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„Faund“: Wo Singles in Wien ohne Apps flirten

Die Eventreihe bringt das Dating zurück ins echte Leben. Der KURIER hat sich angesehen, wie ein solches Treffen abläuft.
Zwei Personen sitzen in einer grünen Gondel eines Fahrgeschäfts, umgeben von bunten Lichtern und Absperrungen.

„Ist das die ,Faund‘-Schlange?“, fragt ein Mann Mitte 30 zwei junge Frauen vor dem Blumenrad im Prater. Zögerlich wird bejaht, schüchterne Blicke werden ausgetauscht. Das Ziel, eine Rooftop-Bar, nähert sich und die Schlange geht rasch voran. Oben angekommen, warten nicht nur Getränke und Techno-Musik, sondern auf die eine oder den anderen vielleicht sogar die große Liebe.

„Faund“ ist nämlich keine konventionelle Eventreihe, sondern ein sogenannter „Social Dating Club“. Konkret bedeutet das, dass Menschen sich auf ungezwungene Weise bei Veranstaltungen kennenlernen können – und alle aus demselben Grund herkommen. „Die Idee ist vor drei Jahren entstanden, weil wir gemerkt haben, dass es eine Alternative zum Online-Dating in der Stadt braucht“, erklären die Initiatorinnen Janet Kuschert und Laura Eisl. Das Ziel sei, in einem lockeren Rahmen entspannt andere Singles kennenlernen zu können.

Verschiedene Dating-Veranstaltungen

Zunächst veranstalteten die beiden die Treffen nur im Bekanntenkreis, schnell wuchs die Nachfrage darüber hinaus. Mittlerweile finden regelmäßige, unterschiedliche Veranstaltungen statt. Von Dinner Partys im kleinen Rahmen, Pub Quiz oder Galeriebesuch ist so gut wie alles dabei: „Wir versuchen mit unseren Angeboten viele verschiedene Interessen abzudecken“, so die Gründerinnen.

Mittlerweile reichen die Altersgruppen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen von 20 bis 65 Jahren. Mitmachen können ausschließlich Singles. Nach einer Online-Verifizierung kann man sich für die Events im Vorfeld registrieren: „Abgesehen von der Anmeldung läuft alles analog im echten Leben ab, so wie früher“, sagen sie.

Zwei Frauen stehen lächelnd nebeneinander auf einem bunt beleuchteten Jahrmarkt mit Fahrgeschäften im Hintergrund.

Die "Faund"-Gründerinnen Laura Eisl und Janet Kuschert. 

Zwei Personen sitzen in einer grünen Gondel eines Fahrgeschäfts, umgeben von bunten Lichtern und Absperrungen.

Bei „Faund“ treffen sich Singles abseits der App, wie etwa im Wiener Prater.

gelbes Schild auf einem Bildschirrm

"Faund" entstand vor drei Jahren - heute ist es eine regelmäßige Veranstaltungsreihe.

ticketverkauf vor fahrgeschäften im wiener prater

Treffpunkt für das Event war vor dem Blumenrad im Wiener Prater.

Viele Menschen unterhalten sich abends auf einer bunt beleuchteten Rooftop-Bar im Prater.

Zahlreiche Singles wollten bei der Veranstaltung ihre große Liebe finden. 

Das Eis brechen

„Hallo, bist du die Priscilla zu meinem Elvis?“, fragt ein blonder Mann Ende 20. Um das Eis zu brechen, werden auf der Dachterrasse Papierstreifen ausgeteilt. Es gilt stets das Gegenstück zu finden. Während Pocahontas und John Smith sich nach wenigen Minuten ein Getränk holen, ist Charles noch länger auf der Suche nach seiner Camilla. „Viele sind erst nervös, da ist ein Kennenlernspiel gut“, so Janet Kuschert und Laura Eisl. Man komme leichter ins Gespräch, auch wenn man vielleicht schüchterner sei.

Das zeigt zum Beispiel „Elvis“. Er ist zum ersten Mal bei einer „Faund“-Veranstaltung: „Ich möchte keine Dating-Apps mehr verwenden. Für mich entsteht einfach viel mehr aus der Situation heraus im echten Leben“, erzählt er. Im Laufe des Abends wird klar: Mit dieser Ansicht ist „Elvis“ nicht allein. Wenngleich anfangs noch zögerliche Blicke ausgetauscht wurden, fällt die Nervosität langsam ab und die Gäste blühen sichtlich auf.

