Chronik | Wien
16.03.2016

Der Biergarten hat wieder Saison

Schmuddel-Wetter war kein Thema. Bier-Fans feierten mit den Kolariks.

Kälte, Wind, Regen – kein Grund eine lieb gewonnene Tradition zu kippen. Nein, vielmehr kippten die Hunderten Gäste das eine oder andere Krügerl. Gulasch oder Stelze mundeten im Gastgarten – dank der kuscheligen Heizschwammerln – annähernd so fein wie an einem Frühlingstag. Einzig wärmende Sonnenstrahlen fehlten zur perfekten Schweizerhaus-Eröffnung im Wurstelprater. Der Vergnügungspark feiert heuer sein 250-Jahr-Jubiläum."Unsere Gäste lassen sich nicht aufhalten. Das Wetter dürfte keine Rolle spielen. Wir geben unseren Gästen etwas, und bekommen es auf diesem Weg zurück", freuten sich Schweizerhaus-Chef Karl Kolarik und Familie. Hinter den Kulissen übernehmen die Kinder Karl Hans und Regina immer mehr Agenden in der Biergarten-Dynastie. Davon merkten die Besucher nichts. Denn das Geschäft mit der Gemütlichkeit lief wie jedes Jahr reibungslos. Dementsprechend fröhlich-ausgelassen war die Stimmung.

"Ich trinke im Schweizerhaus bei der Eröffnung am 15. März immer mein erstes Bier im Jahr. Darauf freue ich mich über Wochen", erklärte Arthur Heinrich Munkenbeck III. mit einem breiten Grinsen. Der gebürtige Ire lebt seit 40 Jahren in Wien: "Als Ausländer wurde ich hier immer akzeptiert. In Europa ist die Situation wegen der Flüchtlinge schwierig. Die Menschen dürfen nicht so ängstlich sein. Jeder der in Österreich lebt ist privilegiert."

Für seinen Sitznachbarn Robert Brunnthaler, er lebt großteils auf einem Hausboot an der Donau, ist der Saisonstart "einer der wichtigsten Tage im Jahr". Seine Lebensgefährtin, Martina Marcher ist das erste Mal bei der Eröffnung: "Ich kenne die Stimmung nur aus vielen Erzählungen. Robert hat nicht übertrieben."

Promille-Unterstützung

Gegen Mittag ließen Regen und Wind etwas nach. Dafür spielte sich die hervorragende G’stanzl-Band zur absoluten Höchstform. An so manchen Tischen wurde bereits mit leichter Promille-Unterstützung laut, falsch aber hochmotiviert gesungen.

Neben der gelebten Tradition musste sich der Biergarten im Prater auch mit neuen Vorschriften arrangieren. So brachte die unbeliebte Registrierkassen-Verordnung jedem Kellner einen kleinen Kassencomputer als Zusatzgewicht. Immerhin schleppt das Personal manchmal 20 Bier auf einem Tablett und legt in einer Schicht bis zu 20 Kilometer zurück. Chef Kolarik dazu: "Und billig war die Anschaffung auch nicht."