Simmering: Bezirksvorsteher übt scharfe Kritik an „Auszeit“-WG
Bezirksvorsteher Thomas Steinhart (SPÖ)
Kaum hat die „Auszeit“-WG ihre bruchsicheren Türen für jugendliche Intensivtäter geöffnet, hagelt es erneut Kritik. Diesmal direkt aus Simmering – dem Bezirk, in dem die sozialpädagogische Einrichtung untergebracht ist.
„Als Bezirksvorsteher erwarte ich mir, dass ich als gewählter Interessensvertreter über die Geschehnisse im Bezirk im Vorfeld in Kenntnis gesetzt werde“, kritisiert Thomas Steinhart die Vorgehensweise des gesamten Prozesses rund um die „Auszeit-WG“.
Er sei erneut vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „Mich am Vorabend der ersten Pressekonferenz zur offiziellen Vorstellung des Pilotprojektes 'Auszeit-WG' zu informieren, ist für mich ein klares Zeichen dafür, dass Protest zu Recht erwartet wird.“ Man habe seitens des Bezirks auch wegen eines offiziellen Sicherheitskonzeptes angefragt, ein solches aber nie erhalten. Auf Anfrage habe man auf bruchsichere Fenster und Türen verwiesen, allerdings ohne näher auf den Stufenplan und weitere Sicherheitsvorkehrungen im Falle von Regelverstößen einzugehen.
Simmering durch Jugendgefängnis gefordert
Steinhart betonte, dass Simmering durch die Jugendvollzugsanstalt ohnehin bereits „vor Herausforderungen“ gestellt werde. „Wenn wir permanent für neue Einrichtungen herhalten müssen, ist eine Aufstockung des Polizeipersonals zwingend notwendig“, fordert der Bezirkschef bereits seit Jahren.
In der Zwischenzeit wurden weitere Details aus dem Sicherheitskonzept bekannt, wie die APA berichtete. So arbeitet ein Securitymann in der Einrichtung, der gerade die Ausbildung zum Sozialpädagogen absolviert. Auch ein Alarmsystem wurde in dem Gebäude eingebaut.
„Außenwelt durch laute Signale aufmerksam machen“
Das System, „das die Außenwelt im Anlassfall durch laute Signale aufmerksam macht“, sei auf Anraten der Polizei implementiert worden, hieß es von einem Sprecher der zuständigen Stadträtin Bettina Emmerling (Neos). In Notfällen könnten die Betreuerinnen und Betreuer die Scheibe des Alarmsystems einschlagen.
„Das Alarmsystem dient ausschließlich dem Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und kommt nur als letzte Maßnahme in absoluten Notfällen zum Einsatz“, wurde erklärt. Da sich immer mindestens zwei Mitglieder des Teams gleichzeitig in der Einrichtung befänden, handle es sich um „eine reine Notfalllösung“.
Schulungen in Selbstverteidigung
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden speziell auf Festhalte- und Selbstverteidigungstechniken geschult. Der für die Betreuung zuständige Verein geht in seinem Konzept davon aus, „dass es vor allem am Beginn des Aufenthalts zu stärkeren Widerständen kommt und Mitarbeit verweigert wird“. In der Einrichtung seien rund um die Uhr mindestens zwei Teammitglieder im Dienst.
Nicht erlaubt sind digitale Medien in der WG. Der 13-jährige Bursche, der letzte Woche einzog, musste sein Handy abgeben. Er hat nun nur ein Mobiltelefon mit den Nummern seiner Eltern und der Kinder- und Jugendanwaltschaft zur Verfügung.
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