Manche Singles haben das Kennenlernen von der Rooftopbar in das Blumenrad nebenan verlegt: In 45 Metern Höhe fahren mehrere „Faund“-Besucher mit romantischer Aussicht über die Dächer Wiens, um sich über Hobbys, Lieblingslieder und ihre Wünsche sowie Träume auszutauschen.

Allerdings hat nicht jede Person gleich beim ersten Anlauf Erfolg. Entmutigen lassen sollte man sich davon aber nicht, wie eine Teilnehmerin (32) erklärt. Sie ist nicht zum ersten Mal dabei, kommt aber immer gerne wieder: Online-Dating würde für sie eher nach einem Bewerbungsgespräch ablaufen. „'Faund' fühlt sich dagegen mehr an, als würde man auf die Party einer Freundin gehen. Das mag ich lieber.“

Erfolgreiches „Faund“-Konzept

Dass das Dating-Konzept erfolgreich ist, wird Eisl und Kuschert regelmäßig berichtet. Unlängst erreichte sie eine Nachricht, dass ein Pärchen, das sich auf einer „Faund“-Veranstaltung kennen- und lieben gelernt hat, mittlerweile ein gemeinsames Baby erwartet. 

Wie die Partnersuche in Wien sonst noch offline möglich ist

„Offline Dating Clubs“, die sich um Verabredungen im echten Leben drehen, werden in Zeiten von unzähligen Apps und Swipes immer beliebter. Das Start-up „Find your Needle“ (zu Deutsch: „Finde deine Nadel“) möchte beispielsweise „analoge Begegnungen mit klaren Spielregeln“ bieten. Hierbei soll vor allem die Oberflächlichkeit des Online-Datings vermieden werden: Respekt, Wertschätzung und Ehrlichkeit spielen eine besonders große Rolle.

Die Wiener Gründerin Sophie Kende-Urschik wollte mit ihrem Club für Herzklopfen sorgen. Passend zum Namen ihrer Idee tragen Singles, die offen für neue Begegnungen sind, Anstecknadeln, die als Erkennungszeichen fungieren. Diese können im  Onlineshop des Start-ups gekauft werden. So sollen sich Gleichgesinnte im Alltag schneller erkennen  können. Dabei gibt es unter anderem die „Classic Crush“-Nadel für heterosexuelle Alleinstehende und die „Rainbow Rendezvous-Pride Pin“ für homosexuelle Liebessuchende.

Single-Präsentationen für das Liebesglück

Online können sich Singles ein Profil erstellen, mit dem sie ebenfalls die passende „Nadel“ finden können. Auch hier gibt es bestimmte Regeln: „Maximal drei Nachrichten pro Kontakt“, der Fokus soll weiterhin auf dem Gespräch im echten Leben liegen. Dafür ist bei exklusiven Club-Events Zeit, die von „Find your Needle“ organisiert werden. 

Wer eher auf Hilfe von Freunden angewiesen ist, kann auch bei „Date my mate“ sein Glück versuchen. Die „Datingveranstaltung, ohne Druck“ wurde von Roxy Huber und Caroline Kubeczko erfunden und ermöglicht vor allem Singles, sich auf die Hilfe ihres Freundeskreises zu verlassen. So stellen bei den Veranstaltungen zwei bis drei Personen ihre ledigen Freunde mit einer Präsentation vor einem Publikum vor. 

  • In dem maximal fünfminütigen Vortrag sollen vor allem die wichtigsten Fakten über den Mann oder die Frau vorkommen.
  • Dabei haben die Freunde als Amor der Neuzeit die Chance, die besten und spannendsten Seiten ihrer Singles ins Rampenlicht zu rücken.  
  • Am Ende dürfen vor allem die Kontaktdaten des Vorgestellten für einen möglichen Flirtversuch aus dem Publikum nicht fehlen.

Die Vorstellenden können ebenfalls ledig oder vergeben sein – bei diesem Event sind also alle willkommen. Nach den Präsentationen können die Singles und die Personen, die sie vorgestellt haben, untereinander Kontakte knüpfen und sich durch Gespräche ganz ohne einen Handybildschirm kennenlernen – und hoffentlich verlieben. 

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