Chronik | Wien
12.08.2017

Dieses Duo lässt sich nach Mord im Salon die Schneid nicht abkaufen

Neun Monate nach dem Mord an einem Wiener Friseur, besuchte der KURIER den Tatort. Die neuen Inhaber arbeiteten schon neben der "Eislady" Estibaliz C.

Zekiye Z. nimmt die Schneidemaschine in die Hand, setzt diese am Kopf des Mannes an und kürzt ihm die Haare. Daneben tüftelt Ali K. bei einem anderem Kunden am Feinschliff. Nur wenige Zentimeter entfernt, wo die beiden Friseure arbeiten, lag im November der Vorbesitzer. Blutüberströmt. Angeschossen. Verstarb wenig später. Ein bisher ungelöster Fall mit vielen Fragezeichen.

Ein kurzer Rückblick. 16. November 2016, gegen 11.30 Uhr: Ein unbekannter Mann spaziert in den Salon auf der Wienerbergstraße 12 in Wien-Meidling, zieht eine Pistole und schießt Inhaber Arnold Sch. (46) mehrmals in die Brust. Der Täter flüchtet unerkannt, Sch. verstirbt kurz darauf im Krankenhaus. Bis heute ermittelt die Kripo in diesem Mord. Das Motiv? Unklar.

Ein KURIER-Lokalaugenschein zeigt, dass der 46-Jährige in dem Grätzel eine Lücke hinterlassen hat. Vor allem als Persönlichkeit. "Es wird heute noch viel über ihn geredet", erzählen die neuen Betreiber Zekiye Z. und Ali K. Das Duo übernahm den Salon bereits nach wenigen Wochen, eröffnete ihn am 15. März wieder. "Wir haben das Geschäft mit Jahreswechsel von Arnolds Bruder abgekauft. Er wollte es so schnell wie möglich los werden. Billiger war es wegen der Vorgeschichte aber nicht", erzählt Z. "Verändert haben wir eigentlich kaum etwas, nur die Wände gestrichen und die Inneneinrichtung ein bisschen umgestellt." Sogar die Produkte sind dieselben geblieben, einige stehen immer noch genau dort, wo sie Arnold hingestellt hatte. Auch viele der alten Kunden suchen noch immer den Weg in den Salon.

Schon Mordfälle erlebt

Obwohl ihr Arbeitsplatz einmal ein Tatort war, fühlen sich die Friseure nicht unwohl. "Nur wenn ich alleine bin, habe ich manchmal ein ungutes Gefühl", meint eine Mitarbeiterin. Für die Haarkünstler ist es nicht der erste Berührungspunkt mit einem Mord. Denn das Trio arbeitete davor einige Hausnummern weiter – bei einem Salon, der neben dem Geschäft der berüchtigten "Eislady" Estibaliz C. lag. "Unser Chef hat damals die Leichen im Keller gefunden. Es wurde immer verdächtiger, weil sie ständig nach unten gegangen ist", erzählen sie. "Als ich hier den Friseursalon übernommen habe, hat mich meine Frau gefragt, ob ich spinne", erzählt K.

Auch der Mordfall von Arnold Sch. kommt im Grätzel nicht zur Ruhe. " Die Leute reden viel. Ich glaube, dass manche mehr wissen, als sie zugeben", meint die Mitarbeiterin. "Arnold soll viele Schulden gehabt haben. Deswegen glauben einige Leute, dass er sich Geld ausgeborgt hatte und das der Grund sein könnte. Doch viele munkeln, dass eine Dame im Spiel gewesen sein soll. Er dürfte jemanden die Frau ausgespannt haben." Eine Causa, die auf den Alltag abfärbt.

Die Kripo tappt seither im Dunklen. Sogar 20.000 Euro an Belohnung für zielführende Hinweise wurden ausgelobt – ohne Erfolg.