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Chronik Wien
08/31/2021

Bombenexplosion in Wien: "Mir war klar, der ist gefährlich"

Ein offenbar psychisch kranker Mann baute in seinem Haus einen Sprengsatz. Außerdem soll der Mann einen Nachbarn mit einer Pistole bedroht haben.

von Markus Strohmayer

Gleich zweimal krachte es in der Nacht von Sonntag auf Montag in der Hanns-Reimann-Gasse in der Donaustadt. Einmal, weil eine selbst gebastelte Bombe in die Luft ging, beim zweiten Mal, weil der mutmaßliche Bombenbauer einen Pflasterstein gegen die Tür eines Nachbarn geworfen haben soll.

Laut Polizei hat es sich um eine selbst gebaute Rohrbombe gehandelt. Der 46-jährige mutmaßliche Bastler, er wohnt in dem Einfamilienhaus mit seiner Mutter, verletzte sich an der Hand und soll noch selbst die Rettung gerufen haben. Die Sanitäter verständigten schließlich gegen 4 Uhr Früh die Polizei.

Interessant ist aber auch, was vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte passiert sein soll: So berichtet ein Nachbar, der 46-Jährige sei plötzlich blutverschmiert - wohl nach der Explosion - vor seinem Haus gestanden und hätte einen Pflasterstein gegen seine Tür geworfen. Auch eine Morddrohung wäre gefallen.

Als der Nachbar, der aufgrund früherer Vorfälle Angst hat und daher anonym bleiben möchte, nach seiner Frau schrie, damit diese die Polizei verständige, sei der Verdächtige zurück in sein Haus. Dort habe er dann mit einer Schusswaffe hantiert. "Er hat eine Pistole auf mich gerichtet. Ich bin dann sofort weg vom Fenster." Momente später waren dann bereits Beamte des Stadtpolizeikommandos Donaustadt, die Sondereinheiten Wega und Cobra, sowie Sprengstoffexperten der Wiener Polizei vor Ort.

Die kleine Gasse beim Großenzersdorfer Arm wurde großräumig abgesperrt. Der Verdächtige, der sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben dürfte, hatte sich mittlerweile in dem großen, etwas deplatziert wirkenden Haus verschanzt. Die Verhandlungsgruppe des Wiener Landeskriminalamtes redete in Folge fast fünf Stunden auf den 46-Jährigen ein, ehe er freiwillig das Haus verließ und festgenommen wurde. Auch ein zweiter Mann soll in dem Haus gewesen sein, Zeugen zufolge könnte es sich um einen Betreuer des psychisch kranken 46-Jährigen handeln. 

Polizei fand weiteres explosives Material

Für die Anrainer ist die Festnahme eine Erleichterung, auch weil die Polizei in dem Haus mehrere vermutlich selbst hergestellte Sprengmittel und pyrotechnisches Material fand. "Er hat mich schon öfter beschimpft und war aggressiv. Meine Frau hat Angst vor ihm. Mir war klar, der ist gefährlich. Ich hoffe, er wird jetzt weggesperrt", sagt der Nachbar, der angeblich bedroht wurde. Andere Bewohner erzählen Ähnliches. Die Mutter habe vor etwa fünf Jahren das Grundstück in der kleinen Gasse gekauft und sei dann vor drei Jahren mit ihrem Sohn eingezogen. Seitdem habe es laufend Probleme gegeben.

Die Nachbarn erzählen von wiederholter Ruhestörung, Prostitution und Drogenmissbrauch und sogar von einem Polizeieinsatz wegen einer Schusswaffe. "Ich wollte vor einigen Wochen in die Arbeit fahren und konnte nicht durch, weil so viel Polizei da war", erzählt der 19-Jährige Niklas R. Davor soll es einen Streit gegeben haben, bei dem der angebliche Bombenbauer aus dem Fenster im zweiten Stock fiel.

Mutter: "Böse Gerüchte"

Die Wiener Polizei will all das nicht bestätigen. Die Mutter des Beschuldigten spricht von "bösen Gerüchten". "Mein Sohn ist psychisch krank, was da passiert ist, ist schrecklich. Er eckt aufgrund seiner Krankheit immer wieder an, würde aber nie jemandem etwas tun." Bei der angeblichen Bombe handle es sich um Feuerwerkskörper.

Dass laut Exekutive auch Wasserstoff oder Peroxide gefunden wurden, erklärt die Frau damit, dass man in einem großen Haus eben viel finde. Etwa zum Putzen. Seitens Polizei ist jedenfalls die Rede von einer Rohrbombe, was er damit wollte ist derzeit noch völlig unklar. Gegen den Mann wird nun wegen vorsätzlicher Gefährdung ermittelt. Er wird aktuell im Spital von der Polizei bewacht, die Untersuchungshaft wurde bereits verhängt. 

"Hier war es immer so ruhig, bis diese Familie hergezogen ist", meint Werner Cihlar, der seit 1968 mit seiner Frau in der Siedlung in Essling wohnt. "Wir wachen jede dritte Nacht wegen Lärms auf. Von Sonntag auf Montag hat meine Frau noch rübergeschrien, weil es so laut war. Vielleicht ist jetzt eine Ruhe", hofft der Pensionist.

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