Ernst Hrabalek glaubt an den Erfolg seines "Hutschn Bräu".

© Ichner Bernhard

Reportage
04/16/2020

Böhmischer Prater: Schausteller hadern und planen

Im historischen Vergnügungspark kämpft ein Teil der Attraktionen ums Überleben. Parallel entstehen neue - etwa ein Biergarten.

von Bernhard Ichner

Normalerweise ist der Böhmische Prater unter der Woche wie ausgestorben – auch ohne Corona. Dagegen ist zurzeit vergleichsweise viel los: Jogger und Spaziergänger lockt das schöne Wetter in den historischen kleinen Vergnügungspark am Laaer Berg. Sie schätzen die Stille – die nur hie und da von Werkzeuggeräuschen unterbrochen wird – und das friedliche Ambiente im Grünen.

Für die Handvoll Schausteller ist die Zwangspause dagegen alles andere als beruhigend. Aufgeben wollen sie jedoch nicht. Im Gegeteil: Hinter den Kulissen entstehen bereits neue Attraktionen.

Kein Lottogewinn

Manchen der Unternehmer macht die Krise mehr zu schaffen als anderen. „Normalerweise hilft uns gerade das Frühjahr, über die Runden zu kommen, bevor uns wegen der Sommerhitze die Leute wegbleiben“, sagt etwa Riesenrad-Betreiber Franz Reinhardt, der seinen einzigen Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt hat. Und so einen schönen April habe man überhaupt noch nie erlebt. „Der wäre eigentlich ein Lottogewinn gewesen. Stattdessen haben wir jetzt ein Defizit.“

Über keine Einnahmen auf der einen und laufende Kosten für Kreditrückzahlungen und Pacht auf der anderen Seite klagt auch Schausteller und Tivoli-Betreiber Michael Riedl. Weil man keine Mittel aus dem Härtefallfonds der Regierung bekomme, habe man nun einen Überbrückungskredit beantragt, sagt er. Doch wenn sich nicht bald was ändere, werde man eine etwaige Freigabe für Groß- bzw. Freiluftveranstaltungen im September wirtschaftlich nicht mehr erleben.

"Nur jede zweite Gondel besetzen"

Untätig sei man natürlich trotzdem nicht, betont Riedl. So biete man über die „Süße Tram“ etwa Schokofrüchte, Langos und Heliumballone auf Vorbestellung an. „Die Leute finden es super, dass wir das machen. Viel Gewinn schaut aber nicht heraus.“

Dass man auch in Krisenzeiten den Prater öffnen könne, bezweifeln weder Reinhardt noch Riedl. Die Fahrgeschäfte wären ja groß genug. „Im Riesenrad könnte man nur jede zweite Gondel besetzen“, überlegt Reinhardt.

Hutschn Bräu

Von der Krise unbeeindruckt zeigt sich dagegen Ernst Hrabalek, der vis-a-vis des nach ihm benannten Park Hrabalek (zu dem Wiens ältestes Holzkarussell, ein 5-D-Kino und eine Geisterbahn gehören) einen großen Biergarten errichtet. Als Chef einer Gießerei kann er sich die Investition von bis dato zwei Millionen Euro leisten.

Die Wirtshausbrauerei namens „Hutschn Bräu“ mit 450 Sitzplätzen im Garten und noch einmal 200 im ehemaligen Spenglerwirt nimmt zunehmend Gestalt an. Die Brauanlage aus dem Hause Welledits ist bereits installiert. Und bis September hofft Hrabalek auf die Fertigstellung – samt „neuem Karussell (Baujahr 1903), Kinder-Laserlabyrinth und Bühne. Auf der wird dann unter anderem Ex-Kinderstar Kurti Elsasser auftreten, der für Hrabalek die Schunkelhymne „Dreh dich Ringelspiel“ aufgenommen hat.

Optisch soll das Hutschn Bräu an das „alte Wien um 1900“ erinnern, sagt Hrabalek – der fest an den Erfolg glaubt: „Nächstes Jahr ist der Biergarten voll. Das wird ein zweites Schweizerhaus.“

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