Chronik | Wien
05.12.2011

Ein Ausflugsziel im Dornröschenschlaf

Seit Jahren ist die Burg auf dem Leopoldsberg versperrt und vernagelt. Die Renovierung beginnt frühestens 2012.

Betreten der Baustelle verboten" prangt in großen Lettern auf dem Eingangstor. Eine kleine Gruppe japanischer Touristen dreht mit enttäuschten Gesichtern ab und geht zurück zur Bushaltestelle. Die Burg Leopoldsberg, einst beliebtes Ausflugsziel mit einem traumhaften Blick auf Wien, liegt seit 2008 im Dornröschenschlaf.

Ein Rundgang um die historische Anlage verstärkt den tristen Eindruck noch: Die meisten Fenster sind vernagelt, andere haben längst keine Scheiben mehr. Die schönste der drei Aussichtsterrassen ist ebenso wie die Kirche nicht zugänglich. Ein Blick durch eine Lücke im Spanplatten-Bauzaun zeigt eine tristes, überwachsenes Idyll - hier war schon lange kein Mensch mehr.

Eigentlich sollten auf dem Leopoldsberg schon längst wieder Getränke, Snacks und Eis verkauft werden. So steht es zumindest im Vertrag zwischen dem Stift Klosterneuburg als Besitzer der Anlage und dem Architekten Alexander Serda, der hier dem Vernehmen nach ein Hotel-Restaurant der gehobenen Preisklasse errichten will.

Baurecht

Serda hat einen hundert (!) Jahre laufenden Baurechtsvertrag. Zu den Details des Kontrakts zählt, dass die Bauarbeiten binnen drei Jahren beginnen müssen und zudem ein provisorischer Gastronomiebetrieb eingerichtet wird, damit der Leopoldsberg als Ausflugsziel nicht in Vergessenheit gerät. Wird die Klausel nicht eingehalten, ist der Vertrag nichtig.

Die dreijährige Frist ist vergangenen Jänner abgelaufen; Bauarbeiten sucht man ebenso vergebens wie ein Gasthaus. Trotzdem ist Architekt Serda in den Augen des Stifts Klosterneuburg nicht säumig: "Das Bundesdenkmalamt hat mehr als ein Jahr lang das Mauerwerk untersucht, um Altersbestimmungen vorzunehmen und den historischen Baubestand zu sichern", sagt Stiftssprecher Peter Schubert. Die Auswertung sei so gut wie abgeschlossen, nun müsse Serda mit dem Denkmalamt abklären, welche Veränderungen möglich seien.

Auch ein weiteres Problem sei einer Lösung nahe: Voraussetzung für eine gastronomische Nutzung sei die (teure) Errichtung eines Abwasserkanals: "Mittlerweile gibt es bis zum obersten Haus des Kahlenbergerdorfs einen Kanal. Zum Leopoldsberg fehlen nur noch einige Hundert Meter, die Trassierung läuft", sagt Schubert. Er erwartet einen Beginn der Umbau- und Sanierungsarbeiten im kommenden Jahr. Dann soll auch die Kirche renoviert werden - dies beauftragt das Stift selbst.

Alexander Serda war trotz mehrerer Anfragen nicht zu einer Stellungnahme bereit.