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Chronik Wien
10/18/2021

Alte Knochen in neuen Mauern

Im 146 Millionen Euro teuren Neubau der Universität wird unter anderem das Verhalten von Raben und Fischen untersucht

von Nina Oezelt

Zwischen dem Gebäude des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung und der U3-Station Schlachthausgasse wurde in den vergangenen drei Jahren am neuesten Standort der Uni Wien gebaut: dem Biologiezentrum. Einem Zentrum, das alle Stückerln spielt.

Dort befinden sich jetzt auf 19.000 Quadratmetern Nutzfläche die Fakultät für Lebenswissenschaft und das Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaften. Außerdem gibt es ein Gewächshaus mit drei Klimazonen (regionales Klima, Wüstenklima und tropisches Klima). 5.000 Studierende und 500 Mitarbeiter haben dort Platz.

Geforscht wird vom zweiten bis zum fünften Stock; die Laborflächen machen rund 40 Prozent des Gebäudes aus. Und die Laborabluft wird zur Wärmerückgewinnung genutzt.

Skelett und Schlachthof

Auf den ersten Blick sieht der riesige Block aus wie ein Holzhaus. In Wirklichkeit ist die Fassade mit 400.000 Klinkersteinen – das sind Hartbrandziegel – verkleidet. „Damit greifen die Architekten aus Berlin die Geschichte des Ortes, die historischen Ziegelbauten von den Sankt Marxer Schlachthöfen auf“, sagt Gert Widu, verantwortlicher Projektleiter der Bundesimmobiliengesellschaft.

Die zuständigen Architekten setzten sich bei einem Wettbewerb durch. Die von ihnen gewählte Gebäudeform ist von einem Dino-Skelett inspiriert: Man erkennt einen kleinen Dino-Rücken, wenn man den Grundriss betrachtet.

An den lang gezogenen Hauptbereich schließen vier trapezförmige Bauten an. Darin befinden sich Hörsäle und die noch nicht fertige Mensa. Im Foyer sowie in den Hörsälen sind riesige Walskelette zu sehen.

„Eine Universität soll für alle zugänglich sein“, sagt Widu. Die Grünflächen und die Mensa stehen genauso allen zur Verfügung wie das Kunst-am-Bau-Projekt „Vivarium St. Marx“: Geschaffen wurde es vom amerikanischen Künstler Mark Dion, es setzt sich mit der Repräsentation von Natur auseinander.

Dafür wurde ein lebloser Baum vom Baugrund entfernt und in einen Glaskasten gelegt. Jetzt kann man den Prozess der Verwesung beobachten. eine Biologie-Studentin am Weg zu ihrem Seminar. „Die Ausstattung und die Steckdosen für die Laptops sind fantastisch“, lobt eine andere.

Auf die Frage, ob angesichts der Schlachthof-Vergangenheit des Gebäudes vor dem Uni-Bau ein Energetiker gerufen werden musste, lacht Widu: „Nein, aber wir haben bei den Arbeiten Baurestmassen in elf Metern Tiefe gefunden. Dort wurde früher mit dem Eis der Donau das Fleisch vom Schlachthof gelagert“.

Für das Uni-Gebäude wurde sogar eine eigene Adresse geschaffen. Die Schlachthausgasse/Ecke Viehofmarktgasse wurde zum „Djerassiplatz 1“ – benannt nach dem Wiener Chemiker Carl Djerassi, der als Miterfinder der Antibaby-Pille gilt.

„Im ehemaligen Bio-Zentrum (Althanstraße) gab es mehr ausgestellte Skelette, hier ist es steril“, sagt

Tauben, Raben, Barsche

In den oberen Bereichen des neuen Gebäudes werden nicht nur das Verhalten und die Kommunikation von Raben und Tauben untersucht. In einem Bioakustiklabor wird erforscht, wie sich Barsche verständigen.

Für die Spitzenforschung gibt es dort Großgeräte, etwa ein Massenspektrometer, mit dem man Atome und Moleküle messen kann. Außerdem findet man einen Bioreaktor zur Reproduktion und Erforschung der Ur-Bakterien Archaea.

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