Aus für Wiens Holding-Chef Kurt Gollowitzer mit Ende Jänner besiegelt
Als Barbara Novak (SPÖ) nach der Wahl im Sommer das Amt der Wiener Wirtschaftsstadträtin übernahm, war klar: Die Tage von Wien-Holding-Chef Kurt Gollowitzer sind wohl gezählt. Novak war mit dem (freilich nur hinter vorgehaltener Hand kommunizierten) Auftrag angetreten, im stadteigenen Mega-Konzern Wien Holding aufzuräumen.
Ende Dezember verkündete der KURIER exklusiv, dass der Top-Manager seinen Posten räumen muss. Bis zuletzt schwiegen alle Beteiligten – jetzt ist es offiziell: Gollowitzer gibt seinen Posten mit Ende Jänner vorzeitig ab. Das verkündeten Novak und Gollowitzer in einer gemeinsamen Presseaussendung.
Schon im Dezember war klar, dass man nach einer gütlichen Lösung suchte. Dies dürfte geglückt sein: Man habe die „einvernehmliche Auflösung des Dienstverhältnisses“ vereinbart, heißt es in der Aussendung.
„Nach mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreicher Tätigkeit für den Konzern in verschiedenen Funktionen habe ich im Einvernehmen mit der Stadt Wien vereinbart, beruflich neue Wege zu gehen“, wird Gollowitzer zitiert.
Finanzstadträtin Barbara Novak, SPÖ.
Barbara Novak streut dem Scheidenden Rosen: „Ich habe ihn als engagierten Geschäftsführer kennengelernt, der mit vollem Herzen für die Daseinsvorsorge der Wienerinnen und Wiener gearbeitet hat“, sagt sie.
Ärger mit Großprojekten
Hinter den Kulissen war das Verhältnis zwischen den beiden eher von Misstrauen geprägt. Schon mit der personellen Neuaufstellung an der Spitze der Wiener Stadthalle, die Novak im Herbst auf den Weg brachte, griff sie massiv in das Machtgefüge der Wien Holding ein. Novak schritt bei der Stadthalle dem Vernehmen nach ein, weil sie befürchtete, die Führungsriege habe das Mega-Event Song Contest organisatorisch nicht im Griff.
Kurt Gollowitzer im Theater an der Wien.
Generell sind es die Großprojekte, an denen die Holding zuletzt immer wieder scheiterte. Dass der ESC überhaupt in der alten Stadthalle stattfindet, liegt nur daran, dass sich der Bau der Eventarena im 3. Bezirk schon seit Jahren verzögert. (Ähnliche Niederlagen erlitt man beim Fernbusterminal.) Kurz vor dem Jahreswechsel soll es im Streit um die Arena dann letztlich auch zum entscheidenden Bruch zwischen Politik und Holding-Chef gekommen sein. Nach einer verhängnisvollen Sitzung wurde sein Abschied in die Wege geleitet.
Stribl übernimmt
Jetzt muss die Stadt einen Nachfolger oder (eher) eine Nachfolgerin für Gollowitzer suchen. Der Posten wird in den nächsten Tagen öffentlich ausgeschrieben, ließ Novak verkünden. Oliver Stribl, der bisher mit Gollowitzer die Holding-Doppelspitze bildete, wird bis auf Weiteres alle Geschäftsbereiche verantworten. Wie berichtet, kursieren bereits erste Namen für die Nachfolge: Die Juristin Karin Ramser, die seit 2017 als Direktorin von Wiener Wohnen fungiert, hat gute Kontakte zu Novak und gilt als qualifiziert für den Job.
Karin Ramser hat gute Chancen auf Gollowitzer-Nachfolge.
Wie es für den 53-jährigen Gollowitzer weitergeht, ist unterdessen noch unklar. Er stieg in der Wien Holding im Windschatten von Peter Hanke (SPÖ) auf. Gollowitzer werkte als Stadthallen-Chef, während Hanke die Holding leitete. Als Hanke den Posten des Wirtschaftsstadtrats übernahm, kam Gollowitzer an die Spitze der Holding.
Rund 75 Unternehmen sind in den Geschäftsfeldern „Immobilienmanagement“, „Kultur, Veranstaltungsmanagement und Sport“, „Logistik und Mobilität“ und „Digital, International und Services“ tätig, die Holding gehört der Stadt Wien.
3.517 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mit Stichtag 30.6.2025 bei der Wien Holding beschäftigt.
Zu den Unternehmen zählen etwa der Hafen Wien, die Stadthalle, Wien Messe, das Kunsthaus, die Vereinigten Bühnen, die Therme Wien, das Jüdische Museum, Wien Ticket, Gesiba.
Gerüchten zufolge könnte es bald eine neuerliche Zusammenarbeit der beiden geben: Wie man hört, könnte er sich bei der „ASFINAG Maut Service GmbH“ beworben haben. Dort war seit Ende des Vorjahres die Stelle des kaufmännischen Geschäftsführers vakant. Die Bewerbungsfrist lief ausgerechnet bis 15. Jänner.
Auch über eine Rückkehr in seine Heimat, das Burgenland, wurde spekuliert. Er soll versucht haben, bei der Holding des Landes anzudocken. Gescheitert sein soll der Wechsel unter anderem an Gollowitzers Nebenjob. Er fungiert als Präsident der Wiener Austria – Landeschef Hans Peter Doskozil ist Rapid-Fan.
Kommentare