Chronik | Wien
10.10.2018

Das Kind wird Schulkind: Der erste Besuch im echten Leben

Selbsterfahrung. Valentins Vater akzeptierte beim ersten Schulbesuch, dass der große Bub noch klein sein darf.

Seit einiger Zeit grassiert in Valentin ein Fieber: „Ich bin jetzt Vorschulkind“, frohlockt er, die Brust geschwellt, das Federpennal in der Hand. Für den Vater ein Glück – und die Hoffnung aller Eltern, dass der Spross nächstes Jahr gerne zur Volksschule gehen wird. Gott erhalte die Motivation. Sie ist die beste Voraussetzung für den „Tag der Wiener Schulen“: Am Mittwoch konnte man alle öffentlichen und viele private Schulen der Stadt besichtigen. Stets gut besucht von Schulanfängern und -wechslern des nächsten Jahres.

Heuer auch von Valentin. Noch vor der Türe gönnt er seinem Vater ein fröhliches Selfie, aber mit dem Eintreten kommt der Respekt – vor dem fremden Ort, vor den Blicken der Schüler und Lehrer, die alle freundlich grüßen. Vielleicht auch vor dem echten Leben, das jetzt plötzlich greifbar wird. Der Sohn, immer neugierig und schon so selbstständig, wird wieder zum Kind, das Papas Nähe sucht.

Drachenmaskottchen

Daniela Hainka empfiehlt trotzdem, die künftige Schule gemeinsam mit dem Kind anzuschauen. Die Direktorin der Ganztagsvolksschule in der Irenäusgasse in Wien 21 gewinnt Valentins Vertrauen mit dem Schulmaskottchen, einem raumhohen Drachentier aus Pappe. „Die Kinder schauen auf andere Dinge und merken schnell, ob sie sich hier wohlfühlen. Das ist in einer Ganztagsvolksschule besonders wichtig.“ Sie zeigt Valentin ein Klassenzimmer, in dem die Kinder basteln können (er bleibt beharrlich bei Papa), während den 13 Eltern im Foyer Informationen von „Wasserschule“ bis „Umgang mit dem Internet“ gegeben werden. Zum Schluss führt die 4A den „Cupsong“ vor. Tatsächlich strahlt hier jedes Gesicht Freude und Herzlichkeit aus (Valentin applaudiert der 4A). Besonders die Gesichter der Schüler, die Gruppen durch das Schulhaus führen. In unserer Gruppe sind zwei Kindergartenfreunde von Valentin, die Dämme brechen, man sollte sich für die Offene-Tür-Tage verabreden!

Direktorin Hainka lässt Kindergartenfreunde auch gerne zusammen in einer Klasse – fast immer: „Ich frage immer beim Kindergarten nach. Wenn der empfiehlt, bestimmte Kinder zu trennen, folge ich dem. Die haben viel Erfahrung.“ Valentin steckt mit seinen Freunden derweil schon im Stress zwischen Mikroskop-Station (er nennt es „Stethoskop“), Steinzeit-Memory und Werksaal-Staunen. Hainka: „Erwachsene schauen oft nur auf das Zusatzangebot. Für Kinder

ist aber wichtig, auch einmal nichts zu tun, zu spielen, ein Buch zu lesen.“

Wie zur Bestätigung verliert sich Valentins Blick gerade im hinteren Bereich eines Klassenzimmers – beim Spieleteppich und der Kuschelecke. Der große Bub freut sich.