Chronik | Wien
02.01.2018

Debatte um Böller vor Wiener Tierschutzheim

Das Feuerwerk, durch das Tiere verschreckt wurden, war laut Polizei legal. Der Wiener Tierschutzverein fordert nun eine Sperrzone rund um seine Anlagen.

Zwei Mal wurde die Polizei am Silvesterabend zum Heim des Wiener Tierschutzvereins (WTV) gerufen: Um 14.51 Uhr ging der erste Notruf ein, weil mutwillig Böller auf die Außenanlagen des WTV abgefeuert worden sein sollen. In einem der Gehege befand sich auch Mexx, ein Rüde der ob seiner traurigen Vergangenheit traumatisiert ist. Das monatelange Training sei durch die Böller-Aktion nun zunichte gemacht worden. "Das Tier ist immer noch panisch und vollkommen verstört", sagte WTV-Präsidentin Madleine Petrovic am Dienstag im KURIER-Gespräch. Als die Polizei am Silvesternachmittag zum WTV kam, seien laut Johann Baumschlager, Sprecher der niederösterreichischen Exekutive, aber keine Böller gefunden worden.

Der zweite Notruf ging um 23.40 Uhr bei der Polizei in Mödling ein – der Wiener Tierschutzverein befindet sich genau an der Landesgrenze zwischen Wien und Niederösterreich. Petrovic erklärte den Beamten am Telefon, dass sich "Hunderte Freizeit-Pyromanen rund um das Gelände des Tierheims versammelt haben, regelrechte Feuerwerksbatterien aufbauten, und aus allen Rohren gefeuert wird". Die zuständige Polizei hätte aber nichts unternommen, weil die Handlungen auf Wiener Stadtgebiet stattgefunden hätten.

"Stimmt nicht", entgegnet Baumschlager. Als die Beamten aus Vösendorf eingetroffen seien, soll sich kein einziger Mitarbeiter im Gebäude des Tierschutzvereins befunden haben – die waren laut Petrovic allesamt bei den Tieren im hinteren Teil des Gebäudes, also auf Wiener Stadtgebiet. "Es waren in der Nacht sechs Mitarbeiter und ich selbst da, um die Tiere zu beruhigen", sagt Petrovic. Böller seien dort legalEs ginge ihr nicht um Schuldzuweisungen an die Polizei, aber: "Es ist nicht vertretbar und auch illegal, dass direkt neben einem Tierheim Böller abgeschossen werden". Die niederösterreichische Polizei hat zwar einen mittleren bis starken Pyrotechnikeinsatz festgestellt – da sich das Gelände aber nicht im Stadtgebiet befindet, sei das Schießen legal gewesen.

Nun haben Petrovic und der Wiener FP-Tierschutzsprecher Udo Guggenbichler Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft erstattet. "Ich fordere besondere Anstrengungen, die herzlosen Täter ausfindig zu machen und streng zu bestrafen. Überdies brauchen wir auch eine verbindliche Lösung, um solche Anschläge in Zukunft zu verhindern", sagte Guggenbichler. Die Tierschützer fordern eine Sperrzone rund um das Tierheim für das nächste Jahr. "Die Gespräche mit dem BMI beginnen jetzt. Es muss eine Lösung gefunden werden", sagt Petrovic.