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Zwischen Gericht und Donaustadt: Ein Heimspiel für Nevrivy

Der Bezirksvorsteher der Donaustadt hat seinen Strafprozess mit einem Freispruch überstanden. Der KURIER besuchte ihn bei seiner Sprechstunde am Asperner Heldenplatz.
Nevrivy Donaustadt

Es waren viele Auswärtsspiele, die der ehemalige Kicker Ernst Nevrivy im Landesgericht für Strafsachen zu absolvieren hatte. Dort musste er sich wegen Korruption und Geheimnisverrat verantworten. 

Gewonnen hat er deutlich: Der SPÖ-Bezirksvorsteher der Donaustadt wurde in allen Anklagepunkten freigesprochen. Der KURIER trifft ihn zu einem Heimspiel am Asperner Heldenplatz. Er hat seine Sprechstunden als Bezirksvorsteher ins Freie verlegt. Neben dem – wohl nicht ganz zufällig in SPÖ-rot gehaltenen – Zelt kicken ein paar Burschen, der Andrang ist rege, die Themen sind vielfältig.

Verkehrshölle Donaustadt

Eines ist der Verkehr – aufgelegt an der Schnittstelle von Erzherzog-Karl-Straße, Groß-Enzersdorfer-Straße und Biberhaufenweg. Autos dominieren, Fußgänger warten minutenlang. 

„Wenn der Verkehr über die Spange, die S8 und die S1 fährt, haben wir hier viele Autos weg“, verspricht er. Denn dass gerade hier zu viel Verkehr ist, bestätigt auch Nevrivy. Auf öffentlichen Verkehr setzen? 

Kirche am Asperner Heldenplatz, davor ein steinerner Löwe.

Kirche am Asperner Heldenplatz, davor ein steinerner Löwe. 

„Das geht in der Donaustadt nicht.“ Das bestätigt ihm eine frühere Aspernerin, die mehrmals in der Woche mit dem Auto vom 6. Bezirk in die Seestadt und dann nach Aspern fährt. Aus Zeitgründen. Und die Jahresnetzkarte hat sie nicht mehr gekauft, weil sie so viel teurer geworden ist. Was Nevrivy nur mit einem Kopfschütteln quittiert. 

„Parkplätze will ich nicht“

Sie will überhaupt mehr Parkplätze. Nevrivy blockt ab: „Das will die Stadt nicht. Das will ich nicht.“ Zumindest nicht an der Oberfläche. Das macht er der Frau deutlich, auch wenn sie das nicht hören will. Und er macht das an einem Beispiel fest: „In der Wagramer Straße haben wir beim neuen Radweg 200 Parkplätze entfernt, ganz ohne Beschwerden.“

Gelungen sei das, weil man den Radweg nicht „wie die Grünen als Kriegserklärung an die Autofahrer statt einer Spur weniger für Autos“ gebaut habe.

"Bauen hoch und dicht wie möglich"

Die Donaustadt, das sagt Nevrivy stolz, ist „der modernste Teil von Wien“. Weil hier die meiste Stadtentwicklung passiere. Flächenversiegelung? „Hier bauen wir so dicht und so hoch wie möglich, in der Seestadt etwa, haben wir viel mehr Grünflächen, als es diese anderswo gibt.“

Anrainer im Gespräch mit Ernst Nevrivy.

Anrainer im Gespräch mit Ernst Nevrivy, dahinter das Schlössl. 

Dann ist schon das nächste Thema da. Anrainer Thomas Werner sorgt sich wegen der Pläne um das Aspern Schlössl. In den Prachtbau eines Otto-Wagner-Schülers direkt im Park soll ein „kleines Schweizerhaus“ kommen mit Gastronomie wie am Rathausplatz. „Ja, die waren bei mir“, erinnert sich Nevrivy sofort und versichert: „Das geht nur mit den entsprechenden Auflagen.“

Hilfe für junge Mutter

Helfen will Nevrivy einer jungen Mutter. Sie hat Probleme mit der Schulbefreiung für ihr Kind; der Bezirkspolitiker verspricht, sich das anzuschauen. „Oft können die Beamten ja gar nicht anders entscheiden“, räumt er ein. Aber auf ein Schreiben eines Bezirksvorstehers gebe es mal auch schneller eine Antwort. Oder eine Reaktion im Sinne der Betroffenen. Darauf hofft die junge Mutter, die ganz spontan vorbeigekommen ist.

