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Chronik Wien
10/02/2020

Ein Schweizer Meteorit für das Naturhistorische Museum

Ab sofort kann das Fragment des "Twannberg-Meteoriten" im NHM besichtigt werden.

von Andreas Puschautz

Das Naturhistorische Museum (NHM) freut sich über eine besondere Schenkung der Schweizerischen Eidgenossenschaft: Der Schweizer Ständeratspräsident Hans Stöckli übergab am Donnerstag ein Stück des sogenannten Twannberg-Meteoriten.

Der Twannberg-Meteorit ist ein seltener Typ eines Eisenmeteoriten, der nahe der Stadt Biel im Kanton Bern gefunden wurde. Der erste Meteorit mit einer Masse von 15 Kilogramm wurde dort schon im Jahr 1984 entdeckt, weitere Stücke wurden in den Jahren 2000, 2005 und 2007 gefunden.

Bedeutender Fund

Nach dem Fund wurden spezielle Suchkampagnen als Citizen-Science-Projekt unter der Leitung von Univ. Prof. Beda A. Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern zusammen mit rund 50 Laienwissenschaftlern organisiert. Mit Erfolg: Hunderte Meteoritenfragmente mit einer Gesamtmasse von etwa 140 Kilogramm wurden ans Licht gebracht und rasch wurde klar, dass es sich um das erste Meteoriten-Streufeld der Schweiz handelte.

Der Twannberg-Meteorit ist bei seinem Fall vor etwa 155.000 bis 195.000 Jahren in der Atmosphäre in unzählige Stücke gerissen worden. Physikalische Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Meteoroid einen Durchmesser von mindestens vier Metern aufwies, was einer Masse von Tausenden Tonnen entspricht. Dieses Ereignis kann durchaus mit dem spektakulären Fall des Chelyabinsk-Meteoriten mit einem Durchmesser von ca. 20 Metern über Russland am 15. Februar 2013 verglichen werden.

Seltenheit

"Der Twannberg-Meteorit ist ein sehr seltener Typ von Eisenmeteorit, der zur chemischen Gruppe IIG gehört. Von den derzeit 1.255 anerkannten Eisenmeteoriten gehören nur fünf andere Meteorite zu dieser speziellen Gruppe, eine Seltenheit", betont Ludovic Ferrière, Kurator der Meteoritensammlung des NHM Wien.

Der Twannberg-Meteorit ist bereits der dritte Meteorit aus der Schweiz, der in die Sammlung des NHM aufgenommen wurde. "Dieses Exemplar des Twannberg-Meteoriten wurde im Zustand der Auffindung aufbewahrt: mit seiner natürlichen, 'verrosteten' Patina. Bis jetzt hatten wir nur ein kleines Stück dieses Meteoriten in der wissenschaftlichen Sammlung. Ich war viele Jahre auf der Suche nach einem besonderen Exemplar für die Schausammlung. Im September 2016 suchte ich selbst zwei Tage lang mit einem Metalldetektor am Streufeld, gemeinsam mit einem befreundeten Meteoritenforscher. Wir haben leider keinen Meteoriten gefunden, aber wir haben es wenigstens versucht“, freut sich Kurator Ferrière über die Schenkung.

Gefunden wurde das Exemplar am 3. April 2016 von Madeleine Sturny auf dem Mont Sujet, einem der "hot spots" für Twannberg-Meteoriten.

Größte Meteoritensammlung der Welt

"Der Twannberg-Meteorit ist eine sehr schöne Ergänzung für das Naturhistorische Museum Wien, das die größte und älteste Meteoritensammlung der Welt beherbergt und davon rund 1.100 Stück in der Schausammlung der Öffentlichkeit zeigt“, bedankte sich die Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin des NHM Wien, Dr. Katrin Vohland, beim Ständeratspräsident Stöckli für den wertvollen Neuzugang: "Dem gesamten Team der Ständigen Vertretung der Schweiz bei der OSZE, den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen in Wien, insbesondere ihrem Chef, Botschafter Wolfgang Amadeus Brülhart, sei für die Ermöglichung dieser Spende gedankt“.

Das neue Stück des Twannberg-Meteoriten kann ab sofort im Meteoritensaal (im Saal 5 in der zentralen Vitrine Nr. 109) des NHM besichtigt werden.

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