Chronik | Wien
09.10.2018

Drei Favoriten und zwei Außenseiter kämpfen um Vassilakou-Erbe

Gleich fünf Kandidaten kämpfen um die Nachfolge von Maria Vassilakou. Wie sie die Wiener Grünen retten wollen.

Drei prominente Spitzenfunktionäre und zwei weniger bekannte Außenseiter rittern um die Nachfolge der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou. Die Kandidaten im Überblick:

Peter Kraus

Geboren 1986 in Neunkirchen (NÖ) sitzt der studierte Volkswirt seit 2015 im Wiener Gemeinderat. Davor war er stellvertretender Büroleiter von Vassilakou. Seine inhaltlichen Schwerpunkte legt er auf die Themen leistbares Wohnen, die Schere zwischen Arm und Reich sowie Klimaschutz. Es sollte in Wien keine Straße mehr ohne Bäume geben. „Und ich will raus aus Öl und Gas“, betont er.

David Ellensohn

Der 55-Jährige wurde in London geboren und wuchs in Vorarlberg auf. Nach zehn Jahren im Sportjournalismus wechselte der leidenschaftliche Fußball-Fan 2001 in den Gemeinderat, seit 2010 ist er grüner Klubobmann. Er will die Grünen wieder mehr zu einer „Protestpartei“ machen, „die sich anlegt mit den Großen – mit Novomatic, Immobilienhaien und der Bundesregierung“.

Birgit Hebein

Die diplomierte Sozialarbeiterin wurde 1967 in Villach geboren. Vor ihrer Polit-Karriere war sie unter anderem für den Bahnhofsozialdienst der Caritas Wien tätig. 2005 wurde sie grüne Bezirksrätin in Rudolfsheim-Fünfhaus, 2010 wechselte sie in den Gemeinderat, wo ihr Schwerpunkt in der Sozialpolitik liegt. Die Rolle der Grünen sieht sie vor allem im Gegenmodell zur türkis-blauen Bundesregierung: „Wir können den Spaltern und Zerstörern nicht unser leiwandes Wien überlassen“, sagt sie.

Marihan Abensperg-Traun

Die 1976 geborene Niederösterreicherin ist die einzige Quereinsteigerin im Quintett der Kandidaten. Die Ärztin arbeitet an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Wiener AKH. Inhaltlich will sie Begrünungsmaßnahmen gegen die Hitze in der Stadt, den Öffi-Ausbau und niederschwellige Anlaufstellen für medizinische Betreuung im Grätzel forcieren. Mit der SPÖ wünscht sie sich eine „Koalition mit Augenmaß“: „Es kann nicht so sein, dass wir grüne Werte verraten“, sagt sie.

Benjamin Kaan

Der 32-Jährige sitzt seit 2015 für die Meidlinger Grünen in der Bezirksvertretung und war davor Mitarbeiter der damaligen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek. Der selbstständige Unternehmer in der Bio-Lebensmittelbranche will nun die Chance einer Veränderung der Partei nutzen, denn zuletzt habe sich intern bereits ein gewisser Frust breitgemacht. Kaan bekennt sich zur grünen Regierungsbeteiligung: „Gestalten ist wichtiger als Oppositionsarbeit“, betont er.