Chronik | Wien
19.11.2018

Experten fordern Rechtsanspruch auf Palliativversorgung

Laut Dachverband Hospiz ist die Versorgung in Österreich derzeit auf Spenden angewiesen. Sie sollte aber im ASVG verankert werden.

Welche Wünsche haben Menschen am Ende ihres Lebens? „80 Prozent wollen zu Hause sterben“, sagt Waltraud Klasnic, Vorsitzende des Dachverbands Hospiz Österreich. Dazu kämen die Wünsche, schmerzfrei und nicht allein zu sein. Diese können im Rahmen der Palliativ- und Hospizversorgung abseits von Krankenstationen derzeit vielfach nur durch Spenden erfüllt werden. Der Verband sowie Caritas und Diakonie fordern nun einmal mehr einen Rechtsanspruch auf die entsprechende Versorgung. In Deutschland ist dieser mittlerweile gesetzlich verankert.

„Niemand käme auf die Idee, für die Versorgung eines gebrochenen Beines um Spenden zu bitten“, verdeutlicht Caritas-Präsident Michael Landau. Im stationären Hospiz- und Palliativbereich liegt der Versorgungsgrad bei 38 Prozent, im mobilen bei 79 Prozent.

Dazu gibt es je nach Bundesland unterschiedliche Finanzierungen und Angebote. „Eine abgestufte Palliativversorgung muss selbstverständlicher Teil der Pflegeversorgung in Österreich sein“, fordert Landau. Der Rechtsanspruch müsse im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung verankert werden.

Laut Klasnic würden für eine flächendeckende Versorgung 240 Millionen Euro benötigt werden. „Das sind 0,6 Prozent des Gesundheitsbudgets“, rechnet sie vor. Derzeit würden 150 Millionen Euro aufgewendet – 40 Prozent davon seien Spenden.

Prekär

Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe, die vier Palliativstationen und ein Hospiz betreibt, ist die Finanzierung im Hospizbereich besonders prekär. Zudem sei nicht einmal einheitlich geregelt, ob die Einrichtungen der Sterbebegleitung ins Gesundheitswesen oder den Sozialbereich fallen – was einen Unterschied etwa bei Selbstbehalten der Patienten mache.

Die Experten fordern die Regierung nun auf, den Absichten, die sich in der Regierungserklärung finden, Taten folgen zu lassen

Laut Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuz sterben rund 80.000 Menschen pro Jahr. Bei der Palliativversorgung und der Betreuung von Angehörigen kommt den Ehrenamtlichen eine große Bedeutung zu.

3500 Freiwillige leisteten im Vorjahr 400.000 unbezahlte Stunden Arbeit. Für sie brauche es ebenfalls eine Finanzierung. „Um 20 Ehrenamtliche zu koordinieren, braucht es eine halbtägig angestellte Kraft, das kostet 20.000 Euro“, sagt Schöpfer.

Auch Aus- und Weiterbildung von sämtlichem Personal in Pflegeeinrichtungen sowie massive Investitionen in den Kinder- und Jugend-Bereich brauche es, sagen die Experten. So fehlten etwa zwei bis drei Kinderhospize im Land sowie Palliativbetten an jeder Kinder- und Jugendabteilung im Spital. Da 70 Prozent der Menschen in Institutionen wie Pflegeheimen sterben, müssten auch einfache Zugänge zur Patientenverfügung ermöglicht werden, fordert daher Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser.

 

Mehr Infos: www.hospiz.at