Chronik | Wien
11.03.2014

Attacke auf Touristen in der Mahü

Ausländer werden Opfer ihrer Navis und Angriffsziel selbst ernannter Ordnungshüter.

Mehr als ein halbes Jahr hatten die Autofahrer Zeit, sich an die Fahrverbote in der Mariahilfer Straße zu gewöhnen. Die Polizei spricht auch von einer "erkennbaren Normalisierung" der Situation. Nicht gilt das aber für viele ausländische Touristen, die von ihren Navigationsgeräten ins Fahrverbot gelotst werden. Und die leben scheinbar nach dem knappen Abstimmungsergebnis für die Fußgängerzone gefährlich. Am Montag kam es zu einem gewalttätigen Angriff eines selbst ernannten Mahü-Aktivisten gegen zwei verirrte Fahrzeuge aus Tschechien und der Ukraine.

Den Besuch in Wien haben sich vier junge tschechische Touristen anders vorgestellt. Sie rollten am Montagnachmittag im Schritttempo sichtlich verunsichert durch die Fußgängerzone. Obwohl sie das Navi dort hingelotst hatte, war ihnen klar, dass etwas nicht stimmen kann. Sie waren das einzige Fahrzeug auf der Straße. Plötzlich stürzte sich ein Passant auf den Pkw, trommelte mit den Fäusten auf die Motorhaube und beschimpfte die Insassen als "Mörder". Sie würden "Kinder auf Zebrastreifen umbringen". Menschen sammelten sich an, der Fahrzeuglenker untersuchte die – durch den selbst ernannten "Mahü-Sheriff" – angerichteten Schäden. Es entstand ein Tumult, der in eine Schlägerei auszuufern drohte.

Gefahrenzone

In der Nähe befindlichen Securitys gelang es, den Tobenden zu besänftigen – aber nur bis zu dem Moment, als auch ein irregeleiteter Kleinbus aus der Ukraine daher kam. Sowohl die tschechischen als auch die ukrainischen Touristen verbarrikadierten sich in ihren Fahrzeugen. Die Lenker setzten im Schritttempo zur nächsten Kreuzung zurück, um aus der Fußgängerzone zu kommen – die für sie längst zur Gefahrenzone verkommen war. Verfolgt wurden sie vom "Mahü-Sheriff", der per Handy nach der Polizei rief. Als die Beamten eintrafen, hatten sich die Streitparteien entfernt – zum Glück des Angreifers, denn zumindest der tschechische Lenker hätte eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Nötigung erstatten können.

Das Problem fehlgeleiteter Autos wird vermutlich erst aus der Welt sein, wenn die neue Verkehrssituation von allen Navis erfasst ist. Es dauert aber noch, bis man eine endgültige Lösung einspeichern kann. Die Geschäftsleute, die von einer existenzbedrohenden Situation sprechen, fordern zusätzliche Querungen. Diese sollen nach dem am Freitag beendeten Bürgervotum jetzt kommen.