Ein Teil des Ferdl-Teams beim Eingangsportal im Pixel-Look: Bruder Piffl, Razavi, Rahs und Csiszar

© KURIER/Jeff Mangione

Neues Lokal
05/03/2014

Der gschupfte Ferdl macht die Brettljausn bio

Das neue Lokal der Gebrüder Stitch will den Wiener Heurigen vom Staub befreien.

von Monika Payreder

Vielleicht liegt's an den vielen Büchern dort, vielleicht ist es bloß Zufall. Aber ihre besten Ideen haben Moriz Piffl-Percevic (34) und Mike Lanner (36) immer, wenn sie im phil in der Gumpendorfer Straße sitzen. 2010 zum Beispiel saßen sie dort und hatten "keinen Bock mehr auf Marketing", sagt Piffl. Also schmissen die beiden ihre Jobs hin und gründeten als Gebrüder Stitch höchst erfolgreich Wiens erste Maßschneiderei für Jeans. Zwei Jahre später waren sie sich, wieder im phil, einig, dass es "die beste Mehlspeis’ immer noch bei der Oma oder bei der Tant’ gibt" – und schon war die "Vollpension" geboren. Das generationenverbindende Kaffeehaus-Projekt hat seither vier Mal in der Jeans-Werkstatt der Gebrüder in Mariahilf als Pop-up-Betrieb Jung und Alt erfolgreich zusammengeführt – und soll jetzt, wenn sich ein Unternehmer findet, der es übernimmt, vom temporären in den Vollbetrieb wechseln.

Höchste Zeit also für eine neue Idee der Gebrüder. "Der Heurige ist ein bisserl in die Jahre gekommen", dachten Piffl und Lanner vor gut zwei Monaten. "Eigentlich geht man da nur hin, wenn Besuch da ist. Für junge Wiener gehört der Heurige genauso wenig zum Alltag wie das Riesenrad." Und: "Das neue Wiener Lied boomt – aber den neuen Wiener Heurigen dazu gibt es nicht."

Biozertifiziert

Das wollen Piffl und Lanner jetzt gemeinsam mit Stephan Csiszar (42) und Nick Pöschl (43) ändern. "Zum Gschupften Ferdl" heißt ihr neues Baby, beheimatet im Raimundhof zwischen Mariahilfer Straße und Naschmarkt. Aufsperren wird der Ferdl ab 6. Mai täglich von 9 bis 2 Uhr, und er ist Wiens erstes bio-zertifiziertes Heurigenbuffet – mit Bio-Weinen (aber auch mit Bier, nämlich dem Schladminger BioZwickl), selbst gebrannten Bio-Schnäpsen und vor allem: Bio-Brettljausn (auch vegetarischen).

Die wurden durch die Bank, zur Örtlichkeit passend, nach Stücken von Ferdinand Raimund benannt: Für die kleinere Börse gibt es "Die gefesselte Fantasie" um 7,90 Euro, die Deluxe-Version kommt als "Der Bauer als Millionär" um 33,30 Euro daher. Dafür bekommt man aber unter anderem dreierlei Schinken vom Thum ("Der ist so gut, der spricht auch Gourmets an", ist Piffl überzeugt) oder Weinbergschnecken aus dem Hause Gugumuck in Favoriten ("10er Kaviar").

Am Abend kocht Küchenchefin Parvin Razavi (35) mitten in der weißen Papier-Zirbenstube "Ferdls gschupfte Krapfen" (aus Erdäpfelteig, unterschiedlich gefüllt), wenn das Wetter passt, gibt es Sonntag Mittag Bio-Grillhenderln im Schanigarten (wo auch geraucht werden darf). Ansprechen will der Ferdl ein bunt gemischtes Publikum. "Dass der Primar neben dem Bauhackler sitzt, der Gourmet neben dem Studenten – das wünschen wir uns", sagt Piffl. "Ich glaube, früher war der Heurige ja auch mehr für die Wiener, nicht für die Touristen."

Design & Musik

Dementsprechend untouristisch ist auch das Design. Hauptthema, das sich bis zu den Brettln und Weinkrügen durchzieht, ist der bunte Pixel-Look, der sich irgendwo zwischen 80er-Commodore-Optik und klassischen Stickdeckerln abspielt – nicht nur am Eingangsportal und im Schankraum, sondern auch im Schnapskeller, wo eine digitale Schießbude aufgebaut wurde. Nur an der Balzbar hat Designer Sebastian Rahs (29) Kitsch zugelassen: Ausgestopftes Federvieh, das, wie die Glaserln oder Lampen auf Flohmärkten zusammengekauft wurde, ziert hier die Wände.

Die nicht wackeln, sondern schunkeln werden, wenn an den Samstagabenden Livemusik gespielt wird – oder die Jukebox eines von rund 700 neuen und alten Wiener Liedern und ein bisschen Austropop ausspuckt.

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