Historischer Engel: Aufwendige Restaurierung bei der Karlskirche
Zusammenfassung
- Der restaurierte Engel mit Lorbeerkranz kehrt nach Jahrzehnten im Lager in eine Nische im Agnesgarten der Karlskirche zurück.
- Die Statue wurde aufwendig restauriert, mit Stahlkonstruktion und neuem Fundament gesichert, nachdem sie einst in vier Teile zerlegt wurde.
- Am 28. Mai wird die Rückkehr des Engels mit einer Festmesse und einem Engelsfest gefeiert, künftig wacht er über die Essensausgabe an Bedürftige.
Die Arbeiten an der prominenten Karlskirche sind nicht zu übersehen. Aktuell wird die östliche Triumphsäule saniert, damit sie ebenso wie die bereits renovierte westliche Säule in strahlendem Weiß erstrahlt. Eine andere Restaurierung spielt sich fast schon im Verborgenen ab, genauer im Agnesgarten. Die Nische ist nicht öffentlich zugänglich und mit einem Fahrradschloss versperrt. Über den Sichtschutz hinweg können Neugierige jedoch eine noch eingerüstete Engelsstatue erspähen.
Sie ist die (mehr oder weniger) originale Statue, die einst gemeinsam mit den vielen anderen Engeln hoch oben entlang der Kuppel, auf dem sogenannten Tambour, zwischen den Fenstern thronte. Dort steht heute jedoch eine Kopie, denn ja, nicht alles, was an der Karlskirche original aussieht, ist es auch tatsächlich.
Der Engel stammt aus dem originalen Inventar der Karlskirche.
Engel wurde gevierteilt
Die originalen, rund drei Meter großen Engelstatuen wurden vom bedeutenden italienischen Bildhauer Lorenzo Matielli geschaffen. Zwei von ihnen mussten bei der letzten Fassadensanierung jedoch auf den Boden gebracht werden. „Der Oberkörper des Engels wurde in vier Teile gesägt. Ich glaube, man hat sich damals nicht getraut, sie in einem Stück herunterzubringen“, vermutet Restaurator Martin Pliessnig. Zu schlecht war ihr Zustand, daher konnten sie auch nicht gefahrlos dort oben bleiben. Was man damals noch nicht wusste: Die zwei Engel sollten nie wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren.
Im Arsenal wurden von ihnen Abgüsse angefertigt, eben jene Statuen, die heute auf dem Tambour sehen. Die Originale wurden nach Schloss Laxenburg in ein Lagerhaus gebracht, wo sie in Vergessenheit gerieten. Bei einem Brand wurde einer der beiden zerstört, der Engel mit Lorbeerkranz blieb erhalten. In einem Zwischenlager musste er weitere Jahrzehnte fristen – bis das Bundesdenkmalamt auf ihn aufmerksam wurde.
Pliessnig und sein Team begannen im Winter 2024 mit der Restaurierung des Engels. Der rechte Arm war in mehrere Teile zerbrochen, auch der Kopf sowie die Haare mussten fast vollständig überarbeitet werden. Für den Kranz selbst mussten einzelne Blätter neu gegossen, der Kranz wieder zusammengefügt und zusammen mit der linken Hand wieder an die Statue angebracht werden. Damit man der Natursteinfigur das Facelift nicht ansieht, wurden zu glatte Ergänzungen rauer und verwittert gestaltet.
Ein Engelsfest
Nicht immer kehren restaurierte Statuen an ihre alte Heimstätte zurück, im Agnesgarten wurde jedoch eine witterungsgeschützte Nische gefunden. Die Füße der Statue sind laut Pliessnig jedoch in einem sehr schlechten Zustand: „Ich vertraue den Füßen nicht, darum trägt eine Stahlkonstruktion die Statue vom Knie aufwärts sowie den Oberkörper. Es ist eine Maßanfertigung.“
Geschaffen wurde auch ein neues Fundament sowie ein Sockel, auf dem der Engel inzwischen steht. Gekostet haben die Arbeiten bisher rund 56.000 Euro. Ein letztes Mal muss das Bundesdenkmalamt noch seinen Segen geben. Am Donnerstag, den 28. Mai, findet außerdem eine Festmesse sowie ein Engelsfest mit Andacht und Grillerei statt. Womit der Engel mit Lorbeerkranz künftig zum Wächter der wöchentlichen Essensausgabe an Bedürftige wird.
Kommentare