APA10703696 - 18122012 - WIEN - ÖSTERREICH: In einem U-Bahn-Waggon der U6 ist eine 23-jährige Frau am Montag kurz nach 18.00 Uhr vergewaltigt worden. Erst als Fahrgäste zustiegen, ließ der Mann von seinem Opfer ab. Im Bild: Eine leer Garnitur der Linie U6 am Dienstag, 18. Dezember 2012. APA-FOTO: GEORG HOCHMUTH

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Vergewaltigung in U6
12/19/2012

Kameras sollen alle U-Bahnen überwachen

Flüchtiger gefasst, die Wiener Linien bauen Videoüberwachung in U-Bahn aus.

Weit kam er nicht. Andreas Rene T., 25, der am Montag in einer Wiener U-Bahn-Garnitur der U6 eine 23-Jährige vergewaltigt haben soll, wurde am Dienstag kurz vor Mitternacht in Graz festgenommen. Ein Zeuge (siehe unten) hatte den Verdächtigen in einer Straßenbahn wiedererkannt.

Der Fall sorgte für Empörung: Wie kann es sein, dass während der Rushhour in einer U-Bahn-Garnitur ein solcher Übergriff stattfindet (siehe Bericht). Gestern waren die Wiener Linien und die Wiener Polizei bemüht, das Bild der Öffis zurecht zu rücken. Denn: Unbeobachtet war der Verdächtige nicht. Mehrere von insgesamt 4000 Kameras in den U-Bahnen und Stationen filmten mit. Die Wiener Linien planen nun, die Videoüberwachung weiter auszubauen.

Für Johann Golob von der Wiener Polizei ist die Wiener U-Bahn eines der weltweit sichersten Verkehrsmittel: „Wer im Bereich der U-Bahn ein Delikt begeht, muss mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der Ausforschung rechnen.“ Das betont auch Answer Lang von den Wiener Linien: Die Kameraüberwachung wirke präventiv und trage zur raschen Aufklärung von Delikten bei.

Im konkreten Fall dauerte es nur 30 Minuten, bis den Beamten das Bildmaterial übermittelt wurde. Bereits vorhanden ist auch der sogenannte „schnelle Meldeweg“ der U-Bahnbediensteten. Wenn sie etwas beobachten, können sie direkt die Polizei rufen.

Aufrüsten

In enger Abstimmung mit der Datenschutzkommission will der Öffi-Betrieb nun seine Überwachung weiter aufrüsten. Derzeit sind drei Viertel der 110 Züge videoüberwacht. „Der Rest soll so rasch wie möglich folgen“, erklärt Lang. Aktuell gibt es in den Züge ungefähr 2500 Kameras, rund 1500 hängen in den Stationen. Auch in einigen Straßenbahnen sieht Big Brother bereits mit. Kritik an der Überwachung sei selten, sagt Lang: „Wir halten alle rechtlichen Vorgaben ein.“ Aufnahmen dürfen nur für 48 Stunden gespeichert werden. In den meisten Fällen werden Bilder für Vergehen angefordert, die außerhalb der Öffis stattfanden. Zuletzt etwa von Juwelenräubern.

Bei den ÖBB ist keine Ausweitung angedacht. „Nahezu alle Nahverkehrszüge sind mit Notsprechstellen ausgestattet. Einige auch mit Videoüberwachung. Im Fernverkehr fahren wir mit Zugbegleitern“, sagt Sprecher Herbert Ofner.

Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnet Golob die Video-Ausstattung der Wiener Öffis. Das gestochen scharfe Fahndungsbild des Verdächtigen stammt aus einer Waggon-Kamera. Dadurch, so Golob, habe man sofort erkannt, dass der Mann aus dem Obdachlosenmilieu stammen müsse. In einer Unterkunft konnte jemand den 25-Jährigen identifizieren.

Doch auch die Technik hat Grenzen: Nur die Kameras in den Stationen können der Stationsaufsicht – nach Betätigung des Notrufs – Live-Bilder liefern. In den Zügen wird zwar permanent gefilmt, jedoch ist eine Übertragung in Echtzeit nicht möglich.

Die Exekutive ist in den Öffis besonders umtriebig. Seit dem Jahr 2006 gibt es U-Bahnstreifen. Seitdem gab es 20.000 Anzeigen. 9000 Personen wurden wegen verschiedener Delikte festgenommen. Seit 1. November ist auch die 110 Beamte umfassende Bereitschaftspolizei in den Öffis unterwegs. Seit Dienstantritt haben sie 4457 Personen kontrolliert.

Das 23-jährige Opfer verließ gestern das Spital. Der Verdächtige sollte im Laufe des Tages überstellt werden. Erst dann soll er einvernommen werden.

„Ich war mir ziemlich sicher, dass er es ist“

„Der Vorfall hat mich geschockt. Vermutlich hab’ ich mir deshalb das Bild gemerkt.“ Am Dienstagvormittag sah Peter Teufel, 29, auf einer Website das Fahndungsbild des mutmaßlichen Vergewaltigers Andreas Rene T. Kurz vor Mitternacht schlenderte er am Dienstag in Graz in einer Straßenbahn der Linie 13 direkt an dem Tatverdächtigen vorbei.

Dem Grazer fiel der verwahrloste Mann schon im Vorbeigehen auf. „Ich war mir ziemlich sicher, dass er es ist.“ Er saß einige Sitzreihen hinter ihm. Auf den 29-Jährigen wirkte T. „unruhig“. Er hat oft aus dem Fenster geschaut“.

Teufel hat ein geschultes Auge für Bilder. Er arbeitet für eine Fotoagentur. Der Grazer stieg aus, eilte nach Hause und sah sich nochmals das Fahndungsbild an. „Ich hab’ dann die Personenbeschreibung gelesen und war mir dann sicher.“ 15 Minuten nach seiner Begegnung mit dem Mann wählte er den Polizei-Notruf.

„Ich glaube, dass ich den Vergewaltiger von Wien gesehen habe“, erklärte er am Telefon. Kurz darauf nahmen Polizisten T. am Jakominiplatz fest. Von der Festnahme erfuhr Teufel anschließend, als er seine Aussage machte.