© Montage,Reuters, Too Good to go

Chronik Wien
08/29/2019

Diese App sagt der Lebensmittelverschwendung den Kampf an

Bereits 35 Wiener Betriebe machen bei der App "Too Good To Go" mit. Gestartet wurde das Projekt in Dänemark

Bei CupCakes Wien in der Albertgasse im 8. Bezirk wird täglich frisch gebacken. Einmal bleiben am Abend zwei Cupcakes über, ein anderes Mal gar keine, wieder ein anderes Mal dafür zehn.

Weil es nach Geschäftsschluss keine Verwendung mehr für sie gibt, müssen sie abends wohl oder übel weggeworfen werden.

Um das zu verhindern, gibt es seit Kurzem auch in Wien „Too Good To Go“ – eine App gegen Lebensmittelverschwendung.

Worum genau geht es bei der App? Georg Strasser, Österreich-Manager des Projekts erklärt: „Unsere Partnerbetriebe haben am Ende des Tages überschüssige Lebensmittel, die sie nicht verkaufen können, die aber noch vollkommen genießbar sind. Diese Produkte, beispielsweise Obst, Gemüse, Brot oder Feinkost-Artikel, geben sie in das Überraschungssackerl von ,Too Good To Go’.“

Überraschungssackerl

Was sie genau kaufen, wissen die Kunden nicht. Ganz im Dunkeln tappen sie aber auch nicht, denn es wird angegeben, was sich in den Paketen in etwa versteckt – wie z. B. Curry oder Kuchen. „Die Betriebe wissen ja tagsüber noch nicht, was ihnen am Abend übrig bleibt“, sagt Strasser. „Die Lebensmittel, die schließlich zu viel sind, geben sie ins Überraschungssackerl und verkaufen sie.“ Und zwar zu einem günstigeren Preis.

Für die Kunden funktioniere die App ganz einfach. Nachdem die App kostenlos im Google Play oder Apple Store heruntergeladen wurde, können die einzelnen Betriebe, darunter Bäckereien, Restaurants, Marktstände oder Hotels, ausgesucht werden. Bereits 35 Wiener Betriebe sind in der App zu finden, wie etwa Das 1090, Café Himmelblau, Fisch am Markt (am Vorgartenmarkt), die Bäckerei Grimm, Der Greißler, CupCakes Wien oder Westpol.

Bezahlt wird in der App

Sobald sich der Kunde für ein Überraschungspaket entschieden hat, kann er einkaufen. Bezahlt wird direkt in der App. Danach müssen die Produkte nur noch innerhalb des angegeben Zeitfensters abgeholt werden – noch am Abend, aber auch in der Früh.

Die Idee entstand 2015 in Kopenhagen, als vier umweltbewusste Dänen gemeinsam beim Mittagsbuffet aßen. Sie stellten sich die Frage, was mit dem Essen passiert, das übrig bleibt. Schlussendlich stellte sich heraus, dass es einfach entsorgt wird. Dagegen wollten sie etwas unternehmen.

Win-win-Situation

In Österreich wird derzeit noch ein Drittel aller noch genießbaren Lebensmittel weggeworfen.

Um dem entgegenzuwirken, können sich Betriebe bei „Too Good To Go“ anmelden und ihre überschüssigen Lebensmittel verkaufen.

„Wir sind zwar erst seit Kurzem dabei, aber das Angebot wird bereits jetzt gut angenommen“, sagt Florian Ott, der mit Nicole Ott das Café Himmelblau führt.

Renate Gruber betreibt das CupCakes. „Wenn Cupcakes übrig bleiben, gebe ich Pakete in der App frei. Ein Paket bei mir besteht aus zwei Cupcakes. Normalerweise kosten sie zwischen neun und elf Euro. Bei ,Too Good To Go’ verkaufe ich sie um 2,99 bzw. 4 ,99 Euro.“ Sie gibt ein Zeitfenster an, wann die Pakete abgeholt werden können. Es sei eine Win-win-Situation: „Die Qualität ist immer noch top und wegwerfen muss ich meine Produkte auch nicht.“

von Melanie Baumgartner