Pegida will am 2. Februar in Wien friedlich demonstrieren.

© /Pegida

Wien
01/20/2015

Der rechte Pegida-Mann in Österreich

Der Demo-Anmelder sympathisiert mit einer rechtsextremen Gruppierung.

von Nihad Amara

Vermutlich ist Albert Starkl (*Name geändert) enttäuscht. FPÖ-Chef Heinz Christian Strache, den er mehrfach via Facebook in seine steirische Heimat eingeladen hat, gab ihm jüngst einen Korb. Starkl meldete den ersten Spaziergang der islamfeindlichen Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (kurz Pegida) am 2. Februar in Wien an. Der FPÖ-Parteichef sympathisiert zwar mit den Islamgegnern, weilt aber am Demo-Tag in Osttirol. Vielleicht will Strache auch nicht an Starkl auf der Straße anstreifen, denn der Fußball-Fan dürfte im politischen Spektrum so weit rechts stehen, dass es dem bald in Wien wahlkämpfenden FPÖ-Chef einen Image-Schaden bescheren könnte.

Der Steirer ignoriert eine KURIER-Anfrage. Dabei gäbe es viel Erklärungsbedarf über seine Interessen, die er über soziale Medien kundtut. Dort deklariert er sich als Fan der Gruppe "Ultras Sur Wien", die laut dem Fußballmagazin Ballesterer für "rechtsextreme Fahnen und Spruchbänder" auf den Stadiontribünen verantwortlich zeichnet. Auf der Facebook-Site von "Ultras Sur Wien" widmet man Österreichs bekanntestem Neonazi Gottfried Küssel und dem spanischen Mörder eines Antifaschisten (der in den Kreisen wie eine Kultfigur verehrt wird) ein Musikvideo einer Rechts-Rock-Band. "Ultras Sur Wien" kam auch norwegischen Ermittlern unter, als sie die Neonazi-Kontakte des Massenmörders Anders Breivik aufarbeiteten.

Keine Reaktion

Was sagt Starkl dazu? Vielleicht wusste er das nicht. Starkl sagt nichts. Auch die Betreiber der Facebook-Präsenzen reagieren nicht auf Anfragen. Man sei "unpolitisch" und lehne Extremismen ab, heißt es auf der Facebook-Seite von Pegida Österreich, auf der die User regelmäßig ermahnt werden, den Verhetzungsparagrafen nicht zu verletzen.

In der inhaltlichen Ausrichtung unterscheide sich der österreichische Ableger nicht von seinem deutschen Vorbild, erklärt Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes. Es handle sich um alte "Anti-Ausländer-Parolen" in "antimuslimische Gewänder gekleidet", erklärt der Rechtsextremismusforscher. Es bestehe die Gefahr, dass sie so auch besorgte Bürger aus der Mitte der Gesellschaft erreichen.

Pegida setzt in Österreich wie auch in Deutschland auf Regionalisierung. In Österreich gibt es im Netz Bundesländer-Ableger.

Die Islamgegner haben in Österreich einen schweren Stand. Anders als in Deutschland schöpfe hierzulande mit der FPÖ eine etablierte Partei das Potenzial aus, erklärt Peham. Weder die (neonazistische) NPD noch die (rechtskonservative) AfD hätten im Nachbarland eine derart dominante Stellung im rechten Spektrum wie der Platzhirsch FPÖ in Österreich. Dazu passt Straches kürzlich getroffene Feststellung: "Wir sind die wahre Pegida."

Deutsche Unterstützer

Angemeldet ist die Kundgebung in Wien für 250 Personen. Angesichts der virtuellen Mobilisierung mit ungefähr 18.000 Unterstützern auf zwei Facebook-Präsenzen ist das wenig. Wie Medien berichten, setzt die Bewegung auf deutsche Unterstützung. Ein Analyse-Tool zeigt, dass etwas weniger als die Hälfte der virtuellen Fans gar keine Österreicher, sondern Deutsche sind. Noch mehr Solidarität aus der Bundesrepublik erhalten die Tiroler Pegida-Macher: Mehr als die Hälfte ihrer User gibt Deutschland als Wohnsitz an. Vermutlich sind Werbe-Schaltungen für den nachbarschaftlichen Fan-Zuwachs verantwortlich.

Linke Gruppen planen am 2. Februar Gegenveranstaltungen. Pegida betonte auf der Social-Media-Plattform, "unser demokratisches Recht auf eine friedliche Kundgebung" einfordern zu wollen.

Mehr zu Pegida Deutschland lesen Sie hier.