© KURIER/Franz Gruber

Mega-Veranstaltung
06/27/2014

Ein Quad-Fahrer für alle Fälle

Herbert Wagner ist am 31. Donauinselfest für die Sicherheit verantwortlich.

von Anna-Maria Bauer

Auf dem Quad oder im Sicherheits-Container. Anderswo wird Herbert Wagner in den kommenden Tagen nicht aufzufinden sein. Der 51-Jährige ist zum zweiten Mal Sicherheitschef am Wiener Donauinselfest. Und auch wenn das größte kostenlose Freiluftfestival Europas gemeinhin als friedlich gilt – genug zu tun gibt es für Wagner trotzdem.

1000 Mitarbeiter – Polizisten wie Security-Personal – gilt es an den drei Tagen zu koordinieren. Mit 35 Kameras wird beinahe die gesamte Insel ständig überwacht. An die 100 Meldungen langen täglich bei der Sicherheitszentrale ein – darunter sind aber auch organisatorische Anfragen, Stromausfälle oder gesundheitliche Probleme von Gästen. "Zum Glück handelt es sich auch bei den gröberen Vorfällen trotzdem nur um Raufereien", sagt Wagner.

Aber auch für den Ernstfall sei man gerüstet. Auf dem Tisch, neben den 220 Walkie-Talkies und den fünf Nachtsichtgeräten (die seit vergangenem Jahr im Einsatz sind), liegen vier dicke Mappen mit Sicherheitskonzepten für den Fall, dass ein Sturm oder andere Krisen- und Notsituationen auftritt.

(Un-)Wetter

Das größte Risiko sind dabei starke Unwetter. Am dramatischsten war die Situation bis dato im Jahre 2012, als die Insel aufgrund eines besonders starken Gewitters geräumt werden musste. "Da es allerdings bereits 22 Uhr war, war diese Räumung nicht weiter gravierend", erklärt Wagner.

Damit auch künftig Unwetter keine bösen Überraschungen bringen, sitzt auch heuer wieder ein Mitarbeiter der Ubimet in der Sicherheitszentrale – im Ernstfall können auf den Videowänden sowie auf allen Bühnen, die mit LED-Leuchten ausgestattet sind, Anweisungen projiziert werden. 23 Texte für verschiedene Situationen wurden dazu in Deutsch und Englisch vorbereitet. Und an neuralgischen Punkten stehen prophylaktisch Polizei-Absperrgitter, um die Menschenmassen gegebenenfalls in die richtige Richtung dirigieren zu können.

Probleme mit dem Wetter können beim diesjährigen Fest höchstens am Sonntag auftreten. Heute, Freitag und am Samstag wird es überwiegend sonnig, bei Temperaturen bis zu 30 Grad. Ab Samstagnachmittag steigt dann die Gewittergefahr; am Sonntagnachmittag sind in Wien sogar heftige Unwetter mit Sturmböen und Hagel möglich. Diese könnten genau zu Conchita Wursts Auftritt um 22 Uhr über die Bühne gehen.

Anreise

Eng wird es in den kommenden Tagen nicht nur vor den Bühnen, sondern auch auf den Parkplätzen rund um die Insel werden. Von einer Anreise mit dem Auto raten die Veranstalter deshalb ab. Die Wiener Linien verstärken dafür ihre Intervalle: Die Linien U1 und U6 werden bis etwa zwei Uhr früh im Dreiminutentakt fahren; danach im üblichen Nacht-U-Bahn-Intervall von 15 Minuten. Auch die Straßenbahnlinien 25, 26 und 31 sind öfter und länger im Einsatz.

Noch sind die Wiesen und Wege leer, über die Wagner mit seinem Quad zur nächsten Besprechung braust. Am Freitag um diese Zeit werden wieder Tausende Menschen zu ihren Lieblingsbands pilgern. Ein Umstand, der Wagner bekannt ist: Erst vor zwei Wochen war er am Nova Rock im Einsatz.

Das Donauinselfest beginnt mit kabarettistischen Highlights: Um 19.30 Uhr gastiert Klaus Eckel mit seinem Programm „Weltwundern“ im Ö1-Kulturzelt, bevor um 20.30 Andreas Vitasek mit „Sekundenschlaf“ auftritt. Am Abend gibt’s dann Blues von Hans Theesink und Meena Cryle (21.30) sowie Electro-Jazz von Moonlight Breakfast (22.30).

