Chronik | Wien
01.12.2017

Bande soll Friseur und Arzt erpresst haben

Acht Tschetschenen sind als Schutzgeld-Erpresser angeklagt, sie wollen sich nur ihre Bärte schneiden haben lassen

Im Wiener Landesgericht hat am Freitag der mehrtägige Prozess gegen acht Tschetschenen begonnen, die eine auf Schutzgeld-Erpressung ausgerichtete Bande gebildet haben sollen. Die Verhandlung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zuhörer wurden penibel kontrolliert. Im Gerichtssaal bezogen Wega-Beamte mit einsatzbereiten Schusswaffen Stellung.

Die Anklage legt den Männern im Alter zwischen 27 und 40 Jahren zur Last, einen Friseur in Floridsdorf zum Zahlen von Schutzgeld gezwungen zu haben. Von einem Arzt sollen sie das Einstellen seines illegalen Medikamenten-Vertriebs und darüber hinaus 50.000 Euro verlangt haben.

Die Tschetschenen wiesen die Vorwürfe zurück. Was den Friseur betrifft, hätten sie sich bei diesem die Haare und ihre Bärte schneiden lassen und ihm ihre Hilfe angeboten, als sie erfuhren, dass er Probleme mit anderen Tschetschenen hatte.

Ominöses Treffen

Hinsichtlich des Arztes hätten sie mitbekommen, dass bei diesem ohne medizinische Indikation Rezepte für abhängig machende Mittel zu bekommen waren. Junge Tschetschenen hätten das genutzt, was die Angeklagten angeblich unterbinden wollten. Die Zerschlagung der mutmaßlichen Bande hing mit einem ominösen Treffen am 3. März auf der Donauinsel zusammen. Laut Bundeskriminalamt sollten dort Territorien aufgeteilt werden. Etliche Männer, die teilweise bewaffnet erschienen waren, wurden festgenommen.

Den Angeklagten wird auch ein Brandanschlag auf eine Pizzeria in Hollabrunn im heurigen Frühjahr zugeschrieben. Um die Versicherungssumme in Höhe von 250.000 Euro zu kassieren, sollen sie eine Explosion herbeigeführt haben. Dazu sind die Ermittlungen noch im Laufen.