Neue Posse um Ex-Verkehrsbüro: Jetzt fehlt plötzlich das Baugerüst

Nach jahrlangem Streit um Zweifarbigkeit: Denkmalamt wollte nun sanieren, doch Baupolizei ließ Gerüst demontieren.
Ex-Zentrale des Verkehrsbüros.

Die unendliche Geschichte um die ehemalige Zentrale des Verkehrsbüros neben der Secession am Naschmarkt ist um ein Kapitel reicher. Und es wird wohl nicht das letzte gewesen sein. Dabei wollte das Bundesdenkmalamt (BDA) nun im Frühjahr alles abschließen – nach jahrelangem Rechtsstreit um das illegal ganz in Weiß eingefärbte Art-déco-Gebäude. Das scheitert jetzt aber vorerst daran, dass das Baugerüst überraschend demontiert wurde. Und zwar auf Anordnung einer anderen Behörde – der Baupolizei.

Diese Posse knüpft nahtlos an eine Serie an Affären im Zusammenhang mit dem 1922/23 errichteten Haus in der Friedrichstraße 7 an (der KURIER berichtete laufend): Erst vor 18 Jahren wurde die Immobilie umfassend saniert, ehe sie 2021 vom späteren Immobilien-Pleitier Lukas Neugebauer rechtswidrig als „Kleines Haus der Kunst“ eingeweißelt wurde. Laut Denkmalamt muss das Objekt aber zwingend zweifarbig ausgestaltet sein – das ist seit Sommer 2022 per Gerichtsbeschluss auch „amtlich“. Dennoch blieb Neugebauer säumig – was wohl auch mit seiner Pleite (bei Gläubiger-Forderungen von 147,35 Millionen) und einer Anklage der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zu tun haben dürfte.

Eingang wurde zugemauert

Zudem gab es mit einem schillernden Mieter des „Verkehrsbureaus“ mächtig Brösel: Promi-Gastronom Martin Ho und Neugebauer deckten einander mit Klagen ein – wobei eine Episode besonders schlagzeilenträchtig war: Hos Nobellokal wurde nämlich 2023 in einer Nacht- und Nebelaktion einfach zugemauert.

Letztlich wurde es den Denkmalschützern zu bunt, und sie kündigten im Herbst 2025 an, die Zweifarbigkeit zwangsweise per Ersatzvornahme zu „vollstrecken“. Doch nun scheitert dieses Unterfangen vorerst an einem nicht unwesentlichen Detail: „Das Gerüst wurde auf Veranlassung der Baupolizei abgebaut. Das Bundesdenkmalamt wurde darüber vor Beginn der Arbeiten nicht in Kenntnis gesetzt“, teilt BDA-Sprecherin Andrea Böhm mit.

Das Gebäude erstrahlt – nach zwei Jahren hinter Gerüst und Werbung – nunmehr zwar wieder in blassem Rot, noch sei es aber lange nicht fertig. So sei etwa die rötliche Schutzlasur bei den unsachgemäßen Arbeiten „abgestrahlt“ worden , wodurch die Farbe nun dunkler wirke.

Werbung als Grund

Mit der Stadt sei zur „Klärung des Sachverhalts“ zum Gerüst schon Kontakt aufgenommen worden, weil ein solches für die weitere Sanierung wohl wieder aufgebaut werden müsse, berichtet Böhm.

Von solchen Klärungsgesprächen weiß man bei der Baupolizei laut einer Sprecherin jedoch noch nichts – allerdings erklärt man den Grund für die Demontage: Das Gerüst sei „nicht im Zuge einer aktiven Bauführung“ dort gestanden, sondern nur „für Werbung“ verwendet worden – und das sei „nicht gesetzeskonform“. Und auch die Baupolizei klagt über ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel beim Verkehrsbüro: Es seien dort schon illegale Parkplätze, Sonnensegel und sogar Kunstrasenflächen (für „Golfplätze“) entfernt worden.

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