Beschäftigung ab 50: Ludwig kritisiert ÖVP-FPÖ-Entscheidung

Ein älterer Mann erklärt einem jüngeren Mann in einer Werkstatt die Holzbearbeitung an einer Werkbank.
Ludwig kritisiert nach neuer Studie, dass im Bund unter dem damaligen Kanzler Sebastian Kurz die "Aktion 20.000" abgedreht wurde.

2017 wurde die „Aktion 20.000“, eine Initiative, um ältere Menschen bei der Jobsuche zu unterstützen, im Bund eingeführt, nach nur wenigen Monaten wurde sie wieder gestoppt. Sie ist aber mehr als nur eine politische Fußnote, denn jetzt sorgt sie wieder für Gesprächsstoff in Wien. 

„Dass die vielversprechende Initiative von der ÖVP-FPÖ-Regierung viel zu früh abgedreht wurde, war ein schwerer Fehler“, sagt Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ).

Damit stützt er sich auf eine neue Studie der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), die einen Tag vor Weihnachten publiziert wurde und weitgehend unbeachtet blieb. Diese bescheinigt der „Aktion 20.000“ einen großen Erfolg. Das Ziel des Programms war, älteren Langzeitarbeitslosen ab 50 Jahren eine staatlich garantierte, vollständig geförderte Beschäftigung von bis zu zwei Jahren zu ermöglichen. 3.800 Personen nahmen daran teil. 

Laut Studie sei nicht nur während der Programmlaufzeit die Beschäftigung stark gestiegen, sondern auch die Entwicklung danach sei als positiv zu bewerten. Zwei Jahre nach Ende der maximalen Förderphase seien ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer um rund 43 Prozent häufiger in regulären, nicht-subventionierten Beschäftigungen als vergleichbare Personen knapp unterhalb der Altersgrenze.

Kosten kompensiert

Auch ein Kosten-Nutzenvergleich wird von den internationalen Studienautoren rund um Professor Martin Halla von der WU angestellt. Demnach wurden innerhalb der ersten vier Jahre nach Programmstart rund 68 Prozent der direkten Programmkosten kompensiert – durch zusätzliche Beschäftigungen sowie höhere Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge. Da das durchschnittliche Eintrittsalter 54,6 Jahre betrage, sei ein vollständiger fiskalischer Ausgleich wahrscheinlich.

„Jobgarantie-Programme können funktionieren, wenn sie gut umgesetzt sind, ausreichend lange dauern und echten Zugang zum regulären Arbeitsmarkt ermöglichen“, resümiert Halla. „Die Erkenntnisse sind sowohl für Österreich als auch für die internationale Debatte über Jobgarantien und aktive Arbeitsmarktpolitik von Bedeutung“.

Was hat das aber mit dem Wiener Bürgermeister zu tun? Dass Ludwig die Ergebnisse nun kommentiert, liegt zum einen daran, dass es der eigenen politischen Erzählung gegen eine ÖVP-FPÖ-Koalition dienlich ist: Eingeführt wurde die „Aktion 20.000“ von Rot-Schwarz unter SPÖ-Kanzler Christian Kern, abgedreht wurde sie von Türkis-Blau unter ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz.

Eigene Förderung der Stadt

Zudem sieht Ludwig „den Kurs bestätigt, den ich in Wien eingeschlagen habe“. Die Stadt Wien hat gemeinsam mit dem AMS nach dem Ende des bundesweiten Programms eine eigene Initiative auf den Weg gebracht: die „Joboffensive 50plus“. Unternehmen, die langzeitbeschäftigungslose Wienerinnen und Wiener über 50 Jahre einstellen, werden gefördert.

Mit Erfolg, heißt es von der Stadt Wien. Bis 2025 hätten rund 2.300 arbeitslose über 50-Jährige wieder einen Job gefunden. 87 Prozent der Personen, die über die „Joboffensive 50plus“ wieder einen Job gefunden hätten, seien ein Jahr danach noch immer beschäftigt. In einer Kontrollgruppe ohne „Joboffensive 50plus“ seien hingegen nur 22 Prozent beschäftigt. Es sei also ein „effektives Mittel gegen die Diskriminierung von über 50-Jährigen am Arbeitsmarkt“, so Ludwig.

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