwehrtaucher: Extreme Einsätze unter Wasser

In Notsituationen sind die Spezialisten gefragt / Jährlich rücken sie rund 150-mal aus

Es war ein sommerlicher Tag in Wien. 33 Grad lockten vergangene Woche dutzende Besucher an die Alte Donau. Zwei Touristen mieteten sich ein Elektroboot, fuhren damit hinaus. Einer der beiden Jugendlichen stieg ins Wasser und geriet in Panik. Sein Cousin eilte dem schlechten Schwimmer zu Hilfe, beide Teenager gingen unter. Taucher der Wiener Berufsfeuerwehr konnten Stunden später nur noch die Leichen der Urlauber bergen.

Die Suche stellte sich als äußerst schwierig heraus. Gute Sichtverhältnisse gab es ohnehin nicht. Hinzu kam, dass die Alte Donau von Wasserpflanzen bedeckt ist. „Dadurch ist auch eine freie Sicht auf den Grund nicht gegeben“, erklärt Peter Kroiss, Referatsleiter des Wasser- und Tauchdienstes der Berufsfeuerwehr Wien.

Die Taucher reihen sich bei einer Unterwassersuche zu einer Kette auf, sind dabei miteinander verbunden. „Und dann fahren wir wie ein Rasenmäher durch“, sagt Kroiss. So auch vergangene Woche in der Alten Donau. „Die beiden Burschen lagen nicht am Boden, sondern trieben ein wenig höher“, erzählt er. Inmitten der Wasserpflanzen. Die allergrößte Herausforderung für die Taucher: „Ab Meter drei, vier ist die Donau bei dem Wetter finster. Ich sehe dort nichts.“

Zehn Liter Pressluft

Zehn Taucher der Berufsfeuerwehr Wien sind täglich in Bereitschaft, vor allem um Leben zu retten. Insgesamt 52 Feuermänner haben die rund sechs monatige Spezialausbildung hinter sich. In Wien sind die Experten in der Feuerwache Leopoldstadt und Kaisermühlen stationiert.

Der Trockentauchanzug ist des Tauchers erster Anzug. Geschultert werden zehn Liter große Pressluftflaschen. „40 bis 45 Minuten kann man damit unter Wasser bleiben“, sagt Kroiss. Die komplette Ausrüstung bringt mehr als 40 Kilogramm auf die Waage. „Alleine davon machen 12 Kilo das Blei aus, das man braucht um unterzugehen“, schildert der Leiter.

Das Prozedere bei den Einsätzen ist oft das Gleiche, erklärt Kroiss: „Standardmäßig sieht es so aus, dass von drei Fahrzeug-Besatzungen eine am Boot ist. Die anderen beiden fahren rechts und links vom Strom und suchen das Ufer ab.“

Einer der medial bekanntesten Einsätzen, bei denen die Taucher im Fokus standen, ist jener aus dem März 2016. Ein Pkw war in den Donaukanal gestürzt, der Fahrer wurde eingeschlossen. Durch die starke Strömung und dem Schwerpunkt beim Motorraum wurde das Fahrzeug so gedreht, dass die Türen gegen die Strömung geöffnet hätten werden müssen – ein unmögliches Unterfangen. Außerdem war der Pkw von Schlamm eingeschlossen worden. Erst als die Strömungsgeschwindigkeit des Donaukanals über die Schleuse reduziert wurde, konnten die Taucher in das Fahrzeug gelangen.

Wiener Feuerwehrtaucher

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Wiener Feuerwehrtaucher

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Referatsleiter Peter Kroiss

Wiener Feuerwehrtaucher

Anflug

Zu rund 150 Einsätzen werden die Taucher der Berufsfeuerwehr Wien jährlich gerufen, auch in Teilen von Niederösterreich und dem Burgenland sind sie gefragt. Der Rettungshubschrauber Christophorus 9 kann auch zwei Taucher aufsammeln, um sie zur Einsatzstelle in den anderen Bundesländern zu fliegen. „Dort sind wir im Normalfall die schnellsten“, sagt Kroiss.