Die Radio-FM4/Planet.tt-Bühne steht ganz im Zeichen von Rap und Hip-Hop: Highlights sind Gerard um 20.30 Uhr, das maskierte Duo Genetikk (21.35) sowie US-Rapper KRS-One ab 22.45.

Auf der Schlager- und Oldies-Insel darf dafür nach Herzenslust geschunkelt werden: Etwa mit Ex-Fußballtrainer Frankie Schinkels, der sich um 19.15 gemeinsam mit Schlagersternchen Marlena Martinelli auf ungewohntes musikalisches Terrain begibt. Danach geigen Marco Ventre (20.15), Oliver Haidt (21.30) und Claudia Jung (22.20) auf.
Zünftig geht’s auch auf der Country- und Western-Bühne zu. Ab 14 Uhr wechseln sich die Don Attila Band, die Western Cowboys und The Legendary Daltons ab. Schluss ist erst um 0 Uhr.

Großen Andrang wird es traditionell auf die WienEnergie/RadioWien/Ö3-Bühne geben. Dort spielt um 17.45 Uhr „Große Chance“-Gewinner Thomas David. Um 18.45 Uhr folgen die Hitparadenstürmer Revolverheld und um 20.15 Uhr Nico&Vinz. Singer/Songwriter Milow (21.30) und Softrocker Rea Garvey (23.00) machen den Abschluss.

Der "Lido der Wiener" wird wieder zur Partyzone

Mitarbeiter koordinieren, Fragen beantworten, Probleme lösen – ruhige Minuten kann Thomas Waldner derzeit an einer Hand abzählen. Nicht einmal zum Schlafen verlässt der Projektleiter des Wiener Donauinselfests, das dieses Wochenende zum 31. Mal über die Bühne geht, das Eiland. Seit heute, Donnerstag, hat er mit einigen Kernteam-Mitarbeitern das Übernachtungsquartier auf der Insel bezogen. Da die Schlafenszeit in den Tagen vor und während des Großevents so begrenzt ist, zahle sich das Nachhausefahren gar nicht mehr aus, erklärt der 28-jährige gebürtige Kärntner, der heuer zum zweiten Mal Hauptverantwortlicher des Mega-Events ist.

Mittwochmittag herrscht auf dem "Lido der Wiener", wie Waldner das Naherholungsgebiet nennt, hektisches Treiben. Im Minutentakt rollen neue Lkws an; Gastronomen beziehen ihre Stände und in luftiger Höhe montieren Arbeiter das Stahlgerüst für die große Festbühne. Seit 4. Juni laufen die Aufbauarbeiten. Die meisten der elf Bühnen stehen bereits; ebenso die rund 200 Mobiltoiletten.

Österreichische Stars

Unter dem Motto "Wien leben, Wien lieben" startet am Freitag das dreitägige Freiluftfestival, das heuer einen Schwerpunkt auf österreichische Stars wie "Große Chance"-Gewinner Thomas David oder Singer-Songwriterin Anna F. legt. Auch Conchita Wurst hat sich angekündigt: Sie wird Sonntagabend vor dem Panda-Rapper Cro ihre Song-Contest-Nummer "Rise Like a Phoenix" – und möglicherweise eine zweite Nummer – aufführen.

Am Samstagabend wird es vor der Festbühne ein wenig ruhiger zugehen: Ab 22.30 Uhr wird das Gedenkkonzert der Wiener Philharmoniker in Sarajevo (anlässlich des Attentats auf Franz Ferdinand am 28. Juni 1914) auf den Videowänden übertragen.

Zeit, diese Acts zu verfolgen, wird Thomas Waldner kaum haben. Ein, zwei Darbietungen möchte er sich aber nicht entgehen lassen; zum Beispiel die Band Bilderbuch, die am Sonntag um 21 Uhr auf der FM4-Bühne auftritt.

Kinderprogramm

Neben den musikalischen Highlights ist Projektleiter Waldner vor allem um ein vielfältiges Programm für die Kinder und Jugendlichen bemüht. So wird es neben der Ö1-Kulturinsel ein kleines Riesenrad geben. Und auf der "Sport und Fun"-Insel wird eine 20 Meter lange Slackline gespannt, wo man Profis beobachten und sein eigenes Talent ausprobieren kann.

Auch wenn derzeit alles nach Plan läuft: "Gestresst" ist für Waldners Gemütszustand eine Untertreibung. Sein erstes, ruhiges Bier wird er erst wieder Sonntagnacht genießen können – und dann kann nicht lange gefeiert werden: Montag, acht Uhr, muss mit dem Abbau begonnen werden.

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