Chronik | Wien 08.12.2011

Der faule Postfuchs am Bahnhof

Im neuen Westbahnhof wird mit langen Öffnungszeiten laut geworben. Dass sie die Post verkürzt hat, sagt man nur leise.

Die langen Öffnungszeiten sind unser großes Service-Plus!“ steht in großen Lettern im neuen Postamt in der Bahnhof-City am Wiener Europaplatz zu lesen. Schmucke Schalter und freundliches Personal gehören da selbstverständlich dazu.


Das alles aber hilft wenig, wenn man dann vor einer geschlossenen Filiale steht. So ist dies in den vergangenen Tagen zahlreichen Postkunden ergangen, wenn sie einen RSa-Brief oder ein Paket abholen oder – spät, aber doch – einen Brief aufgeben wollten. Was früher am Bahnhofspostamt selbstverständlich war (Öffnungszeit 7 bis 22 Uhr, Samstag, Sonntag 9 bis 20 Uhr ) ist im neuen Postamt nämlich nur noch ein frommer Wunsch.


Die hübschen Schalter mit dem freundlichen Personal werden nämlich wochentags schon um 19 Uhr geschlossen, am Samstag um 18 und an Sonn- und Feiertagen sogar um 14 Uhr. Der schlaue aber offenbar faule Postfuchs hat die „langen Öffnungszeiten“ um satte 28 Stunden pro Woche gekürzt.

Verärgert

Weil Postkunden an Kummer ohnehin gewöhnt sind, hat sich die Post aber auch die Bekanntgabe der neuen Öffnungszeiten „erspart“. Sie stehen nämlich nur an der ab 19 Uhr versperrten Türe zu lesen, nicht aber auf den Hinterlegungsanzeigen für RSa-Briefe oder Paket-Verständigungen.


Dies musste etwa auch Baumeister Richard Lugner hinnehmen: Er hat eine Hinterlegungsanzeige seines Postlers im Briefkasten vorgefunden, wonach er seinen RSa-Brief (Polizeidirektion Wien) am Postamt 1150 am Europaplatz 3 bis 19. Dezember abholen kann. Und zwar laut Formular von 7 bis 22 Uhr. Versucht hat es der Vielbeschäftigte dann um 20 Uhr. Vergeblich.
„Das alte Postamt war doch immer bis 22 Uhr offen. Aber offenbar kann man sich auch auf das Post-Formular nicht mehr verlassen“, meinte Lugner verärgert.


Bei der Post-Direktion entschuldigte man sich für den Fehler: „Da wurde offenbar ein altes Formular verwendet“. Versichert wird, dass ab sofort neue Formulare verwendet werden.
Warum der Betrieb überhaupt eingeschränkt wurde, konnte man nicht einmal in der Direktion erklären.
Übrigens: Eine offene Postfiliale kann man bis 22 Uhr derzeit noch am Fleischmarkt finden. Wie lange noch, ist fraglich.

( Kurier ) Erstellt am 08.12.2011