Chronik | Wien
21.12.2011

Chefinspektor: "Dachte, mein Leben ist vorbei"

Einst jagte er als Chefinspektor Wiens Rotlicht-Größen, nun spricht er vor Gericht über Todesängste und Wucherzinsen.

Ich dachte nur mehr: In zwei Sekunden kann mein Leben vorbei sein", sagt Franz Pfripfl am Mittwoch im Wiener Landesgericht – und beginnt zu weinen. "Ich war komplett gebrochen", schluchzt er. Sogar Fotos von sich nach dem "Überfall" hat er einstecken, um seine Qualen zu verdeutlichen. Der einstige Chefermittler im Rotlichtmilieu weiß wie man vor Gericht Eindruck macht.

Denn die Vorgeschichte von jenem 5. Mai, an dem Pfripfl einen "Köpfler durch die geschlossene Verandatür" gemacht hat, ist auch am vierten Prozesstag nicht so ganz zu durchschauen. Richter Christian Böhm hinterfragt Pripfls Version mehrfach. Fakt ist, dass er Olga K., 51, Geld geborgt und immer wieder neues nachgeschossen hat. Die Rede ist von bis zu 100.000 Euro. Die Frage des Gerichts, warum ein langjähriger Polizist nicht durchschaut habe, dass dabei sehr viel auf einen möglichen Betrug hingedeutet hat, kann der Chefinspektor nicht wirklich beantworten. Er wurde unzählige Male vertröstet, schoss wieder Geld nach und wurde erneut vertröstet. Allein eine Stunde lang schilderte Pfripfl diese Vorgänge. So detailreich, dass selbst Richter Böhm die Contenance verliert.

17 Prozent Zinsen? K. und ihr Freund Peter H., 33, behaupten jedenfalls, dass der derzeit suspendierte Polizist mit "200 Tschetschenen und Unterweltgröße Rocky" gedroht sowie 17 Prozent Wucherzinsen verlangt habe (was Pfripfl bestreitet). Im Mai kam es dann jedenfalls zum Showdown in Olga K.’s Wohnung in der Donaustadt. Als Pripfl und K. Details besprachen, stürmten plötzlich vier maskierte Männer herein und bedrohten den ehemaligen Rotlicht-Ermittler mit einer nachgebauten Kalaschnikov. Anschließend bekam er ein Abreibung, meint die Verteidigung. Pfripfl hingegen "hatte panische Angst vor dem Ersticken, weil sie mir ein Handtuch in den Mund gesteckt haben."

Der sachverständige Arzt spricht von 16 Tagen ernsthaften Schmerzen. Das geplante Urteil für Olga K. und Peter H. gab es noch nicht, es wurde auf Jänner vertagt.