Chronik | Wien
31.10.2018

Essenziell oder überholt? Fiaker kommen in den Petitionsauschuss

Sollen Fiaker aus der Wiener City? Die betroffenen Stellen sind darüber geteilter Meinung.

Soll es ein Fiakerverbot in der Innenstadt geben? Darüber werden Vertreter von Stadt und Tierschutz wegen einer entsprechenden Petition des Verein gegen Tierfabriken (VGT) kommenden Mittwoch im Petitionsausschuss diskutieren. Die Stellungnahmen der Parteien liegen dem KURIER bereits vor.

Wie berichtet, befürwortet City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) die Idee des VGT einer Fiaker-freien Innenstadt. Vor allem, weil ihre Hufe jährlich Schäden in der Höhe von 750.000 Euro verursachen würden, aber auch wegen Verschmutzung und Platzmangel sind ihm die Kutschen ein Dorn im Auge.

Mit seinem Wunsch nach Abschaffung ist Figl zwar der einzige, Handlungsbedarf sehen aber auch andere – etwa Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne): „Die Situation der Fiakerpferde (hat sich) aufgrund der steigenden Temperaturen und länger anhaltenden Hitzeperioden verschlechtert.“

Ihre Forderung: Kontrollen müssten verstärkt werden. Nicht nur in Bezug auf Hitze, auch in puncto Einhaltung der Auffahrzeiten und sogenannter Bestellfahrten. Gleichzeitig möchte Vassilakou ein Hitzefrei ab 30 Grad und eine „fixe Ortswidmung der Platzkarten“ prüfen.

Moderne Metropole

Die Tierschutzombudsstelle Wien listet zwar einige Verbesserungen in der jüngsten Zeit auf (weniger Arbeitstage, kürzere Betriebszeiten etc.), führt aber auch an, dass sich immer mehr Menschen mit der Frage an sie wenden würden, was Pferdekutschen in modernen Metropolen verloren hätten. Die Forderungen der Ombudsstelle: Die Ruhepausen von acht Stunden innerhalb von 24 Stunden seien zu kurz angesetzt. Auch die Grenzwerte betreffend Arbeitszeit bei Hitze bzw. Kälte sollten ihrer Meinung nach angepasst und österreichweit für alle Pferde im Arbeitseinsatz gelten. Eine Initiative im Österreichischen Tierschutzrat sei diesbezüglich in Vorbereitung.

Im starken Gegensatz zu Figl stehen die Stellungnahmen von WienTourismus und Wirtschaftskammer Wien. Sie sprechen sich dezidiert für einen Erhalt der Fiaker in der Stadt aus. „Die Abschaffung würde Wien nicht tierfreundlicher, sondern nur verwechselbarer machen“, meint der WienTourismus. Und: Es würde rund 800 Arbeitsplätze (Hufschmiede, Tierärzte, Futterlieferanten etc.) gefährden, meint die Wirtschaftskammer.

Zudem wirft die Wirtschaftskammer dem VGT vor, Unwahrheiten zu verbreiten: Dass „Pferde immer wieder kollabieren“ und unter „Hitzestress“ leiden, sei schlichtweg nicht richtig. Ein Gutachten der Tierschutzombudsstelle aus dem Jahr 2009 hätte ergeben: „Hitzestress, in Form einer Überforderung (...), wurde in keiner der annähernd 400 Messungen an Tieren festgestellt.“

Die Pferde seien das Ziehen von Wagen zudem gewöhnt, sie würden großteils von ungarischen Gestüten gekauft werden, die spezielle Zugpferde züchten.

Auch Umweltstadträtin Ulli Sima ( SPÖ) will viele Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. So seien die Standplätze so angelegt, dass „tagsüber möglichst viele schattige Plätze zur Verfügung stehen“, es gebe auch genug Wasser zum Trinken und Abkühlen. Fälle von kollabierten Pferden seien ihr nicht bekannt. Die Kontrollen seien bereits verstärkt worden und Zuwiderhandlungen gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen würden bereits jetzt streng geahndet werden.