Alkoholverbot Bahnhof Floridsdorf: "Szene hat sich nur verlagert"
Von Franziska Trautmann
Um 10 Uhr morgens herrscht Hochbetrieb am Franz-Jonas-Platz vor dem Floridsdorfer Bahnhof. Straßenbahnen fahren im Drei-Minuten-Takt ein und aus, Menschen eilen über den Betonplatz, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Der fünftgrößte Bahnhof Österreichs ist aber nicht nur ein Pendler-Hotspot, sondern für viele auch ein Angstraum. Um dem entgegenzuwirken, gilt dort seit Februar 2025 eine Alkoholverbotszone.
Dieses Verbot soll jetzt unbefristet verlängert werden, wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Montag erklärte. Grund dafür: Beschwerden und Straftaten seien kaum noch festzustellen. Dadurch sei der Platz wieder sicherer. Das bestätigt auch die Landespolizeidirektion Wien auf Nachfrage. Man merke einen Rückgang der Einsätze, eine Statistik dazu gäbe es aber nicht.
„Hat sich nur verlagert“
Der 22-jährigen Anita Buidin ist der Unterschied aufgefallen. Sie fühle sich vor allem abends wieder sicherer. „Ich hoffe, dass das Verbot und die Polizeipräsenz bleiben“, sagt sie. Auch Pensionistin Hermine Rohaczek (67) findet das Alkoholverbot „grundsätzlich sehr gut“. „Ich glaube aber, dass es nicht viel ändert, die Szene verlagert sich nur im Bezirk“, sagt sie.
Denn das Alkoholverbot gilt nur für einen bestimmten Bereich: am Franz-Jonas-Platz selbst, Teile der Schloßhofer Straße und der Rechten Nordbahngasse sowie der Pius-Parsch-Platz und die Fußgängerzone der Franklinstraße. In anderen Teilen des Bezirks gilt kein Verbot – so auch am neuen Hotspot: Am Spitz.
Der Platz vor dem Amtshaus Floridsdorf Am Spitz soll der neue "Hotspot" sein.
„Es hat sich einfach verlagert. Jetzt sind sie bei uns hier am Platz“, sagt die 29-jährige Alice B. Sie arbeitet in einem Geschäft direkt gegenüber vom Amtshaus Am Spitz. Persönlich fühle sie sich aber nicht bedroht: „Die Polizei kommt regelmäßig vorbei und fragt in den Geschäften nach, ob es Probleme gibt.“ Für sie wäre ein Alkoholverbot keine langfristige Lösung, denn „dann würden die Menschen einfach wo anders hingehen.“ Anders sieht das der angrenzende Geschäftsbesitzer Robert Bagani (53): „Es kommen immer weniger Kunden zu mir, weil sie Angst haben. Ich wünsche mir hier auch ein Alkoholverbot.“
SPÖ-Bezirksvorsteher Georg Papai, der seinen Amtssitz auch Am Spitz hat, sieht das differenziert: „Ich verstehe die Bedenken der Anrainer, aber mit dem Franz-Jonas-Platz ist das nicht zu vergleichen.“ Für ihn komme hier kein Verbot infrage. Am Spitz seien es maximal zwölf Leute, die sich dort aufhalten, beim Bahnhof wären es bis zu 45 gewesen. Außerdem stünden Sozialarbeiter immer mit ihnen im Austausch.
„Ein Alkoholverbot kann ein Problem nicht wegzaubern“, sagt Papai, und: Das Alkoholverbot habe zu einer Verbesserung des Sicherheitsgefühls im Bezirk gesorgt. Er bekomme viel weniger Beschwerden.
Umgestaltung geplant
Generell soll der Franz-Jonas-Platz zu einem grünen, attraktiven und klimafitten Platz umgestaltet werden. Drei Monate lang konnten Bürger ihre Wünsche für die Umgestaltung einbringen. Der Befragungszeitraum ging von Dezember 2024 bis März 2025. Am 5. Februar sollen die Vorschläge im Rahmen einer öffentlichen Präsentation im Amtshaus Floridsdorf präsentiert werden.
Bis 2029 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Laut Papai hänge das Alkoholverbot aber nicht mit diesem Projekt zusammen. „Es gilt nicht als erster Schritt, fällt aber zeitlich mit der Umgestaltung gut zusammen“.
Auch in anderen Wiener Bezirken gibt es Verbotszonen auf öffentlichen Plätzen. Seit 2018 besteht am Praterstern ein Alkoholverbot, ein Jahr später kam ein Waffenverbot dazu. Ähnliche Maßnahmen wurden in Favoriten am Keplerplatz und am Reumannplatz eingeführt, dort gilt seit März 2024
eine Waffenverbotszone. Das jüngste Waffenverbot wurde im August 2025 am Yppenplatz verhängt.
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