Bei einem älteren Mann ist wieder der Verkehr das Thema. Er will mehr Verkehrsschilder, weil sich viele Autofahrer nicht an die Regeln halten würden. „Die Gfraster halten sich ja nicht dran, weil sie es nicht wissen, sondern, weil sie es nicht wollen“, glaubt Nevrivy nicht an den Erfolg einer solchen Maßnahme.“ Das versteht der Mann, der den Bezirksvorsteher standesgemäß mit „Freundschaft“ begrüßt hat, auch.

Was er nicht versteht: Dass Studenten so wenig arbeiten. Für die bricht Nevrivy sofort eine Lanze: „Ich bin froh, wenn wer Medizin studiert und mich gut behandelt.“ Und macht den Schwenk zurück zu seiner Anklage: „Oder Jus und mich vor Gericht vertritt. Das habe ich jetzt brauchen können.“

„War nicht angenehm“

Denn die Zeit, das gesteht er ein, sei eine sehr harte gewesen. Die langen Ermittlungen, die Wartezeit auf den Prozess, die Verhandlungstage. „Angenehm war das nicht, aber ich war zuversichtlich“, bekräftigt der Politiker. 

Dass Familie, Freunde, Partei und sogar politische Gegner in der Zeit zu ihm gehalten hätten, habe ihm geholfen. „Mich haben selbst im Wahlkampf nur ganz wenige auf das Verfahren angesprochen“, sagt Nevrivy.

Mit Stefan Gruze, dem Hauptangeklagten im Wienwert-Prozess, der Nevrivy auf die Anklagebank gebracht hat, habe er weiterhin keinen Kontakt: „Für einen Politiker geht das nicht.“ 

Auch zu Rapid geht er nicht mehr. Aber nicht, weil er keine Karten mehr bekommt. „Seit mein Sohn (Ex-Manager Christoph Peschek, Anm.) weg ist, gehe ich nicht mehr zu Rapid.“ Und die Spiele der Nationalmannschaft – wegen einer Karte für ein Spiel gegen Moldawien wollte ihn die Staatsanwaltschaft belangen – schaut er nur mehr im Fernsehen an. 

Wiener Wahnsinn und das Café Hummel

Was Nevrivy nicht weiß: Wann die Wiener Linien bei dem Projekt in der Attemsgasse weitermachen – wo ihm ja Geheimnisverrat angelastet wurde. Zu Unrecht, wie der Richter unmissverständlich festgestellt hat. Trotzdem gibt er freimütig zu: „Ich war mir immer sicher, nichts Falsches gemacht zu haben. Aber ich würde es heute anders machen.“

Cafe Hummel in der Donaustadt.

Artur Hummel in seinem Lokal.

Geblieben ist ihm das Café Hummel, unweit vom Heldenplatz, am Asperner Siegesplatz. „Vor ein paar Tagen war er hier und hat einen Toast gegessen“, erinnert sich Besitzer Artur Hummel. Er kennt Nevrivy gut, wie seine Vorgänger.

Seit 26 Jahren ist er in dem Lokal, das zuvor sein Vater aus der Greißlerei gemacht hat, weil neben ihnen ein Konsum aufgesperrt hat. „Den Konsum gibt’s nimma, den Hummel no imma“, schmunzelt der Wirt, mittlerweile selbst ein Donaustädter Original. 

Und ein Freund der Band Wiener Wahnsinn – auch ein Teil der Anklage gegen Nevrivy, weil ein Teil der Band nach seiner Hochzeit für ihn im Hummel gespielt hat.

Ein Plakat kündigt das Konzert „Wiener Wahnsinn & Friends“ am 26.06.2026 im Café Hummel am Asperner Siegesplatz an.

Das Plakat von Wiener Wahnsinn. 

Wiener Wahnsinn spielt übrigens am 26. Juni wieder dort. Ob Nevrivy da auch kommt, weiß man nicht. Es wäre wohl ein Heimspiel für ihn. Offen ist, ob er wieder zu Auswärtsspielen im Landesgericht für Strafensachen muss: Die Ermittlungen rund um die Kleingartenaffäre sind noch anhängig, bestätigt eine Sprecherin. 

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