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Einsparungen
11/09/2014

Lage bei Wiener Berufsrettung wird immer prekärer

In einigen Rettungswagen könnte es bald nur mehr zwei anstatt drei Sanitäter geben.

von Anna-Maria Bauer

Einer massiert das Herz, einer beatmet und einer legt den Venenzugang, verabreicht Medikamente oder verständigt den Notarzt. Im Ernstfall hat jeder der drei Sanitäter im Rettungswagen seine Aufgabe. Doch was passiert, wenn die Retter nur mehr zu zweit anrücken?

Im Zuge einer Reform werden bis 2016 die Dienstzeiten bei der Wiener Berufsrettung umgestellt. Die 24-Stunden-Diensträder werden durch 12,5-Stunden-Dienste ersetzt. Die Folge: Es braucht mehr Menschen, um denselben Dienst abzudecken. Einerseits wird es zwar mehr Personal geben. Gleichzeitig sollen in einigen Rettungstransportwagen nur mehr zwei statt drei Sanitäter fahren.

Offen will niemand darüber sprechen. Hinter vorgehaltener Hand klagen Betroffene über die prekäre Lage und warnen vor der Umstellung. "Wir sind jetzt schon am Limit", sagt ein Insider aus der Personalvertretung. "Wenn Autos nur mehr zu zweit unterwegs sind, dann wird das ein Chaos."

Pressesprecher Ronald Packert verteidigt die Veränderung: "Die Besetzung mit zwei Sanitätern ist in den meisten europäischen Ländern seit vielen Jahren Standard." (In den anderen Bundesländern sind übrigens mindestens zwei, meistens jedoch drei, manchmal sogar vier Sanitäter im Rettungswagen.) "Und im Notfall", ergänzt Packert, "werden Wagen mit drei Personen geschickt." Ein Argument, das viele nicht gelten lassen wollen. Was, wenn sich ein harmloser Fall zu einem Ernstfall entwickelt? Und gerade bei gravierenden Fällen seien drei Sanitäter "durchaus kein Luxus", bestätigt auch ein Wiener Notfallmediziner. "Wollen wir hier eine Verschlechterung riskieren?", fragt man sich .

Packert erwidert: Wer 24 Stunden im Dienst sei, der habe am Ende eine ähnliche Reaktionszeit wie mit einem Promille Alkohol im Blut. Durch die Umstellung von 24 auf 12,5 Stunden sei die Belegschaft ausgeruhter. Das sei jedenfalls zum Vorteil der Patienten.

Gleichzeitig geht es vielen Sanitätern auch um das eigene Wohl: Einen Patienten auf der Trage fünf Stockwerke hinunterzutragen, ist zu dritt jedenfalls einfacher als zu zweit. Vor allem, wenn man nicht ein, zwei Mal im Jahr zu zweit tragen muss – sondern immer. Dazu kommt: Nicht selten müsse man auf Schienenstraßen oder in schmalen Gassen halten. Gibt es nur zwei Sanitäter, kann sich keiner um einen Parkplatz kümmern.

Verschlechterung

Auch bei der Bezahlung gibt es Verschlechterung. Sonderzahlungen fallen weg. Um das ein wenig abzufedern, werde das Grundgehalt zwar angehoben, erklärt Packert. Jung-Retter hätten durch die Reform also sogar einen finanziellen Vorteil. Altgediente Sanitäter hingegen werden einige Hundert Euro im Monat verlieren.

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