Chronik | Wien
16.01.2018

Demo auf Mariahilfer Straße: "50 Prozent Umsatzeinbußen"

Der Protest gegen die Regierung beschäftigt vor allem die lokalen Unternehmer.

Der Samstagnachmittag ist normalerweise ein beliebter Zeitpunkt, um über die Fußgängerzone der Mariahilfer Straße zu flanieren und Einkäufe zu erledigen. Nicht so am vergangenen Samstag. Denn bei der Demonstration gegen die neue Regierung nahmen weit mehr als 20.000 Menschen teil. Dadurch entstand am Christian-Broda-Platz vor dem Westbahnhof ein dichtes Gedränge, das sich in der Folge durch die Mariahilfer Straße zog. Für Passanten, Shopper und Anrainer war ab 14 Uhr kaum ein Durchkommen möglich.

Montagvormittag ein gänzlich anderes Bild: Die Massen sind verschwunden – nur Aufkleber und Konfetti auf der Straße blieben übrig. Zumindest fast. Denn die Ernüchterung bei den lokalen Unternehmern ist groß. "An diesem Samstag hatten wir Umsatzeinbußen von gut 50 Prozent. Stammkunden haben uns bereits im Vorfeld abgesagt, dass sie ihre bestellten Waren nicht am Samstag abholen werden", erzählt Max Sequard-Base, Filialleiter von PeakPerformance. Für den Unternehmer ist es unverständlich, warum man so eine Demo an einem Einkaufssamstag genehmigt: "Ich bin mir sicher, dass es sowohl einen besseren Zeitpunkt, als auch einen besseren Ort für so eine Demo gibt." Dem schließt sich auch Papierfachhändler Georg Mosler an: "Im Vergleich zu sonstigen Samstagen war es dieses Mal mehr als überschaubar."

Ähnlich sehen das auch viele andere Shop-Besitzer. Vom kleinen Taschenladen bis hin zum Modegeschäft waren die Meinungen gleich: "So eine Demonstration ist geschäftsschädigend." Bereits im Vorfeld wurde von der Wirtschaftskammer Wien die Häufigkeit der Demonstrationen in der Stadt kritisiert und neue Alternativrouten gefordert. Ein schwieriges Unterfangen, da die Routen dem jeweiligen Veranstalter obliegen, jedoch von der Polizei genehmigt werden müssen.

Absagen möglich?

Am Samstag wurde diese über die Mariahilfer Straße gewählt, da die Veranstalter auf den Treffpunkt am Christian-Broda-Platz beharrten. Denn sie wollten daran "erinnern, dass Christian Broda nicht nur Justizminister sondern auch Widerstandskämpfer war". Generell eignet sich die Fußgängerzone aber gut für Demonstrationszüge zum Heldenplatz.

Juristisch gesehen gibt es bei einer Häufung der Demonstrationen Möglichkeiten, diese zu verlegen. "Wenn eine wirtschaftliche Beeinträchtigung nachgewiesen werden kann, können unter bestimmten Umständen Demonstrationen abgesagt werden", heißt es von der Wiener Polizei auf KURIER-Anfrage. Dies müsse man sich jedoch in den Einzelfällen anschauen.

Laut Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien, werde man jetzt Gespräche mit den Verantwortlichen suchen: "Realpolitisch gesehen hat jeder Veranstalter einer Demonstration seine Heimat. Deshalb werden wir mit den Parteien und der Stadt in den Dialog treten, um eine Lösung zu finden."