© APA/BARBARA GINDL

Chronik Wien
11/08/2020

Anschlag in Wien: Das sind die Tatwaffen

Rund 550 Notrufe gingen Montagabend ein. Die Polizei veröffentlich Fotos der Tatwaffe. Die Upload-Plattform wurde deaktiviert.

550 Polizisten sind im Schnitt in einer normalen Nacht in Wien im Einsatz. Rund 1.000 waren es nach dem Terroranschlag mit vier Toten und mehr als 20 Verletzten am Montagabend und in der Nacht auf Dienstag. Weitere 150 Beamte hatten sich freiwillig in den Dienst gestellt, um zu helfen.

3.000 bis 4.000 Notrufe gehen jeden Tag bei der Wiener Polizei ein, diese führen zu 1.100 bis 1.200 Einsätzen. 540 Notrufe waren es am Montag allein zwischen 20 und 21 Uhr. Aufgrund der chaotischen Situation wurden viele Polizisten auch als mögliche Terroristen von der Bevölkerung wahrgenommen und beim Notruf gemeldet. Dadurch wurden viele Beamte gebunden.

"Im Chaos der ersten Minuten ist es am schwersten, aber gleichzeitig am wichtigsten, den Überblick zu bewahren. Bei hunderten Notrufen, dutzenden Streifeneinheiten und sekündlich veränderten Informationen ist das natürlich ein absoluter Ausnahmezustand", erinnert sich Notruf- und Einsatzdisponent Revierinspektor Christian H. am Wochenende gegenüber der APA. "Viele Kolleginnen und Kollegen der Funkstelle waren stundenlang unter Strom - erst um Mitternacht ist es erstmals etwas ruhiger geworden", ergänzt sein Kollege Thomas F.

Zahlreiche Paralleleinsätze

Die APA konnte Einblick in das Einsatzprotokoll der Landesleitzentrale nehmen. Darin zeigt sich nun, dass der erste Notruf um 20 Uhr eingegangen ist, um 20.01 wurde schon der erste Streifenwagen entsandt, nur eine Sekunde später schon zwei weitere Wagen. Um 20.03 Uhr wurde der Täter das erste Mal gesichtet. Um 20.07 Uhr trifft der Polizeihubschrauber in der Inneren Stadt ein. Um 20.09 Uhr geht die Funkmeldung ein, dass der Täter erschossen wurde.

Im Protokoll zeigt sich aber auch, dass es parallel zu den Notrufen, die den ersten Bezirk betreffen, auch zahlreiche Meldungen über möglich Tatorte in anderen Bezirken gab. So wurden auch Täter am Hohen Markt, im Stadtpark, in der Leopoldstadt und auf der Mariahilfer Straße gemeldet. Diese Anrufe stellten sich zum Glück als falsch heraus.

Unterdessen veröffentlichte die Polizei am Sonntag Fotos der Tatwaffe: Wie der KURIER berichtete, handelte es sich um das Sturmgewehr "Zastava M70", das in Serbien hergestellt wird und auf der Technik des Kalaschnikow-Sturmgewehrs (AK-47 und AKM) aufgebaut ist. Es verschießt das Kaliber 7,62 × 39 Millimeter.

Außerdem verwendete der Attentäter eine Faustfeuerwaffe, eine Machete und hatte eine Fülle an Munition dabei. Sämtliche Waffen werden im Zuge der Ermittlungen kriminaltechnisch untersucht - woher der Täter die Waffen hatte, ist noch nicht bekannt.

Unterdessen wurde in der Nacht auf Sonntag die Upload-Plattform des Bundeskriminalamts deaktiviert. Diese wurde 90 Minuten nach dem Anschlag erstmals aktiviert - dort konnten Zeugen Videos und Fotos hochladen. 24.000 Uploads wurden von Bürgern hochgeladen. 100 Ermittler sichteten die Daten innerhalb von 48 Stunden.

"Anschlag als Gesamtbild"

"Mit dem Videomaterial ist der komplette Tatablauf sehr gut und vollständig rekonstruierbar", berichtete Erhard Freißnik, Leiter des Cybercrime-Competence-Centers (C4) im Bundeskriminalamt.  „Diese Upload-Tools bieten der Polizei fast in Echtzeit neue Ansichten des Tathergangs“, sagte der Experte. Zusammengesetzt zeigen die Videos und Bilder den Anschlag aus den verschiedensten Perspektiven beinahe als Gesamtbild.

AUSTRIA-POLICE-RELIGION-ATTACK

Die Medien-Upload-Plattform wird auch zukünftig den Landespolizeidirektionen in besonderen Lagen zur Verfügung gestellt. Sie soll helfen, rasch weitere Erkenntnisse über Tatvorgänge und somit neue Ermittlungsansätze zu gewinnen. Sollten Zeugen weiterhin Bilder und Videos den Sicherheitsbehörden zur Verfügung stellen wollen, dann ist dies jederzeit direkt telefonisch unter dem Notruf 133 oder persönlich auf jeder Polizeiinspektion in Österreich möglich.

Verfahren gegen Schweizer Verdächtige startet

In der Schweiz übernimmt die Bundesanwaltschaft (BA) nächste Woche das Verfahren gegen die zwei im Zusammenhang mit dem Attentat in Wien verhafteten Männer aus Winterthur. Es müssten nur noch "Fragen des Timings" und der konkreten Koordination geklärt werden. Danach werde die BA mit der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich "die Übergabe des Falles umsetzen", teilte die BA am Sonntag mit. Sie bestätigte damit eine Meldung in der Zeitung Sonntagsblick.

Der 18- und der 24-Jährige sind bereits in zwei laufende Terrorismus-Strafverfahren der BA involviert. Der Ältere der beiden Verhafteten ist Beschuldigter in einem dieser Verfahren. Der Jüngere ist zudem Beschuldigter in einem Verfahren der Jungendanwaltschaft Winterthur.

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