Chronik | Wien
28.03.2017

Datenschützerin als Favoritin für Polizei-Spitzenjob

Derzeit läuft ein Politpoker um den Posten des Wiener Polizei-Vizepräsidenten.

Mehr als ein Dutzend Bewerber gibt es aktuell für den Posten des Wiener Landespolizeipräsidenten - eine außergewöhnlich hohe Zahl, heißt es. Die notwendigen Fristen sind alle schon abgelaufen, längst könnte der Beschluss vom Zentralausschuss gefasst werden, wird dem KURIER aus gut informierten Kreisen bestätigt. Doch im Hintergrund läuft derzeit ein Politpoker um den Spitzenposten. Denn Jobs im Range eines Vizepräsidenten werden vom Innenminister in Absprache mit dem jeweiligen Landeshauptmann getroffen – in diesem Fall mit Bürgermeister Michael Häupl. Es geht als auch darum, ob es ein SPÖ-Ticket oder ein ÖVP-Ticket gibt.

Kardeis-Nachfolgerin

Im Pokerspiel hat Häupl dabei aktuell ein Trumpf im Ärmel, laut KURIER-Informationen will er Andrea Jelinek, die jetzige Leiterin der Datenschutzbehörde und frühere Chefin der Fremdenpolizei, auf den Spitzenposten befördern. Jelinek wird innerhalb der Polizei (auch aus VP-nahen Kreisen) viel gutes nachgesagt, außerdem hat sie als Frau gute Karten. Denn bisher saß auf dem Posten die nun ins Innenministerium gewechselte Michaela Kardeis. Somit wäre es ein positives Zeichen nach außen, wenn der Spitzenjob in weiblichen Händen bleiben würde. Sobotka hingegen möchte einen Juristen aus dem Innenministerium auf den Posten bringen.

Noch ist unklar, wer den finalen Show-Down um den Einfluss bei der Wiener Polizei gewinnen wird, das letzte Wort hat jedenfalls Sobotka. Politisch wäre beides möglich, denn Präsident Gerald Pürstl ist SP-nahe, sein anderer Vize Karl Mahrer VP-nahe. Die bisherige Amtsinhaberin Kardeis hatte zwar ein ÖVP-Ticket, allerdings ist es nun nicht mehr ausgeschlossen, dass dies wechseln könnte, um eine Frau in die Position zu bringen. Außerdem haben sich auch in Wien die Machtverhältnisse verändert.

Rund drei Jahre wird es jedenfalls dauern, bis der zweite Vizepräsident Karl Mahrer in den Ruhestand wechselt. Anderslautende Gerüchte dementierte er gegenüber dem KURIER zuletzt entschieden: "Ich bleibe sicher noch drei Jahre auf diesem Posten", betonte er erst vor einigen Wochen.